Haushaltstipp

Wie geht nachhaltiges waschen?

Ein Wäschekorb steht über voll mit Wäsche vor einer Waschmaschine. Daneben stehen Flaschen mit Waschmittel.
Maria Burkhardt
Maria Burkhardt
am Samstag, 10.07.2021 - 07:11

In jedem Haushalt fällt einiges an Wäsche an. Deshalb lohnt sich nachhaltiges Handeln hier besonders. Angefangen von „weniger waschen“ bis hin zu „Waschmittel selber machen“ reichen die Ideen. Doch was bewährt sich wirklich? Eine Expertin klärt auf.

Ein Porträt der Frau. Sie trägt Brille, knapp schulterlange blonde Haare und einen pinken Pulli.

Elke Messerschmidt befasst sich am Bayerischen Kompetenzzentrum Hauswirtschaft mit dem Thema Nachhaltigkeit im Haushalt. Waschen ist dabei ein gewichtiger Posten. Sie beantwortete uns im Interview einige Fragen hinsichtlich nachhaltigem Waschen. 

Wochenblatt: Wenn man ins Internet oder in Zeitschriften schaut, gibt es unendlich viele Tipps zum nachhaltigen Wäschewaschen. Wie stark beeinflusst Wäschewaschen überhaupt die Umwelt?

Messerschmidt: Die Auswirkung auf die Umwelt durch das Wäschewaschen ist durchaus gegeben. Zum einen ist da der Eintrag von Tensiden, Duftstoffen oder Bioziden in das Abwasser. Rund 604 000 Tonnen Waschmittel und weitere 251 000 Tonnen Weichspüler gelangen in Deutschland jährlich ins Abwasser und belasten die Kläranlagen. Biozide aus Hygienereinigern haben beispielsweise den Nachteil, dass sie Mikroorganismen in den Kläranlagen angreifen, die dann ihre filtrierende Wirkung nicht mehr ausüben können. Daneben benötigt der Einsatz von Waschmaschinen und Wäschetrocknern Strom. Bei der Erzeugung dieses Stroms entsteht CO, was sich wiederum negativ auf die Erderwärmung auswirkt. Besonders deutlich wird der Effekt auf die Umwelt allerdings beim Waschen von synthetischen Fasern. Denn dadurch gelangen Mikrofasern ins Wasser. Rund 30 Prozent des Mikroplastikeintrags in unsere Gewässer gehen zurück auf das Waschen synthetischer Textilien wie Sporttrikots, Mikrofasertücher oder Fleecejacken im privaten Haushalt.

Wochenblatt: Wenn ich umweltbewusst handeln möchte, empfehlen Sie mir dann, Waschmittel aus Pflanzen wie Efeublätter und Kastanien selbst herzustellen?

Messerschmidt: Damit Wäsche sauber wird, braucht es Tenside. Diese Substanzen lösen den Schmutz aus dem Wäschestück, halten ihn in der Waschlösung und befördern ihn so ins Abwasser. An Tensiden wird kritisiert, dass Sie aus Erdöl oder Palmöl gewonnen werden und eine gewisse Abbauzeit benötigen. Gelangen sie in dieser Zeit in Gewässer, schädigen sie die Kleinstlebewesen und Pflanzen in Flüssen und Seen. Selbstgemachte Waschmittel nutzen Pflanzen mit Saponinen, die wie Tenside wirken. Vorteil dieser Produkte ist, dass Erdöl zur Herstellung nicht notwendig ist. Der Abbau dauert jedoch nahezu genauso lang wie bei den synthetischen Tensiden. Dazu kommt, dass die Waschwirkung nicht optimal ist. Sie ist – wie verschiedene Studien zeigen – maximal für leicht verschmutzte Wäsche gegeben. Stark verschmutzte Wäsche muss vorbehandelt werden. Ein Nachteil ist außerdem, dass die Waschmittel keine Bleichmittel und keinen Enthärter enthalten. Das führt dazu, dass die Wäsche vergraut und die Maschine zudem schneller verkalkt. Beides muss dann schneller ersetzt werden, was auch nicht nachhaltig ist. Wer mit selbst gemachten Waschmitteln arbeitet, sollte Enthärter und gegebenenfalls Bleichmittel zusätzlich hinzufügen.

Wochenblatt: Lassen sich diese Aussagen auch auf andere selbst hergestellte Flüssigwaschmittel übertragen, z. B. auf Waschmittelrezepte mit Kernseife und Waschsoda?

