Passende Weingläser

Auf ein Gläschen Wein

Verschiedene Weingläser mit Wein
Claudia Beyrle
am Freitag, 30.04.2021 - 07:30

Auch wenn es zur Zeit wenig zu feiern gibt, ein Gläschen Wein oder Sekt, stilvoll serviert, ist ein Genuss. Ob zum feinen Essen oder an lauen Abenden auf der Gartenbank: In passenden Gläsern mundet jeder edle Tropfen erst richtig gut.

Eine Frau mit kurzen Haaren und Brille sitzt auf einem Sofa. Vor ihr auf dem Tisch stehen viele verschiedene Flaschen und Gläser, die teils gefüllt sind.

Frankens älteste Weinstadt Hammelburg liegt idyllisch im Tal der Fränkischen Saale, im Landkreis Bad Kissingen. Seit 2018 zählt es zu den 100 Genussorten Bayerns. Ein 5,8 km langer Weinlehrpfad führt durch den Ort, vorbei am ehemals fürstbischöflichen Weingut Schloss Saaleck, das seit zehn Jahren von Ulrike Lange und ihrer Familie bewirtschaftet wird. Die Unterfränkin hat Weinbau und Kellerwirtschaft studiert und sich zur Gästeführerin Weinerlebnis Franken qualifiziert. Wenn es die Corona-Pandemie wieder zulässt, lädt sie dort und in ihrer Vinothek zu Weinproben ein.

Wie unterschiedlich ein- und derselbe Wein aus verschiedenen Gläsern schmeckt, konnten Weinliebhaber in einem Volkshochschulkurs entdecken. Denn wie gut sich die Aromen entfalten, hängt sehr von der Form des Glases ab. Vielleicht eine Idee für eine kleine Weinprobe zuhause?

Randvoll eingeschenkt? Keine gute Idee bei Wein

Zuvor aber noch eine wichtige Regel: Wein- und Sektgläser schenkt man nie ganz voll ein, sondern besser nur maximal halb voll, bis zu der Stelle, an der das Glas den größten Umfang hat. So entsteht zwischen Wein und Mundrand ein Luftraum, der unter Fachleuten Duftkamin genannt wird.

So probiert man Wein richtig

Auch wie Wein fachmännisch verkostet wird, erklärt die Weinexpertin: Erst die Farbe anschauen, dann riechen und danach probieren. Zunächst ein kleines Schlückchen, um sich auf den Geschmack des Weines einzustellen. Dieser erste Schluck neutralisiert den Mundraum. Dann kann es auch schon losgehen.

Sektschale oder Champagnerglas?

Sektgläser beim Anstoßen

Bei Sektgläsern ist die Formenvielfalt besonders groß. Es gibt Tulpen, Schalen oder Flöten. Beim Sektempfang und bei großen Feiern müssen sich die Gäste meist mit kurzstieligen, einfachen Sektgläsern begnügen. Doch für daheim sind Sektgläser in schlanker Tulpenform, die den Champagnergläsern nachempfunden sind, eindeutig die bessere Wahl. In Sektflöten gelangt der Sekt bis in den hohlen Stiel. Wenn man das Glas hält, wird er schnell warm, was den Genuss schmälert.

Beim hohen Champagnerglas ist der Boden mit Hilfe eines Diamanten in der Glasmitte rau eingeschliffen. Dieser sogenannte Moussierpunkt ist für eine schöne Perlage verantwortlich. Denn an diesem Punkt bilden sich Kohlensäurebläschen, die ihn frisch aussehen lassen. Bei frisch gespülten Sektgläsern steigt kaum Kohlensäure auf. Deshalb: Sektgläser ohne Moussierpunkt vor dem Einschenken immer gut abtrocknen.

Riechen und kosten bei Sekt

Zuerst geht es ans Riechen, gerne mit geschlossenen Augen. Im Champagnerglas riecht der Sekt konzentrierter. Seine Tulpenform sorgt dafür, dass flüchtige Aromen gebündelt zur Nase gelangen. Der Fachmann spricht vom Bouquet. In der Sektschale und beim gewöhnlichen Sektglas gehen die Aromen recht schnell verloren.

