Ernährung

Selbstversorgung nicht gesichert

Getreide
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 28.12.2020 - 09:34

Die in Deutschland zur Ernährung der Bevölkerung erzeugten Lebensmittel haben rechnerisch bis zum 17. November gereicht.

Der Bauernverband Schleswig Holstein veröffentlichte am 17.11.20 über die sozialen Medien den Selbstversorgungsüberschreitungstag. Dass es überhaupt einen solchen Tag gibt, der per Saldo nachweist, dass Landwirte bis zum Jahresende rechnerisch nicht mehr in der Lage sind, die Bevölkerung zu ernähren, sollte nach Ansicht von Landwirtschaft verbindet Bayern zum Nachdenken anregen.  In der Veröffentlichung werden die verschiedenen Selbstversorgungsüberschreitungstage für die verschiedenen Produkte der Landwirtschaft terminiert. (Ausgehend vom Jahresbeginn 01. Januar):

  • Bei Milch ist die Versorgung bis 31.12. gesichert.
  • Obst reicht bis 20. Februar
  • Bei Gemüse ist am 6. Mai das heimische Regal leer
  • Eier sind bis zum 18. September noch vorhanden usw.

Produktionsfläche reicht nicht aus

Deutschland stehen 16,7 Mio. ha landwirtschaftlich genutzte Fläche zur Verfügung. Der Verbrauch an Nahrungsmitteln im Land bedürfte aber eine Fläche von ungefähr 19 Mio. ha.

Das sind eigentlich Fakten. Das müsste, so LSV Bayern, vermuten lassen, dass die Bauern am Markt in einer komfortablen Situation sind. Durch den Mangel an allen Ecken sollte man den Bauern eigentlich ihre regionalen Produkte aus den Händen reißen. Aber weit gefehlt. Sü würden die vorhandenen Angebotsmengen, die zum Teil knapp die Eigenversorgung übersteigen, den Bauern als Überschüsse, wo auch immer diese herkommen, wieder unter die Nase gehalten und drücken den Preis.  Aber auch in Segmenten, in denen der Selbstversorgungsgrad lange nicht gedeckt ist, seien die Bauern mit ihren Produkten der Marktmacht ihrer Abnehmer und dem Weltmarktpreis unterworfen und es gebe nur selten kostendeckende Preise.

Reiches Deutschland bedient sich aus armen Ländern

Je weiter die Nahrungsmittelproduktion aus Deutschland entfernt werde, desto mehr müsse importiert werden und darunter leide die ganze Welt in Form von Ausbeutung, Hunger und Naturzerstörung durch einen steigenden Flächenbedarf, beschreibt LSV Bayern die Kehrseite der Medaille. Fakt sei auch, dass selbst an Weinachten für viele Menschen auf dieser Erde die Teller leer geblieben sein dürften. Das sollte jedem Menschen in Deutschland gerade in der schwierigen Pandemie Zeit zu denken geben, dass es nicht selbstverständlich sei, dass es für jeden Menschen etwas zu essen gibt.

Nicht jeder könne sich Nahrung leisten, da Deutschland aber ein reiches Land sei, könnten sich die Bürger mit Lebensmittel auch aus ärmeren Ländern leicht eindecken, Kartoffeln aus Ägypten, Heidelbeeren aus Peru, Himbeeren aus Marokko, Rindfleisch aus Argentinien und auch Äpfel aus Südafrika sind nur einige Beispiele. Das werfe die Frage nach sozialer Gerechtigkeit auf.