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Tierfreie Ernährung

Milch- und Fleischersatz: Nicht so nachhaltig wie gedacht

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Redaktion Wochenblatt
am Montag, 14.03.2022 - 14:15

Trendfood Fleisch- und Milchersatzprodukte: Viele Verbraucher wollen sich nachhaltig ernähren, aber wissen nicht wie. Die Bayerischen Landfrauen geben Tipps, worauf man beim Kauf achten sollte und wie die heimische Landwirtschaft bei einer veganen und vegetarischen Ernährung unterstützt.

Sich nachhaltig zu ernähren, spielt für immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher eine wichtige Rolle. Aus diesem Beweggrund nimmt auch die Nachfrage nach Fleisch- und Milchalternativen zu. „Wir Landfrauen begrüßen es, dass sich Verbraucherinnen Gedanken machen, wie sie sich gesund und klimafreundlich ernähren können. Allerdings sehen wir die immer größer werdende Zahl an Fleisch- und Milchalternativen teilweise kritisch“, betonte Landesbäuerin Anneliese Göller anlässlich des Weltverbrauchertags, morgen am 15. März.

Weil es in der Bevölkerung eine zunehmende Verunsicherung gebe, wie man sich „richtig“ nachhaltig ernährt, haben die Landfrauen wissenswerte Informationen zu Fleisch- und Milchersatzprodukten zusammengestellt.

Verarbeitungsgrad und Inhaltsstoffe checken

Wie gesund und klimafreundlich pflanzliche Alternativen zu Fleisch oder Milch tatsächlich sind, hängt von den jeweiligen Inhaltsstoffen, dem Verarbeitungsgrad der Produkte und der Herkunft der Zutaten ab. „Wer zu Fleisch- und Milchalternativen greift, sollte beim Einkauf genau auf die Zutatenliste schauen, den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung und die Herkunft der Zutaten hinterfragen“, sagte Göller.

Vegetarische oder vegane Fleischersatzprodukte auf Basis von Hülsenfrüchten, Weizen oder Jackfrucht enthalten häufig jede Menge Zusatzstoffe, viel Salz und sind hoch verarbeitet. Auch bei Pflanzendrinks lohnt ein Blick auf die Zutatenliste.

Als vermeintliche Alternativen zu Kuhmilch werden vor allem Sojadrinks, Getreidedrinks etwa aus Hafer und Reis sowie Mandeldrinks angepriesen. Das sind verarbeitete Produkte, denen häufig Zusatzstoffe, Öl, Zucker, geschmacksgebende Zutaten wie Aromen und Mineralstoffe zugesetzt sind, um das Nährwertprofil von Milch nachzuahmen und um den Geschmack und die Stabilität des Produktes zu verbessern.

In der Nähstoffzusammensetzung unterscheiden sie sich dennoch von dem Naturprodukt Kuhmilch, beispielsweise durch einen deutlich geringeren Eiweißanteil (außer der Soja-Drink). Sie können vom Nährwert her nicht als gleichwertiges Produkt eingestuft werden. Wer zu Pflanzendrinks greift, sollte aus Sicht der Landfrauen auf Produkte mit regionalen Rohstoffen achten. Diese unterstützen die heimische Landwirtschaft und haben kurze Transportwege.

Selbst kochen mit regionalen Zutaten

Die Landfrauen empfehlen generell – wie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung – sich vielfältig mit einer bunten Mischung aus pflanzlichen und tierischen Produkten zu ernähren. „Wer fleischreduziert, vegetarisch oder vegan essen möchte, sollte selber kochen, statt zu industriell gefertigten Fleischersatzprodukten zu greifen. Wer dabei regionale Zutaten verwendet, ist aktiver Klimaschützer“, betont die Landesbäuerin. Essen aus Bayern stehe für hohe Qualität, Saisonalität und für Vielfalt auf dem Teller.

Zudem weisen die Landfrauen darauf hin, dass die Wiesen in Grünlandregionen, Koppelprodukte (z. B. Stroh), Nebenprodukte (z. B. Rapsextraktionsschrot) und Teile der Fruchtfolge (z. B. Kleegras) zur nicht-essbaren Biomasse gehören. Je Kilogramm pflanzlichem Lebensmittel für den menschlichen Verzehr fallen etwa vier Kilogramm nicht essbare pflanzliche Biomasse an. Diese kann ausschließlich über die Tierhaltung nutzbar gemacht werden – sie könnte keinen Teller füllen.

Göller betonte: „Wir sehen in Fleisch- und Milchersatzprodukten daher keine Alternativen zu tierischen Produkten, sondern sich ergänzende Produkte im Sinne einer nachhaltigen Ernährung und Kreislaufwirtschaft. Sie sind vom Nährwert in der Regel nicht zu vergleichen.“

Mehr Aufklärung und Bildung sind nötig

Die Landfrauen halten deshalb mehr Aufklärung und Bildung auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse für notwendig. Sie appellieren an die Politik, die Bauernfamilien bei der Anpassung an den sich ändernden Konsum an tierischen Produkten finanziell und ideell zu unterstützen, ihnen Planungssicherheit und verlässliche Perspektiven aufzuzeigen. Sie fordern außerdem eine verstärkte Ernährungs- und Verbraucherbildung von klein auf.

Mit Material von Landfrauen im Bayerischen Bauernverband