Haushaltstipp

Von Kernseife bis Schmierseife

rasierseife-barbershop
Maria Burkhardt Portrait 2019
Maria Burkhardt
am Donnerstag, 17.09.2020 - 15:00

Seife ist nicht gleich Seife: Es gibt viele Bezeichnungen und Unterschiede.

flüssigseife-badezimmer

Seifen werden überwiegend aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt. Beim Verseifen werden die Fette mit Natron- oder Kalilauge gekocht. Bei dieser Prozedur, dem Seifensieden, spalten sich die Fette in Glycerin und alkalische Salze der Fettsäuren, die als Seife bezeichnet werden.

  • Wird der Seifenleim mit Kochsalzlösung versetzt, trennt sich der Seifenkern ab und kann, an der Oberfläche schwimmend, abgeschöpft werden. So entsteht Kernseife. Zurück bleibt eine Lauge, die überwiegend Glycerin und Kochsalz enthält. Kernseifen sind somit alle festen Seifen, die aus mit Natronlauge verseiften Fetten entstehen. Im Handel werden vor allem billige, unparfümierte Kernseifen so bezeichnet.
  • Toilettenseife enthält pflegende Zusätze, die rückfettend wirken sowie Duft- und Farbstoffe.
  • Gallseife ist eine Seife, die mit Rindergalle angereichert wurde. Die Gallensäuren dienen als zusätzliche Emulgatoren und helfen bei der Entfernung von Fett- und Eiweißflecken aus Textilien.

Mit und ohne Glycerin

  • Bei kaltgesiedeten Seifen werden überwiegend Öle, aber auch kurzkettige tierische Fette bei nur 40 °C mit milder Lauge verseift und der Seifenleim sofort in Formen gegossen. Sie haben dadurch noch einen Anteil Glycerin, ein Alkohol.
  • Schmierseifen sind flüssige und pastöse Seifen, die aus preiswerten Fetten oder Ölen durch Verseifen mit Kalilauge hergestellt werden. Früher wurden sie Flüssigseife oder Fassseife genannt. Sie löst sich gut in heißem Wasser und wird zu Reinigungszwecken im Haushalt verwendet. Kalischmierseifen wurden schon vor 150 Jahren hergestellt, häufig aus Leinöl, Raps- und Hanföl (grüne Seife).
  • Glycerinseife ist eine Seife mit hohen Glycerinanteil. Da sie glasig bis trüb und einfach zu schmelzen ist, findet sie als Bastelseife Verwendung.

In Wasser gelöste Tenside

  • Neutralseife ist keine Seife im herkömmlichen Sinne, sondern besteht zu 15 bis 30 Prozent aus Tensiden. „Neutral“ bezieht sich auf ihren pH-Wert von 7. Er liegt im neutralen Bereich, zwischen sauer und alkalisch.
  • Auch Flüssigseifen, wie sie heutzutage häufig zum Händewaschen verwendet werden, sind in Wasser gelöste anionische Tenside und keine Seifen. Sie sind pH-neutral und dadurch hautverträglicher und schäumen mehr. Deshalb kommen sie auch als Duschgel, Shampoo und Schaumbad zum Einsatz.
  • Rasierseife wird mit einem hohen Anteil an Stearinsäure und Kokosöl gefertigt, damit der Schaum cremig wird und stabil bleibt. Dabei wird nicht nur mit Natronlauge, sondern häufig auch mit Kalilauge verseift. Hierdurch wird die Rasierseife geschmeidiger und lässt sich besser anschäumen.

Unlösliche Kalkseifen

Seifen bestehen wie anionische Tenside aus wasserabweisenden und wasseranziehenden Bestandteilen und können damit fettigen Schmutz umhüllen und in Wasser lösen. Im Unterschied zu den Tensiden lösen sie sich allerdings nicht vollständig in Wasser. Ist das Leitungswasser hart, bilden sich mit den Calcium- und Magnesiumionen, den Härtebildern im Wasser unlösliche Kalkseifen ohne Waschwirkung. Diese schwimmen als weißer, flockiger Film auf der Wasseroberfläche und setzen sich an Waschbecken und Armaturen ab. Das ist auch ein Grund, warum Seifen ihre Bedeutung als Wasch- und Reinigungsmittel verloren haben. In heutigen Waschmitteln werden Seifen nur in kleinen Mengen zugesetzt, um zu viel Schaumbildung der waschaktiven Inhaltsstoffe durch die Kalkseifen zu verringern MB