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Jedes Brot im Müll ist eins zu viel

Lebensmittel
Anna Knon
Anna Knon
am Mittwoch, 02.10.2019 - 10:01

Kein Mensch braucht Zahlen oder eine Müll-Polizei, um zu wissen, dass jedes weggeworfene Brot eins zu viel ist.

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Beim Messen, Wiegen und Gesetze machen sind wir Weltmeister – dokumentieren und reglementieren, und schon wird die Welt besser. Warum sollte das nicht auch greifen, um die Flut an Lebensmittelmüll einzudämmen? Sichten und wiegen, wer wieviel wegwirft, dann wird die „Nationale Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung“ schon aufgehen.

Lebensmittelverlustindex und Lebensmittelabfallindex mögen ja bei Produktion und Verarbeitung sinnvolle Rechengrößen sein, aber im Haushalt wird ein Teil des Dokumentationsgegenstands ins Klo geschüttet – ganz ohne vorherige Registrierung! Muss halt noch ein Index her. Die Grünen setzen noch eins drauf und fordern ein „Anti-Wegwerf-Gesetz“. Geht’s noch?! Kein Mensch braucht Zahlen oder eine Müll-Polizei, um zu wissen, dass jedes weggeworfene Brot eins zu viel ist.

„Vom Wiegen werden die Schweine nicht schwerer“, sagt ein Sprichwort. Warum steht das Erfassen und Wiegen der Abfallmengen an erster Stelle und nicht das Vermeiden? Dazu braucht es Bildung, genauer gesagt hauswirtschaftliche Bildung, deren Fehlen sogar im Papier der „Nationalen Strategie“ angemahnt wird. Weggeworfen wird nämlich nicht nur aus Überfluss und Überdruss, sondern auch aus Unwissen – vor allem von der jüngeren Generation.

Nein, die jungen Leute sind nicht schlecht, schlecht sind die, die ihnen Alltagskompetenz vorenthalten. Dann wüssten sie nämlich, wieviel sie in einer Woche wegfuttern und würden nicht nach Appetit und Werbung einkaufen. Dann könnten sie mit Resten etwas anfangen und würden Lebensmittel so lagern, dass sie nicht vergammeln.

Der Appell, nichts wegzuwerfen, geht ins Leere. Wer es ernst meint mit mehr Nachhaltigkeit im Alltag, setzt alles daran, die entsprechenden Kompetenzen zu vermitteln. Das ist nicht nur der Hebel gegen Lebensmittelmüll, sondern auch der Schlüssel für nachhaltiges Handeln insgesamt.

Wer Zusammenhänge kapiert hat, würde sich schämen, in mutwillig zerrissenen Jeans zu einer „Fridays for Future“-Demo zu gehen oder im Internet Kleidung zu ordern, die mit dem Kleinlaster an- und abtransportiert wird; die Retouren landen dann im Reißwolf, weil Wegwerfen billiger ist als ins Lager zurücksortieren.

Geben wir der jungen Generation endlich das Rüstzeug für die Zukunft und die Chance, „fit for future“ zu werden! Und gehen wir mit bestem Beispiel voran – gemäß dem Sprichwort „Erziehen hilft nicht, Kinder machen ja doch alles nach!“