Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pro- und Kontra

Fleischkonsum mit Gewissensbissen?

big-bubba-bbq-Flanksteak-roh
Carmen Knorr
Carmen Knorr
am Freitag, 20.05.2022 - 13:59

Fleisch als Lebensmittel: Darf man es noch guten Gewissens essen? Pro- und Kontrapunkte zum Konsum von Fleisch.

Gerade junge Menschen hinterfragen ihren Fleischkonsum, das fand eine Studie der Universität Göttingen heraus. Auch wir haben uns die Frage gestellt: Darf man heutzutage noch mit gutem Gewissen Fleisch essen?

Fleisch als wertvoller Energielieferant

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einer erwachsenen Person, nicht mehr als 300 bis 600 g Fleisch und Wurst pro Woche zu verzehren. Zudem rät die DGE, überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu essen. Sie sieht Fleisch nur als Ergänzung. Laut der Umweltorganisation WWF liegt der durchschnittliche Fleischkonsum der Deutschen pro Woche derzeit bei etwa 820 g.

  • Erhalt der Kulturlandschaft: Wer sich für Fleisch von Tieren aus Weidehaltung entscheidet, unterstützt damit den Erhalt unserer Kulturlandschaften. Weiderinder zum Beispiel pflegen diese optimal. Weidetierhaltung verbessert die Bodenqualität und bindet sogar reichlich schädliches CO2. Das fand unter anderem die Organisation "Land Stewardship Project" heraus. Britische Forscher der Universitäten Aberdeen, Cambridge und Oxford, betonten aber, dass der Effekt - CO2 zu binden - nur sehr klein und zeitlich begrenzt sei. 
  • Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe: Wie der Verbraucherzentrale Bundesverband aufschlüsselt, enthält Fleisch wertvolle Kohlenhydrate, Fette und Proteine sowie B-Vitamine. Fleisch ist außerdem sehr eisenreich.
  • Genussmittel: Die meisten Fleischesser sehen das Lebensmittel als einen kulinarischen Genuss. Außerdem lässt sich Fleisch schnell und unkompliziert zubereiten.
  • Fleischalternativen: Es gibt bereits ein großes Angebot an Fleisch- und Milchersatzprodukten. Auch wenn sich über deren Inhaltsstoffe streiten lässt, boomt der Markt. Laut statista wurden 2021 97.910 t Fleischersatzprodukte in Deutschland produziert. Das sind 62 % mehr als noch 2019. Die bayerischen Landfrauen haben sich dazu im März geäußert: „Wir sehen in Fleisch- und Milchersatzprodukten keine Alternativen zu tierischen Produkten, sondern sich ergänzende Produkte im Sinne einer nachhaltigen Ernährung und Kreislaufwirtschaft. Sie sind vom Nährwert in der Regel nicht zu vergleichen.“

Sind Fleischesser Klima- und Tierfeinde?

Die fünf wichtigsten Gründe von jungen Vegetariern und Veganern (im Alter zwischen 15 und 29 Jahren) für ihre fleischlose Ernährung sind laut einem Jugendreport der Universität Göttingen geprägt von zahlreichen Gründen: Sie würden sich besser fühlen, wenn sie kein Fleisch essen, sie wollen die Fleischwirtschaft nicht unterstützen, es ist gut fürs Klima und vielen geht es ums Tierwohl. Flexitarier, also Menschen, die nur selten Fleisch essen, geben zudem an, sie würden ihren geringen Fleischkonsum als politisches Statement sehen.

  • Soja belastet das Ökosystem: Den Aktivisten zufolge werden gerade in der „industriellen Tierhaltung“ enorme Mengen Getreide und Soja als Futtermittel benötigt. Hinzu kommt, dass Soja beliebt ist für Ersatzprodukte. Dem statistischen Bundesamt zufolge wurden 2020 laut Außenhandelsstatistik 3,9 Millionen Tonnen Sojabohnen nach Deutschland importiert – hauptsächlich aus den USA und Brasilien. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im Jahr 2020 90.500 t geerntet, 80 % davon in Bayern und Baden-Württemberg.
  • Klimagase aus der Tierhaltung: Wie das Umweltbundesamt aufschlüsselt, entsteht durch den Verdauungsvorgang bei Wiederkäuern (Fermentation) sowie durch die Lagerung von Festmist und Gülle (Wirtschaftsdünger) die klimawirksamen Spurengase Methan und Lachgas. Insgesamt ließen sich 2021 knapp 5 % der Gesamtemissionen Deutschlands direkt auf die Tierhaltung zurückführen.
  • Tierwohl: Gerade Tierschützer machen immer wieder darauf aufmerksam, dass in der „großindustriellen Tierhaltung“, die Tiere nicht artgerecht gehalten werden und verurteilen die Nutztierhaltung im Allgemeinen. Verarbeitet wird das Fleisch in großen Fabriken, unter Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Angeboten wird es dann zu Billigpreisen. Dieser Tierhaltungsform wird zudem das Auftreten von multiresistenten Keimen zugeschrieben, die auf den Menschen übergehen. Dies bezeichnet eine Form der Antibiotikaresistenz.
  • Zu viel Fleisch ist ungesund: Verschiedene Studien belegen, dass vor allem der Verzehr von rotem Fleisch Krankheiten, beispielsweise Krebs, begünstige. Fleisch hat zudem einen hohen Cholesteringehalt, das erhöhe das Risiko für Gefäß- und Herzkrankheiten.

Hochwertige Qualität von regionalen Produzenten

Wie moralisch vertretbar es ist, dass ein Tier für den kulinarischen Genuss stirbt, muss jeder für sich selbst abwägen. Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte sich darüber informieren, woher es kommt. Auch der Deutsche Landfrauenverband rief vergangenes Jahr zu einem bewussteren Fleischkonsum auf: „Wir essen mehr Fleisch, als uns und der Umwelt guttut.“ Zugleich bringen sie aber auch die Sorge um die Zukunft der heimische Nutztierhaltung zum Ausdruck.

Trotzdem werben sie für eine „regionale und saisonale vegetarische Frischeküche“. Ein Fleischverzicht würde sich zudem positiv auf die Umwelt auswirken. Außerdem sollten Fleischkonsumenten sich stets bewusst sein: Fleisch stammt von Lebewesen, die ein Recht auf ein artgerechtes Leben ohne Qual haben. Wer Fleisch konsumiert sollte daher jeden einzelnen Bissen wertschätzen.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt