CO2-Fußabdruck

Haushalten für’s Klima

Getränkekisten schleppen - Mehrweg
Elke Messerschmidt - Kompetenzzentrum Hauswirtschaft
am Samstag, 22.05.2021 - 07:22

Klimaschutz und Nachhaltigkeit begegnen uns überall. Nur zu gern schieben viele die Schuld auf Autos, Landwirtschaft oder die Vielflieger als Verursacher von Treibhausgasen. Einen großen Anteil haben jedoch die privaten Haushalte.

Bei der Suche nach den größten CO₂-Verursachern lohnt sich ein genauer Blick. Der zeigt, dass der Schuldige nicht so einfach zu bestimmen ist, da viele Faktoren einfließen. Auch der Konsum und das Handeln im eigenen Haushalt trägt zu den CO₂-Emissionen bei. Erste Schritte zum Klima- und somit Umweltschutz beginnen somit zu Hause und verlangen durchaus hauswirtschaftliche Kompetenzen.

Das Umweltbundesamt sieht in seinen Statistiken den privaten Haushalt an Platz 4 der CO₂-Verursacher. Mit 91 Mio. Tonnen CO₂-Produktion liegt er deutlich vor der Landwirtschaft und dem Handel, aber hinter der Industrie, der Energiewirtschaft und dem Verkehr.

Privathaushalte als Klimasünder

Grafik über Wert-der-ungetragenen-Kleidung

Tatsächlich stellen aber zumindest die CO₂-Emissionen der Energiewirtschaft und des Verkehrsbereichs keinen Selbstzweck dar. Vielmehr nutzen die privaten Haushalte in beträchtlichem Ausmaß elektrischen Strom, der in der Energiewirtschaft erzeugt wird, und verursachen in ebenso beträchtlichem Ausmaß Verkehrsleistungen, beides zum Zweck der privaten Haushaltsführung.

Die deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft hat im Jahr 2019 die Statistik dahingehend bereinigt. Nach ihrer Berechnung verursachen die deutschen Haushalte mehr als 40 % aller CO₂-Emissionen, wenn man die Emissionen durch den Stromverbrauch der Haushalte und durch die haushaltsbezogenen Verkehrsleistungen anteilig hinzurechnet. Damit schieben sich die privaten Haushalte in der Liste der CO₂-Verursacher sogar an die erste Stelle. 

Laut einer Statistik des Umweltbundesamts, die der Norddeutsche Rundfunk veröffentlicht hat, entfällt das pro Person erzeugte CO₂ auf folgende Kategorien:

  • Kleidung: 19 %,
  • Verkehr: 18 %,
  • Ernährung: 16 %,
  • Heizung: 14 %,
  • Technik: 12 %,
  • Freizeitaktivitäten: 8 %,
  • Strom: 7 %,
  • Fliegen: 5 %,
  • andere Bereiche: 1 %.

In all diesen Bereichen kann jeder Einzelne aktiv werden und seinen Beitrag leisten, um CO₂ einzusparen. Das hilft der Umwelt und in vielen Fällen sogar dem eigenen Geldbeutel.

Kleidung ist der größte Posten

Jeder Deutsche besitzt laut einer Umfrage von Greenpeace aus dem Jahr 2015 rund 95 Kleidungsstücke. Nur etwa ein Drittel davon werden regelmäßig getragen. Fast jedes fünfte Teil liegt ungenutzt im Schrank. Das sind deutschlandweit rund 1 Milliarde Kleidungsstücke. Alleine diese benötigen bei ihrer Herstellung:

  • 980 Mio. Liter Öl. Das sind circa 70 000 gefüllte Tanklaster mit einer Länge von je 16 Metern,
  • 790 Mio. Kubikmeter Wasser. Das sind etwa 316 000 olympische Schwimmbecken mit einer Länge von 50 Metern.
  • 350 Mio. Kilogramm Chemikalien. Das ergibt – abgefüllt in 1-Kilogramm-Pakete (etwa 12 cm lang) – eine Strecke circa 42 000 Kilometern. Das reicht einmal um die Erde.
  • Dabei entstehen fast 15 Mio. Tonnen CO₂. Damit könnte man etwa 3 Billionen Luftballons füllen.

Clever haushalten und CO2 reduzieren

Eine junge Frau sortiert ihren Kleiderschrank.

Wer seinen Kleiderschrank durchforstet, bekommt einen Überblick, was noch passt und gut zusammenpasst. Das Gefühl, „nichts zum Anziehen zu haben“, relativiert sich bei der Bestandsaufnahme schnell. Manchmal fehlt nur ein passendes Oberteil oder Tuch, um ein vorhandenes Kleidungsstück wieder zu tragen.