Dann wird gekostet. Bei Sektschalen gelangt der Sekt in voller Breite in den Mund und auf die Zunge. So bekommen auch die Geschmacksknospen am Zungenrand etwas ab. Der Sekt schmeckt säuerlicher und das Prickeln lässt schnell nach. Beim schlanken Champagnerglas trifft der Sekt eher auf die Zungenspitze auf. Da in der Mitte die für Süße zuständigen Geschmacksknospen der Zunge sitzen, schmeckt der Sekt süßlicher und auch fruchtiger.

Weißweingläser am Stil halten

Weißwein im Glas

Auch beim Wein ist die Wahl des Glases entscheidend. Weil man Weißwein recht kalt trinkt, sind handelsübliche Weißweingläser meist kleiner als Rotweingläser. So hat der Wein gar keine Zeit warm zu werden. Beim Weinfest bekommt man Weißwein häufig in becherförmigen Schorlegläsern serviert. Auch Römergläser sind noch in vielen Gaststätten üblich. In der gehobenen Gastronomie und in Vinotheken wird Weißwein aber in langstieligen Gläsern serviert. Weinkenner halten das Glas selbstverständlich am Stiel und keinesfalls am Kelch, damit sich der Wein nicht durch die Hände erwärmt.

Je schwerer der Wein, umso größer das Glas

Bei modernen Weingläsern, die nach oben hin verjüngt sind, riecht der Wein intensiver. Unten, wo die Oberfläche am größten ist, entweichen die Aromen und gelangen von hier in die Nase. Junge, leichte Weine können auch in kleineren Gläsern serviert werden. „Umso kräftiger und schwerer ein Wein ist, umso größer soll das Glas sein“, so die Fachfrau. Serviert man solche Weine in einem Glas mit großer Oberfläche, kann man ihn besser schwenken und der Wein kann darin besser atmen. Je nachdem wie hoch der „Kamin“ des Glases ist, kommt der Wein weiter vorne oder hinten auf der Zunge auf.

Roséwein im Kelch trinken

Roséwein im Glas

Der Duft des Roséweines kommt im kelchförmigen Bleikristallglas und im Weißweinglas gut zur Geltung. Noch intensiver bekommt man die erfrischenden Aromen des Weines aber im speziellen Roséglas. Durch die geöffnete Tulpenform trifft der Wein beim Trinken mehr auf die Zungenränder auf. Der Wein wirkt so automatisch spritziger. Denn „Riesling und Rosé leben von der Spritzigkeit“, so die Weinexpertin. Für leidenschaftliche Roséweintrinker und Rieslingliebhaber kann sich die Anschaffung spezieller Gläser also lohnen.

Rotweine brauchen Raum zum Atmen

Rotwein im Glas

Und aus welchen Gläsern mundet Rotwein am besten? Keine Frage, am festlich gedeckten Tisch wirken geschliffene Kristallgläser durch ihren unübertrefflichen Glanz. Sie klingen auch besonders schön beim Anstoßen. Ihr kunstvoller Schliff stiehlt dem Wein jedoch die Schau. Die Farbe des Weins kommt darin kaum zur Geltung. Bei alten Gläsern von der Aussteuer ist der Kelch zudem vergleichsweise klein.

„Für leichte Weißweine finden sie noch wunderbar Verwendung“, sagt Lange. Doch Rotwein, wie Spätburgunder beispielsweise, schmeckt aus dünnwandigen Ballongläsern am feinsten. Die großen, bauchigen Gläser geben dem Rotwein mehr Raum seine Aromen zu entfalten. „Der Wein wird dadurch ,weicher‘ wahrgenommen“, erklärt die Winzerin. Außerdem lässt sich der Wein schön schwenken, um alle Geschmacksnuancen herauszukitzeln.

Wein aus Pappbechern?

Aus einem Pappbecher Wein trinken geht für Winzer deshalb gar nicht! „Wir machen uns so viel Arbeit und dann ist der Genuss dahin“, sagt Lange.

Top Themen:
  • Borkenkäfer: April verzögert Schwärmflug
  • Schweinehaltung: Luft wird immer dünner
  • Fungizide in Winterweizen
  • Grenzsteinsuche mit Satelliten
  • Ernährung: Die Zukunft im Blick
  • Kursfeuer rund um den Globus
Kostenfreies Probeheft Alle Aboangebote