Leserfrage

Wurzelläuse an Karotten bekämpfen

Moehrenwurzellaus
Marianne Scheu-Helgert
am Donnerstag, 04.11.2021 - 16:11

Eine weiße Schicht überzieht die Karotten - es handelt sich um Wurzelläuse. Kann man die Karotten trotzdem noch essen?

Eine Leserin fragt:

Beim Ernten meiner Karotten habe ich heuer einen Schrecken bekommen: Die meisten waren an einigen Stellen mit einer weißen Schicht überzogen. Bei genauerer Betrachtung habe ich kleine, weiße Tierchen entdeckt. Was hat sich da auf meinen Karotten breit gemacht und kann ich sie trotzdem noch essen?

Eine Expertin antwortet:

Verschiedene Arten von Läusen befallen Möhren, die beiden aufgeführten Arten sind die häufigsten:

  1. Möhrenwurzellaus (Pemphigus phenax): Sie befallen die Wurzeln von Möhren und überziehen sie mit einer weißlichen Wachsschicht, wie in dem beschriebenen Fall. Diese Schädlinge werden, ähnlich wie Blattläuse, sehr häufig aufgrund ihrer zuckerhaltigen Ausscheidungen von Ameisen gefördert. Im Winter überdauern sie übrigens wie die Salatwurzellaus an Pappeln (siehe unten). 

    Helfen kann folgendes: Ausreichendes Wässern in Verbindung mit häufiger Bodenbearbeitung, wie leichtes Anhäufeln und oberflächliches Aufhacken im Wechsel, stört Läuse und Ameisen. Diese Maßnahmen belüften zugleich den Boden und fördern so das Gemüsewachstum. Sind die Möhren nur leicht befallen und haben keine weiteren Schäden, kann man die Wachsschicht abwaschen. Man sollte sie zügig verwerten.

  2. Möhrenwurzelhalslaus (Dysaphis crataegi): Sie tritt im Garten fast noch häufiger auf. Man findet sie am Wurzelhals von Möhren und anderen Doldengewächsen wie Petersilie. Der erste Blick findet dort ab Hochsommer graufilzige Flecken. Bei näherem Betrachten entdeckt man dann kleine Tierchen, die sich langsam bewegen. Das sind Wurzelhalsläuse, die sich teils unter feinsten Gespinsten aus grauen Wachsfäden vor Feinden und Feuchtigkeit verstecken. Im Winter leben sie auf der Blattunterseite von Weißdorn. Junge Weißdornblätter zeigen im Frühjahr dann auffällig rot gefärbte Pusteln.

    Bei starkem Befall ab Sommer können sie die Pflanzen so weit schwächen, dass diese nur noch kümmerlich gedeihen. Wer sie frühzeitig entdeckt, kann sie durch häufiges Hacken und Wässern stören. Man kann die Tiere auch durch Andrücken rund um den Wurzelhals dezimieren. Weitere Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es nicht, zumal z. B. Seifenpräparate, die gegen Blattläuse helfen, kaum bis an die Tiere vordringen können, ohne dann zugleich den feinen Haarwurzeln im Boden zu schaden.

    Beste Bekämpfung ist eine zügige Kulturführung mit lockerem Boden. Eine stets ausreichende, mittlere Bodenfeuchte, stete Nährstoffversorgung und eine Belüftung durch häufigeres Durchhacken fördert den Pflanzenwuchs und stört zugleich das Treiben der Wurzelläuse. Wer regelmäßig starken Befall fürchtet, deckt späte Salate gleich nach dem Pflanzen mit einem Kulturschutznetz ab.

Lebenszyklus von Läusen

Läuse sind lästig, führen aber eigentlich ein interessantes Leben: Die Wollige Wurzellaus an Salat (Pemphigus bursarius) verbringt lediglich ihre „Sommerfrische“ in unserem Beet. Dort vermehren sich ausschließlich weibliche Tiere durch Lebendgeburten weiterer weiblicher Läuse. Erst geflügelte Exemplare im Spätsommer bringen auch männliche Tiere zur Welt, nachdem sie auf Schwarzpappeln gewechselt sind. Dort werden auch Eier zur Überwinterung gelegt. Ab Mai/Juni wechseln die jungen Läuse wieder an Kräuter. Lieblingskulturen sind die späten Salate wie Endivien und Zuckerhut. An ihm konnten sie gerade in den letzten Jahren verstärkt überwintern, übrigens auch an Löwenzahn.

 

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