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Haushalt

Qualität ist bei Kerzen sichtbar

Kerzenlicht wärmt die Seele: Zu keiner Jahreszeit werden so viele Kerzen gekauft und angezündet, wie in der Vorweihnachtszeit.
Elke Messerschmmidt, Kompetenzzentrum Hauswirtschaft
am Freitag, 04.11.2022 - 08:24

Kerzen zaubern im Nu eine stimmungsvolle Atmosphäre in die Stube. Es gibt allerdings Unterschiede beim Material, auch in Sachen Nachhaltigkeit.

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Ob ganz klassisch auf dem Adventskranz oder im modernen Arrangement: Kerzen verbreiten ein romantisches Licht. Aber sind sie auch nachhaltig? Die Frage ist berechtigt, denn pro Person und Jahr verbrauchen die Deutschen 2,4 kg Kerzen, davon rund die Hälfte in der Advents- und Weihnachtszeit.

Die Kerzen im Handel bestehen zum größten Teil aus Paraffin, Stearin und Bienenwachs.

  • Paraffin bildet die Grundsubstanz für die meisten Kerzen. Es entsteht bei der Verarbeitung von Rohöl und schneidet von daher aus ökologischer Sicht am schlechtesten ab. Paraffinkerzen brennen zudem schneller ab als Kerzen, die hauptsächlich aus Stearin gemacht sind.
  • Stearin wird aus pflanzlichen oder tierischen Fetten gewonnen. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit ist das zunächst positiv. Allerdings stammen die eingesetzten Pflanzenöle von der Kokos- oder Ölpalme. Palmöl ist umstritten, da für den Anbau artenreicher Regenwald gerodet wird. Manchen Stearinfetten sind tierische Fette aus Schlachtabfällen beigemischt.

Kerzen aus Rapsöl als Alternative

Kerzen mit dem RAL-Gütezeichen brennen gleichmäßig und tropffrei ab und beugen so Wachsflecken vor.

In den USA gewinnt Sojaöl als Ausgangsmaterial für Kerzen an Bedeutung. Ihr Transport nach Deutschland wirkt sich allerdings negativ auf die Ökobilanz aus. Eine europäische Alternative wäre, Kerzen aus Rapsöl herzustellen. Die gibt es derzeit vereinzelt. Als Nischenprodukt sind sie aber noch sehr teuer. Kerzen aus Soja- und Rapsöl sind meist als solche gekennzeichnet, um den teuren Preis zu rechtfertigen.

Der große Pluspunkt bei allen Stearinkerzen ist, dass sie besonders lange und weitgehend tropffrei brennen. Oft werden Stearin und Paraffin gemischt, damit die Kerzen bessere Eigenschaften erhalten, z. B. bleiben Stearinkerzen mit Paraffin fester und zerbröseln nicht so leicht. Paraffin mit Stearin brennt besser und langsamer ab.

Bienenwachs ist ein nachhaltiges Kerzenmaterial, das auch aus der Region kommen kann. Allerdings gibt es von dem Naturstoff nur begrenzte Mengen. Für den deutschen Markt wird Bienenwachs teilweise importiert. Das verschlechtert die Ökobilanz infolge langer Transportwege. Bienenwachskerzen überzeugen durch eine lange Brenndauer, und noch mehr durch ihren natürlichen Duft nach Honig beim Abbrennen.

Duftstoffe in Duftkerzen können allergische Reaktionen auslösen

Duftkerzen enthalten dagegen Duftstoffe, auf die manche Menschen allergisch reagieren. Auf Duftkerzen sollten daher vor allem Allergiker verzichten.

 

So schön Kerzenlicht ist. Jede Flamme verbraucht Sauerstoff. Gleichzeitig entstehen − wie bei jeder Verbrennung − verschiedene Schadstoffe, z. B. Alkane, Alkene, Ketone, Toluol und Benzol. Und es steigen Feinstaubpartikel mit der heißen Luft in die Höhe. Deshalb verschlechtert sich die Raumluft beim Brennen einer Kerze etwas. Je rußfreier eine Kerze abbrennt, desto weniger Schadstoffe gibt die Flamme in die Umgebung ab. Die Schadstoffbelastung aus Kerzenwachs ist für den Menschen verschwindend gering. Regelmäßiges Lüften verbessert wieder die Raumluft.

Um gute Qualität und ein hohes Maß an Sicherheit zu garantieren, hat die Kerzenindustrie mit dem RAL-Gütezeichen Kerzen einen Standard festgelegt. Danach dürfen bedenkliche Stoffe nicht oder nur in begrenzten Mengen in Kerzen vorkommen. Kerzen mit diesem Label werden ständig kontrolliert. Sie müssen z. B. eine leuchtende, ruhige Flamme aufweisen, rußarm verbrennen und dürfen nicht tropfen.

Bei Teelichtern Aluschalen vermeiden oder recyceln

Einige Hersteller preisen die Qualität ihrer Kerzen zusätzlich mit einem Bio-Label an, machen aber meist keine konkreten Aussagen bezüglich der Herkunft der Materialien und Inhaltsstoffe. Ob beispielsweise das Palmöl aus nachhaltiger Produktion stammt, kann der Verbraucher nicht wirklich nachvollziehen. Deshalb hält der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland von dieser Art von Kennzeichnung nichts.

Besonders beliebt sind Teelichter. Rund acht Milliarden gehen jährlich über deutsche Verkaufstheken. Da die Hüllen aus Aluminium hergestellt werden, und diese viel zu selten dem Recycling zugeführt wird, schneiden sie in puncto Nachhaltigkeit nicht gut ab. Bei einem Gramm Aluminium pro Teelicht fallen jedes Jahr 8000 t Alumüll an. Diesen nicht zu recyceln, ist eine enorme Verschwendung von Ressourcen. Nachhaltiger ist es, Teelichter in Glasschalen zu kaufen und die Kerzen zu erneuern, wenn diese abgebrannt sind.