Garten

Zuckersüßes Experiment

Helga Gebendorfer
am Samstag, 27.02.2021 - 08:08

Melonen – bei uns in Bayern anbauen? Das Experiment gelingt und man darf sich über süße Früchte voller Aroma freuen, sofern die Bedingungen passen. Welche das sind? Das verraten wir im folgenden Beitrag.

Melone

Melonen sind eine Kultur für experimentierfreudige Gärtner. Die wärmebedürftigen Pflanzen schenken uns in warmen Sommern süße und aromatische Früchte, in kühlen und nassen Jahren schmecken ihre Früchte dafür leider eher fad. Damit die Kultur gelingt, gibt Katrin Kell von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf Tipps für den Anbau.

Die vermehrt heißen Sommer in den letzten Jahren kommen der sonst aus südlichen Ländern importierten Frucht entgegen: „Dann reifen die Früchte bei uns gut aus“, erklärt die Expertin, macht aber auch deutlich: „Melonen sind eine Risikokultur, die in kühlen Sommern im Freiland wenig Chancen hat!“ Dessen sollte man sich vor dem Anbau bewusst sein, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Generell gedeihen die Früchte gut im Weinbauklima, weniger zuverlässig – zumindest im Freiland – dagegen in Mittelgebirgslagen und im Voralpenland. Für den Einstieg in den Melonenanbau setzt man besser auf Zuckermelonen, da Wassermelonen noch ein Stück weit mehr wärmebedürftig sind.

Nicht zu früh säen und in warmen Boden pflanzen

Die Aussaat bei Melonen beginnt Anfang Mai und erstreckt sich bis Anfang Juni. Die Samen benötigen mit mindestens 24 °C eine hohe Keimtemperatur, wobei die Keimung bei Wassermelonen drei bis zehn Tage und bei Zuckermelonen sieben bis zwölf Tage dauert. Die Anzuchttemperatur sollte nachfolgend über 20 °C liegen.

Tipp: Alle Melonenarten reagieren sehr empfindlich auf die Fusarium-Welke. Wer im Gewächshaus regelmäßig Gurken anbaut, wird dort eher Probleme mit dieser bodenbürtigen Krankheit haben. Es lohnt sich deshalb, veredelte Jungpflanzen von Melonen in der Gärtnerei zu kaufen – sie garantieren eine höhere Anbausicherheit. Alternativ kann man die Pflanzen in Säcken oder Containern anbauen.
Nach etwa vier bis sechs Wochen können die Jungpflanzen mit vier entwickelten Blättern ausgepflanzt werden. Geduld wird oft belohnt: Die jungen Melonen starten ihr Wachstum erst bei einer Bodentemperatur von über 15 °C so richtig. „Ich würde vor allem die Wassermelone deshalb auch nicht vor Ende Mai ins Freiland setzen“, rät Kell. Fallen die Temperaturen dauerhaft unter 12 °C, sollte man die Pflanzen unbedingt mit Frostschutzvlies schützen, sonst können sie Kälteschäden davontragen.

Hoher Düngebedarf und gleichmäßig wässern

Melonen sind wie Tomaten und Gurken Starkzehrer mit ähnlich hohem Stickstoffbedarf von rund 20 g N/m² im Freiland. Betrachtet man ihre stattlichen Früchte, ist dies nicht verwunderlich. Deshalb sollte man bei der Düngung nicht sparen. Ein Beispiel: Bei der Verwendung von Horngries empfiehlt es sich, vor der Pflanzung 50 g/m² und etwa einen Monat nach der Pflanzung nochmal die gleiche Menge zu düngen. Auch Kompost kann mit ausgebracht werden. Bodenart und Vorkultur sollten beim Düngen berücksichtigt werden.
Damit die Pflanzen die Nährstoffe gut aufnehmen können, ist regelmäßiges und ausreichendes Gießen wichtig. Außerdem unterstützen die konstanten Wassergaben die Fruchtentwicklung. Wer eine Tröpfchenbewässerung hat, kann sie bei Melonen gut einsetzen. Im Bezug auf die Wassermenge empfiehlt die Expertin folgendes: „Hobbygärtner können sich beim Gießen etwa nach der Menge richten, die sie auch Gurken geben würden.“

Anbau im Freiland, im Sack oder Gewächshaus

Wassermelone-Aufhaengen

Egal wo man Melonen kultiviert, sie brauchen ausreichend Platz. Man rechnet ungefähr mit einer Pflanze pro Quadratmeter.

  • Freilandanbau: Eine Kultur auf den Beeten im Freiland ist am wenigsten aufwendig, funktioniert aber nur in warmen Jahren wirklich gut. Am besten setzt man die Pflanzen erst Ende Mai, Anfang Juni nach draußen. Dafür legt man davor den Boden mit einer schwarzen Mulchfolie aus, die entsprechend zurechtgeschnitten wurde (Löcher für Pflanzen nicht vergessen!). Die Folie erwärmt den Boden nochmal zusätzlich, außerdem unterdrückt sie Unkraut.
  • Gewächshausanbau: Wer ein Gewächshaus zur Verfügung hat, findet dort deutlich konstantere Bedingungen für Melonen. Falls der Boden mit Fusarium belastet ist, pflanzt man veredelte Jungpflanzen. Da die Pflanzen viel Platz beanspruchen, sollte man sie aber unbedingt aufleiten. „Ihre schweren Früchte fixiert man im Laufe der Kultur mit Netzbeuteln, da sie die Pflanze sonst nach unten reißen“, empfiehlt Kell. Wächst die Melone doch auf dem Boden, legt man die Früchte auf umgedrehte Untersetzer. Das kann auch im Freiland sinnvoll sein, da die Früchte so weniger leicht faulen. Auch im Gewächshaus ist eine gute Düngung und eine gleichmäßige Wasserversorgung wichtig.
  • Anbau in Säcken: Diese Kulturform lohnt sich, wenn man keine veredelten Jungpflanzen bekommt. Pro Pflanze braucht man einen 50 l Sack mit handelsüblicher Blumenerde. Damit ein Wasserabzug gegeben ist, locht man den Sack am Boden mit einer Gabel und schneidet auf der Oberseite ein Pflanzloch ein. Besonders bei der Sackkultur ist eine automatische Bewässerung sinnvoll und man sollte regelmäßig mit K-betontem, flüssigen Mehrnährstoffdünger nachdüngen.

