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Wissenswert

Lakritz ist mehr als eine Nascherei

Lakritze-Süßholzwurzel-Süßigkeit: Eine Lakritz-Schnecke liegt auf ein paar Stäben der Süßholzwurzel.
Dr. Andrea Flemmer
am Mittwoch, 09.03.2022 - 10:30

Bei Lakritze scheiden sich die Geister. Die einen naschen sie mit Vorliebe, den anderen schmeckt sie überhaupt nicht. Woher kommt der besondere Geschmack? Und stimmt es, dass zu viel davon ungesund ist?

Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso? Das gilt nicht unbedingt für Lakritze. Zumindest lohnt sich beim Kauf von Süßigkeiten mit Lakritze ein Blick auf die Verpackung: Denn einige Produkte tragen auf der Rückseite den Aufdruck „Erwachsenenlakritz, kein Kinderlakritz“, ein Hinweis, der aus der besonderen Wirkung von Lakritze herrührt.

Lakritze, der „Bärendreck“, wird aus der Wurzel von Süßholz hergestellt. Der eingedickte Saft wird mit Gelatine, Stärke, Agar-Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin, Zuckersirup und schwarzer Zuckercouleur vermischt. Von Natur her ist die Wurzel nicht so dunkel.

Salmiak-Gehalt kann problematisch sein

Es gibt die Süßigkeit in unzähligen Formen, Variationen und Geschmacksrichtungen. In Norddeutschland wird Süßholzwurzelextrakt mit Ammoniumchlorid und Anisöl zu Salmiakpastillen verarbeitet – ein traditionelles Arzneimittel zur Schleimlösung der Atemwege (siehe Kasten). Ist Salmiak in Konzentrationen von über 2 % enthalten, muss diesbezüglich ein Warnhinweis auf der Verpackung angebracht sein. Dies deshalb, weil die Aufnahme von zu viel Salmiak über einen längeren Zeitraum den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen und zu Bluthochdruck und Kopfschmerzen führen kann.

In Lakritze findet man natürlicherweise Glycyrrhizinsäure (auch Glycyrrhetinsäure) in Konzentrationen zwischen 6 und 14 %. Sie trägt mit zum Geschmack bei und muss nicht deklariert werden. Auch von ihr können Gesundheitsprobleme ausgehen, wenn sie in zu hohen Mengen verzehrt wird. Hoher Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Ödeme, Muskelschwäche etc. können die Folge sein, da durch die Säure Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten werden und vermehrt Kalium ausgeschieden wird.

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin rät deshalb, täglich nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizin zu sich zu nehmen. Selbstverständlich können ähnliche Symptome auch bei süßholzwurzelhaltigen Arzneimitteln auftreten. Deshalb muss im Beipackzettel oberhalb einer Tagesdosis von 100 mg Glycyrrhizinsäure auf Neben- und Wechselwirkungen hingewiesen werden. Auch die Anwendungsdauer muss begrenzt sein.

Starklakritz mit Vorsicht genießen

Auf Packungen fehlt aber eine genaue Angabe zu Glycyrrhizinsäure. Nur Produkte, die mehr als 200 mg davon in 100 g Lakritze enthalten, müssen als Starklakritz gekennzeichnet sein. Werden davon regelmäßig mehr als 50 g pro Tag verzehrt, kann das zu den genannten Nebenwirkungen führen.

Hohe Gehalte an Glycyrrhetinsäure und/oder Salmiak werden immer wieder bei importierten Lakritzerzeugnissen festgestellt. Vorsichtshalber sollte man davon nicht ständig und in größeren Mengen essen. Besonders Diabetiker, Personen mit hohem Blutdruck und/oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schwangere sollten vorsichtig sein. Deshalb kann letztlich nur geraten werden, bei Lakritze heimische Produkte zu bevorzugen und wie bei allen Süßigkeiten nicht zu viel davon zu essen. Werbung für Lakritze ist daher kritisch zu sehen.

Eine Berlinerin verlor aber den von ihr angestrengten Prozess gegen die Firma Haribo, weil diese nicht ausreichend darauf hingewiesen habe, dass die in Lakritze enthaltene Glycyrrhizinsäure bei übermäßigem Verzehr schädlich wirkt. Sie hatte monatelang täglich rund 400 g Lakritze gegessen und musste wegen Herz-Rhythmus-Störungen behandelt werden. Doch in Deutschland kann man einen Produzenten nicht dafür in Haftung nehmen, wenn ein Konsument nahezu suchtartig ein Produkt zu sich nimmt.

Wie und wo wächst Süßholz?

Süßholz mit dem botanischen Namen „Glycyrrhiza glabra“ gehört wie Erbsen und Bohnen, zu den Hülsenfrüchten. Es handelt sich um einen mehrjährigen Strauch, der auf humusreicher Erde bis zu einen Meter hoch wird. Man erntet die Wurzeln im Herbst. Am bekanntesten ist die daraus gewonnene Süßigkeit Lakritze. Als Teedroge findet die Pflanze ebenfalls Verwendung.

Die Pflanze ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet. Man kennt sie in Spanien, Frankreich, der Türkei und Italien. Obwohl sie frostempfindlich ist und viel Sonne bevorzugt, wächst sie auch hierzulande. Der Süßholzanbau ist eine Besonderheit in Bamberg, die es sonst in Deutschland nicht mehr gibt.

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