Haushalt

Waschmittel einfach selbermachen?

Waschpulver-Waschnuss_B
Maria Burkhardt
Maria Burkhardt
am Montag, 07.12.2020 - 10:00

Haken an der Sache ist, dass die im Waschwasser gelösten Schmutzpartikel schwierig in der Schwebe zu halten sind.

Als alternative Waschmittel werden Soda, Seife, Waschnüsse und Kastaniengranulat angepriesen. Sogar Efeublättern wird eine Waschwirkung nachgesagt. Sie sollen Textilien besonders umweltschonend und kostengünstig sauber waschen. Das klingt vielversprechend und ist nicht ganz abwegig. Denn Waschnüsse, Kastanien und Efeublätter enthalten sogenannte Saponine, die in Wasser gelöst seifenähnliche Substanzen freisetzen.

Schmutzpartikel in der Schwebe halten

So schön es wäre, die Sache hat einen Haken. Die alternativen Waschmittel schaffen es nicht, die im Waschwasser gelösten Schmutzpartikel in der Schwebe zu halten, damit sie weggespült werden. Stattdessen setzen sich die Schmutzteilchen nach und nach auf den Textilfasern ab. Die Wäsche vergraut in kürzester Zeit, hat die Stiftung Warentest festgestellt. Im Vergleich dazu sahen Prüftextilien, die mit einem guten Color-Flüssigwaschmittel gewaschen wurden, nach 20 Wäschen immer noch tadellos sauber aus.

Schwierige Fleckenentfernung

Die pflanzlichen Waschmittel scheiterten auch an der Fleckentfernung. 20 alltägliche Verschmutzungen wie Tee, Spinat und Schoko-Dessert entfernten sie beim Test so gut wie gar nicht. Auch ökologisch sind die alternativen Waschmittel kein Fortschritt. Wenn die Wäsche nicht gründlich sauber wird, werde vermutlich ein zusätzlicher Waschgang durchgeführt, mit erneutem Strom- und Wasserverbrauch, resümiert die Stiftung Warentest. Bei hartem Wasser kann außerdem die Maschine schnell verkalken, weil die Mittel keine Wasserenthärter enthalten (das muss bei dunkler Wäsche bedacht werden). Außerdem steigt das Risiko, dass vergraute Sachen unnötig schnell entsorgt werden. Die durch die Produktion neuer Textilien verursachten Umweltbelastungen sind höher als die allenfalls geringe Entlastung der Kläranlagen.

Das gilt auch für selbst hergestelltes Flüssigwaschmittel aus Seife und Soda. In Rezepturen im Internet wird Kernseife zu Seifenflocken geraspelt und mit Soda in Wasser aufgekocht. Mal abgesehen davon, dass die Zubereitung mit Arbeit verbunden ist, so unbedenklich ist die Sache nicht. Soda und Seife sind stark alkalisch und können bei sorglosem Umgang die Haut und Schleimhäute gefährden. Schon allein beim Reiben der Kernseife können die Atemwege gereizt werden. Billiger kommen die alternativen Waschmittel auch nicht. Im Gegenteil. Waschnüsse und -kastanien sind viel teurer als gängige Waschmittel. Auch Kernseife hat ihren Preis.

Rat der Stiftung Warentest

„Greifen Sie lieber zu guten Color- und Vollwaschmitteln“, lautet der Rat der Stiftung Warentest. In den Waschmitteln sorgen Tenside für Sauberkeit. Weil stark kalkhaltiges Wasser die Wirkung von Tensiden mindert, werden Wasserenthärter eingesetzt.

Bleichmittel ist in der Regel nur in Vollwaschmittel enthalten, da es empfindliche Fasern und Farben angreift. Auch optische Aufheller sind nur in Vollwaschmitteln enthalten. Sie lassen weiße Wäsche weißer erscheinen. Konservierungsmittel müssen bei flüssigen Waschmitteln eingesetzt werden. Ansonsten unterscheiden sich flüssige Waschmittel in der Zusammensetzung nicht von Pulvern oder Tabs. Bei Tabs ist es nicht möglich, die Dosierung dem Grad der Verschmutzung und der Härte des Wassers anzupassen.

Umweltfreundlichkeit von Waschmitteln

Einige Waschmittelhersteller werben mit Umweltfreundlichkeit. Meist ist die Verpackung aus Recyclingmaterial und die Tenside werden statt aus Erdöl oft aus Palmöl gewonnen. Ein Zertifikat kann darüber Aufschluss geben, ob das Palmöl von Plantagen stammt. Egal, welche Tenside eingesetzt werden, sie sind alle vollständig biologisch abbaubar, erklärt Dr. Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel in Frankfurt am Main. Um die Umwelt nicht unnötig zu belasten, kommt es vor allem auf die Dosierung an, die sich am Grad der Verschmutzung und der Wasserhärte richtet.

Auch wenn die meisten Wäscheposten bei niedrigen Temperaturen sauber werden, für die Hygiene in der Waschmaschine sollte alle zwei bis vier Wochen mit 60 Grad und einem Vollwaschmittel bzw. Universalwaschmittel gewaschen werden, das Bleichmittel enthält, damit sich in den Schläuchen Bakterien nicht ungehindert vermehren. Das Energiesparprogramm erreicht diese Temperatur meist nicht.