Wo ist Schneiden und Entspitzen nötig?

Bei allen Melonen belässt man pro Pflanze nur drei bis maximal fünf Früchte, damit diese gut ausreifen können. Ein Schnitt ist bei Wassermelonen nicht notwendig, da sich an allen Ranken männliche und weibliche Blüten entwickeln.
Dagegen ist ein Schnitt bei Zuckermelonen zum Teil sinnvoll. Da sich weibliche Blüten bevorzugt an Seitentrieben zweiter Ordnung entwickeln, entspitzt man die Pflanzen. Dies regt die Bildung der Seitentriebe und damit auch der Früchte an.
  • Freiland: Hier ist in warmen Lagen ein Schnitt der Zuckermelone nicht unbedingt nötig. Wer möchte, kann den Hauptrieb nach dem vierten oder fünften Blatt in der Jungpflanzenphase kappen und die daraufhin entstehenden Seitentriebe nach acht bis zehn Blättern ebenfalls entspitzen. Diese verzweigen sich erneut und setzen weibliche Blüten und Früchte an. Hat sich an einem Fruchttrieb eine Melone kräftig entwickelt, lässt man zwei bis drei Blätter stehen und zwickt die Triebspitzen danach ab.
  • Gewächshaus: Hier wird bei Honig- und Wassermelonen nur der Haupttrieb bis unter das Dach gezogen. Dabei entfernt man zunächst ähnlich wie bei Gurken alle Seitentriebe bis auf eine Höhe von 80 bis 100 cm, damit die Pflanze ausreichend Wurzeln und Blätter entwickelt und nicht zu früh mit der Fruchtbildung belastet wird. Spätere Seitentriebe können belassen und mit aufgeleitet werden.
  • Melonen bilden nur in warmen Sommern wirklich süße Früchte aus. Zuckermelonen brauchen etwas weniger Wärme als Wassermelonen.
  • Das Hauptproblem beim Anbau im Gewächshaus sind die bodenbürtigen Fusarium-Pilze. Alternativ kann man veredelte Jungpflanzen kaufen oder die selbst gezogenen Pflänzchen in Säcken kultivieren.
  • Melonen brauchen den Sommer über ähnlich viel Wasser wie Gurken, als Starkzehrer sollte man sie auch ausreichend düngen.

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Sortenwahl: Wasser- oder Zuckermelonen?

Melonen bestehen bis zu 95 % aus Wasser, sie enthalten einen hohen Anteil an Vitamin A und C und Zucker. Die Früchte dieses Kürbisgewächses sind botanisch gesehen Beeren. Hauptsächlich wird zwischen Zuckermelonen (Cucumis melo) und Wassermelonen (Citrullus lanatus) unterschieden, wobei die Zuckermelonen enger mit den Gurken verwandt sind als mit den Wassermelonen.

Zuckermelonen: Es gibt viele verschiedene Ausprägungen von Zuckermelonen. Im Saatgutsortiment findet man hauptsächlich die Cantaloupe-Melonen des Typs Charentais. Man erkennt sie an den dunkleren Streifen, die vom Blüten- bis zum Stielansatz laufen. Charentais-Melonen besitzen ein oranges, intensiv duftendes Fruchtfleisch, reifen nach, haben aber keine so gute Haltbarkeit. Empfehlenswerte Sorten sind ‘Artémis F1’, ‘Stellio F1’ oder ‘Murrmel’.

Ebenfalls zu den Zuckermelonen gehören die Netzmelonen mit grünlich-gelbem Fruchtfleisch, auch Galiamelonen genannt. Ihre Schale scheint wie von einem hellen Netz überzogen. Die duftenden Früchte sind relativ lange haltbar, bekommen Risse um den Fruchtstiel, wenn sie reif sind und reifen nach. Eine geeignete Sorte für den Hobbygarten ist ‘Masada F1’.

Im Supermarkt gibt es außerdem Honigmelonen mit leuchtend gelber Schale und weißlich-gelbem Fruchtfleisch. Sie duften schwach, sind lange haltbar und reifen nicht nach. Allerdings wird hier kaum Saatgut angeboten.

Wassermelonen: Auch bei den Wassermelonen ist die Auswahl im Saatgutsortiment nicht besonders groß. Empfohlen werden kann die Sorte ‘Red Star F1’ mit kräftig rotem Fruchtfleisch und einem Höchstgewicht von bis zu 6 kg. Etwas kleiner bleibt die Sorte ‘Sugar Baby’.

Übrigens: Es lohnt sich, den Samen von Wassermelonen mehr Beachtung zu schenken, denn sie sind ähnlich gesund wie Kürbiskerne. Man kann sie auch mit Wasser reinigen, trocknen und rösten. Auch die weiße Schicht direkt unter der grünen Fruchtschale ist essbar: Sie lässt sich gerieben einem Salat beimengen oder als Gemüsebeilage dünsten.

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