Rezept

Kräuter: Ach du grüne Neune!

GrKräutersuppe
Margarete Schreyer
am Donnerstag, 02.04.2020 - 09:26

Kräuterexpertin beim Landfrauenfrühstück des BBV Ostallgäu

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Bertholdshofen/Lks. Ostallgäu „Auch du grüne Neune“ hieß es beim Landfrauenfrühstück des BBV Ostallgäu in Bertoldshofen. Kräuterexpertin Bertlies Adler aus Ingenried erklärte dabei den zahlreichen Besucherinnen welche heimischen Wildkräuter in eine grüne Kräutersuppe gehören, die in vielen Haushalten noch immer traditionell am Gründonnerstag auf den Tisch kommt. „Im ausgehenden Winter sind die Vitamin- und Mineralstoffspeichen des Körpers oft leer, doch mit der Kraft und den Vitalstoffen unserer heimischen Kräuter können wir unseren Speiseplan bereichern und unseren wintermüden Organismus wieder zu beleben“, machte Adler deutlich. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona, sei der Verzehr unserer heimischen Kräuter nicht nur zur Immunstärkung sinnvoll, die Frühlingskräuter gibt es in der Regel gleich vor Ort, denn meist sind sie um jede Hofstelle zu finden.
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Welche Kräuter in die Suppe kommen ist regional unterschiedlich und hängt auch davon ab, was am eigenen Standort vorgefunden wird. „Aber die Zahl Neun ist Gesetz“, betonte Adler. Denn nicht nur für unsere germanischen und keltischen Vorfahren, auch in der christlichen Religion verkörperte die Zahl Neun etwas Heiliges. Die frischausgetriebenen Kräuter sind jetzt noch sehr mild und zart und daher auch äußerst schmackhaft. Darüber hinaus stecken in ihnen Flavonoide, Chlorophyll und weitere sekundäre Inhaltsstoffe sowie um ein vielfaches mehr an Vitaminen und Mineralstoffen als in einem grünem Kopfsalat. Zudem enthalten Wildkräuter meist die für Leber und Galle dringend erforderlichen Bitterstoffe, die heute aus den normalen Gemüsesorten herausgezüchtet werden.

Wirkung von Frühjahrskräutern

Der Gundermann stärkt Leber und Verdauung, er ist ein Kräftigungsmittel wenn Eiter im Spiel ist und tut der Seele gut. Löwenzahn regt sämtliche Verdauungsorgane, Nieren und Blase an. Es ist deshalb auch bei Rheumatismus empfehlenswert und kann als Extrakt sogar Nieren- oder Gallensteine auflösen. Die Vogelmiere bietet sich als nahezu ganzjähriges Wildgemüse an. Dank ihrer Vitamine, Mineralien und der Saponine gibt sie neue Lebenskraft und hilft gegen vielerlei Mangelerscheinungen. „Eine Pflanze bildet im Jahr sieben Generationen, diese Vitalität nehmen wir bei ihrem Verzehr mit auf“, so Adler. Den Giersch kennen die meisten Gartenbesitzer als lästiges, ausdauerndes Unkraut. Dabei ist Giersch in der Volksheilkunde ein geschätztes Mittel um Gicht vorzubeugen, denn die Pflanze leitet aus und senkt die Harnsäure. Neben seinem guten Geschmack soll Bärlauch die Fähigkeit haben, auch bereits vorhandene Ablagerungen in den Blutgefäßen aufzulösen. Er hilft, die Durchblutung zu verbessern und kann somit sogar Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen. Spitzwegerich ist bakterienhemmend und tut gut bei Husten und Asthma. Frisch zerriebene Blätter lindern Insektenstiche oder Verletzungen. Nur kurze Zeit im Frühling ist unter Bäumen und Hecken das Scharbockskraut finden. Mit seinem hohen Vitamin C Gehalt gilt es als regelrechte Vitaminbombe. Die frischen grünen Blätter reichern einen Salat oder eine Suppe noch zusätzlich mit wertvollen Bitterstoffen an. Durch ihre harntreibende, stoffwechselanregende und entgiftende Wirkung ist die Brennnessel Hauptbestandteil aller Frühjahrkuren. Kraut, Blätter und Samen enthalten viel Vitamin C und A sowie Mineralsalze, Kieselsäure und freie Radikale bindende Flavonoide. Die Blüten des Gänseblümchens sind eine hübsche Dekoration auf der Kräutersuppe, doch sie können mehr. Ihre Heilwirkung beschrieb Adler als krampfstillend, schleimlösend, blutreinigend und wundheilend.
Die Zubereitung der grünen Kräutersuppe ist denkbar einfach. Adler empfahl, zuerst eine ganz normale Kartoffelsuppe zu kochen. Dann die Kräuter, ohne die Gänseblümchen, so fein wie möglich zu schneiden und in die Suppe zu geben. Diese sollte nun aber nicht mehr kochen. Als Mengenangabe empfahl die Expertin eine Handvoll Kräuter pro Person. Als I-Tüpfelchen kommen dann noch die Gänseblümchen in jedes Teller Suppe.