Messerschmidt: Das gilt auch für Rezepte aus Kernseife, Soda etc. Auch die Kernseife enthält tensidartige Substanzen, die in der Lage sind, den Schmutz aus dem Textil zu lösen. Soda löst eiweißhaltige Flecken und lässt die Fasern aufquellen, so dass Schmutz sich besser löst. D. h. die Mittel erzielen eine Waschwirkung. Aber auch hier gilt: Es besteht die Gefahr, dass die Waschmaschine verkalkt und die Wäsche vergraut, weil Enthärter und Bleichmittel fehlen. Von der Zugabe von Kernseife in industriell gefertigten Waschmitteln ist man abgewichen, weil Kernseife dazu neigt, gerade in Verbindung mit kalkhaltigem Wasser Kalkseifen zu bilden, die als Ablagerungen insbesondere auf dunklen Textilien sichtbar werden.

 

Pulver Waschmittel wird mit Hilfe einer Schaufel in das Fach der Waschmaschine gegeben.

          

Wochenblatt: Welche Waschmittel empfehlen Sie denn zum Waschen?

Messerschmidt: Kaufen Sie sich drei Arten von Waschmitteln, ein pulverförmiges Vollwaschmittel und ein Colorwaschmittel jeweils in Kompaktform sowie ein Waschmittel für Wolle und Seide. Das pulverförmige Vollwaschmittel enthält Bleichmittel und ist gut geeignet, Körper- und Bettwäsche bei 60 Grad hygienisch rein zu waschen. Das Colorwaschmittel eignet sich für bunte Wäsche zum Erhalt der Farben auch bei niedrigeren Temperaturen. Wenn Sie Bedenken wegen der Tenside haben, achten Sie beim Einkauf auf Produkte mit dem Siegel des Blauen Engels. Diese setzen auf Tenside aus nachwachsenden Rohstoffen. Sehr wichtig ist es, die Waschmittel richtig zu dosieren. Die Menge des zugesetzten Waschmittels richtet sich nach dem Verschmutzungsgrad, der Wäschemenge und der Wasserhärte. Hinweise dazu geben die Dosiertabellen auf der Verpackungen und die zusätzlichen Hinweise zur Beladung der Waschmaschine. Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 4,5 bis 5 Kilogramm Wäsche, viele Maschinen haben inzwischen ein höheres Fassungsvermögen. Lassen Sie die Waschmaschine nur laufen, wenn sie entsprechend ihres Waschprogramms voll beladen ist.

Wochenblatt: Sie haben vorhin angesprochen, dass Wäschewaschen zu Mikroplastik im Meer beiträgt. Was lässt sich denn dagegen tun?

Messerschmidt: Wer das komplett vermeiden möchte, muss bei der Stoffauswahl auf natürliche Materialien setzen – dazu zählen Baumwolle, Leinen, Hanf oder Wolle. Das gilt nicht nur bei Kleidung, sondern auch bei Bett- und Tischwäsche oder Reinigungstüchern. Denn Mikrofasern lösen sich beim Waschen und Trocknen aus Wäschestücken heraus, die aus synthetischem Material hergestellt sind, also aus Polyester, Polyamid, Elasthan. Dabei verlieren flauschige Stoffe mehr Mikrofasern als glatte Oberflächen, also konkret: Das Sporttrikot verliert weniger als die kuschlige Fleecejacke. Auch die Art des Waschgangs ist entscheidend. Vor allem der Schonwaschgang und höhere Temperaturen verursachen große Mengen an Mikroplastik. Im Schonwaschgang befindet sich mehr Wasser in der Trommel als im Normalwaschgang, die Textilien werden dadurch stärker mit Wasser umspült. Dies trägt dazu bei, dass sich mehr Mikropartikel aus den Textilfasern lösen. Es wäre deswegen empfehlenswert, soweit wie möglich synthetische Fasern nur bei 25 oder 30 Grad zu waschen und den Schonwaschgang so selten wie möglich einzusetzen. Dort, wo es das Kleidungsstück erfordert, muss er allerdings eingesetzt werden. Denn auch hier wäre es wieder einseitig gedacht, die Fleecejacke – um die winzigen Mikrofasern zu vermeiden – im Normalwaschgang zu waschen und sie dann entsorgen zu müssen, weil das Textil im Lauf der Zeit nicht mehr ansehnlich ist. Auch Ablufttrockner begünstigen die Abgabe von Mikrofasern in die Umwelt.

Wochenblatt: Wie lautet dann – kurz gefasst – Ihr Tipp zum nachhaltigen Wäschewaschen?

Messerschmidt: Waschen Sie mit herkömmlichen Kompaktwaschmitteln – aber dosieren Sie richtig. Überlegen Sie, ob jedes Kleidungsstück sofort nach einmaligem Tragen gewaschen werden muss oder auch nur ausgelüftet werden kann. Machen Sie die Maschine voll und lassen Sie die gewaschene Wäsche an der frischen Luft trocknen.

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