Umwelt

Unser Müll ist privat

Carmen Vitzthum
am Montag, 16.12.2019 - 08:15

Am besten wäre: Gar kein Müll. Manchmal ist das sogar ganz leicht möglich, wie „Zero Waste“- und Müllspezialistin Dr. Manuela Gaßner in ihren Tipps für einen umweltbewussten Haushalt weitergibt. Etwas Umstellung aber ist es schon.

Müllvermeidung

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Nicht nur die Meere quellen über vor Plastik, auch unsere Seen und Flüsse sind massiv verschmutzt. Dass Zero Waste, zu deutsch null Müll, manchmal trotzdem ganz einfach sein kann, sagt Dr. Manuela Gaßner. Die Autorin, dreifache Mutter, Agrarwissenschaftlerin und Expertin für Müllvermeidung hat im Rahmen des Arbeitskreises Landwirtschaft, Ökologie, Verbraucherschutz, Energie der Katholischen Landjugendbewegung Bayern von ihrer langjährigen Erfahrung erzählt.

Man kann viel über einen Menschen durch seinen Müll herausfinden. „Der Blick in den Mülleimer ist sehr privat“, sagt Gaßner. Auch selbst sollte man einmal den eigenen Müll anschauen und daraus lernen. Der erste Tipp der Expertin ist: „Schritt für Schritt anfangen“. Das bedeutet, entweder nach und nach bestimmte Verpackungen vermeiden oder sich Zimmer für Zimmer vorzunehmen.

Der einfachste erste Schritt sei, zum Einkaufen einen Korb oder eine eigene Tasche mitzunehmen. Dafür am Besten überall Stofftaschen bunkern: im Auto, bei der Arbeit, in Rucksäcken und Handtaschen, im Fahrradkorb.

Beim Einkauf kann man darauf achten, dass so viel wie möglich unverpackt ist. Die Breze beim Bäcker „auf die Hand“ bestellen, wenn sie ohnehin gleich gegessen wird. Für Brot und Semmeln schon vor der Bestellung sagen, dass man dafür einen Beutel dabei hat. Bei manchen Metzgern ist es oft schwieriger, Fleisch und Wurst in der eigenen Box einzukaufen. Sie berufen sich meist auf die Hygienevorschriften. „Da hilft nur, es immer wieder zu probieren und auch Freunde in die Läden zu schicken“, sagt Gaßner. Bei einigen Metzgern könne man seine Box auf den Tresen oder auf einem Tablett zum Befüllen ablegen.

Leitungswasser kommt ohne Verpackung aus

Unkompliziert und müllfrei hingegen ist das Trinken: „Unser Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland“, erklärte Gaßner.

Im Haushalt und bei der Körperpflege fallen nicht nur vermehrt Plastikverpackungen, sondern auch Mikroplastik an: Das sind sehr kleine Plastikpartikel, die in Dusch-, Wasch- und Putzmitteln enthalten sind. Beim Abwaschen gelangen sie ins Wasser und brauchen Jahrhunderte, bis sie sich zersetzen. Gaßners allgemeiner Tipp hier: Pulver sind besser als flüssige Mittel.

Viele der Mittel könne man aber auch selber machen. Für die Körperwäsche reiche auch „die gute alte Kernseife“, rät Gaßner. Auch Shampoo kann man durch Haarseifen ersetzen, die gibt es schon in vielen Drogerien. Wer beim Einkaufen detailliert Hilfe bezüglich Mikroplastik sucht: Online gibt es den „BUND Einkaufsratgeber“, zum Ausdrucken. Praktisch ist auch die App „Code Check“. Sie bewertet alle Inhaltsstoffe eines Produkts, indem man es per Kamera scannt.

Zuletzt sprach Gaßner über Süßigkeiten. Sie seien ein großer Müllfaktor. Oft sind die Leckereien doppelt oder in Dekoverpackungen gepackt. Hier rät sie zum selbst Backen: „Plätzchen kann man das ganze Jahr backen und essen“.

Jeder habe aber seine Lieblinge, die er unbedingt behalten soll, rät die Expertin. Denn das sind meistens die Dinge, die am meisten beim Verzicht weh tun. Das kann das Glanzshampoo oder die Tüte Chips sein. „Schokolade ist meine Schwäche“, gibt Gaßner zu. Erst habe sie darauf komplett verzichtet, jetzt gönnt sie sich ab und zu eine Tafel – inklusive Verpackungsmüll.