Wer seine Kleidung so lange wie möglich trägt, spart CO₂ ein. Mit hauswirtschaftlichen Kompetenzen beim Waschen lässt sich das Material schonen. Fehlende Knöpfe, kaputte Reißverschlüsse, kleine Löcher oder Risse können ebenfalls mit dem hauswirtschaftlichen Gewusst-wie ausgebessert werden, damit die Kleidung tragbar bleibt. Wer ein gut erhaltenes Kleidungsstück trotzdem nicht mehr tragen will, gibt es am besten weiter – an Familienmitglieder oder Bekannte, über Kleiderbasare, Secondhand-Läden oder Altkleidersammlungen, die eine faire Weiterverwendung sicherstellen.

Selberkochen spart Verpackungsmüll

Ein großes Thema im Haushalt ist auch Verpackungsmüll. Plastikverpackungen sind schlecht – das hören wir täglich in den Medien. Aber welche Verpackung ist denn besser? Auch Papier, Glas und Metall benötigen zur Erzeugung Rohstoffe und verbrauchen dabei Energie, was CO₂ verursacht.

Wer nachhaltig handeln will, sollte Verpackungsmaterial vermeiden, wo immer das möglich ist. Dabei hilft es, wenn man frische Nahrungsmittel selbst zubereitet, anstatt auf viele Fertigprodukte zurückzugreifen.

Auch Mehrwegsysteme sparen CO₂. Das Einsparpotenzial zeigt sich sehr deutlich am Coffee-to-go-Becher. Laut deutscher Umwelthilfe könnten alleine durch die Einführung von Mehrwegsystemen für Kaffeebecher in Deutschland rund 87 000 Tonnen CO₂-Emissionen vermieden werden.

Müll trennen und recyclen

Gelber-Sack-Verpackungsmaterial

Genauso wichtig wie das Vermeiden ist auch das richtige Entsorgen von Verpackungsmüll. Nur wenn die unvermeidbaren Verpackungen je nach Material getrennt werden, können sie recycelt werden. Und Recyceln spart CO₂. So entstehen bei der Neuproduktion von 1 Kilogramm Aluminium 11 Kilogramm CO₂-Äquivalente, beim Recycling sind es nur 0,4 Kilogramm – 96 Prozent weniger Treibhausgase. Auch bei der Herstellung von Plastikverpackungen oder Glas lassen sich durch Recycling rund ein Drittel der CO₂-Emissionen einsparen. Deshalb die Abfälle nach den unterschiedlichen Bestandteilen trennen, zum Beispiel bei Joghurtbechern den Alu-Deckel vom Becher entfernen, bevor beides im gelben Sack landet. Denn nur reine Materialien können recycelt werden.

Auch beim Strom auf kleinem Fuß leben

Was den Strombedarf betrifft, kann ein wichtiger Ansatzpunkt sein, Haushaltsgeräte möglichst effizient zu nutzen. Das heißt die Waschmaschine und Spülmaschine nur anzustellen, wenn sie voll beladen ist, die Wäsche an der frischen Luft trocknen zu lassen, anstatt sie in den Trockner zu geben oder die Kühlschranktür nicht unnötig oft zu öffnen.

Wird ein Kühlschrank zwölfmal am Tag geöffnet, benötigt die erneute Kühlleistung soviel Energie wie zwei LED-Lampen zur Beleuchtung der Küche für 9 Stunden. Wer den Inhalt seines Kühlschranks übersichtlich sortiert, findet die Sachen darin schneller, und die Tür muss nicht so lange geöffnet bleiben. Auch das Einräumen der Einkäufe geht so zügiger von der Hand.

Jeder kann seinen Beitrag leisten

Durch cleveres Haushalten kann jeder seine CO₂-Bilanz verbessern. Dazu greift das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft immer wieder Themen für mehr Nachhaltigkeit im Haushalt auf und gibt auf der Homepage zahlreiche Ansatzpunkte und Tipps zum nachhaltigen Handeln.

CO2-Fußabdruck: Was bedeutet das?

CO2 Fußabdruck Logo

Die Klimaerwärmung wird durch Treibhausgase verursacht, für die vor allem der Mensch mit seinem Konsumverhalten verantwortlich ist. Sobald fossile Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle verbrannt werden, bilden sich Kohlendioxid, Methan und Stickoxide. Vereinfacht ist oft von CO2 die Rede, genau genommen sind es aber CO2-Äquivalente. Um die Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase miteinander vergleichen und auch summieren zu können, wird auf CO2 als Maßeinheit umgerechnet. Wie viel davon durch den persönlichen Lebensstil innerhalb eines Jahres in die Atmosphäre gelangt, lässt sich errechnen, etwa mit dem CO2-Rechner des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (www.lfu.co2-rechner.de). Die errechnete CO2-Bilanz gilt als CO2-Fußabdruck und gibt Anhaltspunkte, um CO2 einzusparen und seine Lebensweise klimafreundlicher zu gestalten.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt