Schadinsekten

Wanzen: Auf der Mauer, auf der Lauer

Marmorierte-Baumwanze
LTZ Augustenberg
am Dienstag, 22.09.2020 - 16:19

In Bayern sind neue Schadwanzen auf dem Vormarsch. Beide Arten können im Garten, in Streuobstwiesen und auch in Ackerkulturen Schaden anrichten.

Durch den globalen Handels- und Reiseverkehr finden in den letzten Jahrzehnten immer häufiger invasive Schädlingsarten ihren Weg nach Europa. Auch in Deutschland herrschen durch das Fortschreiten des Klimawandels zunehmend günstigere Bedingungen für diese Arten. Beispiele solcher neuen Zuwanderer gibt es bei Wanzen, wie die Landesanstalt für Landwirtschaft (Lfl) informiert.

Marmorierte Baumwanze

Gruene-Reiswanze

Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) stammt ursprünglich aus Asien und wurde bereits Ende des 20. Jahrhunderts in die USA eingeschleppt, wo sie mittlerweile große Schäden an vielen obst-, gemüse- und ackerbaulichen Kulturen verursacht. In Deutschland wurde sie 2011 erstmals in Konstanz am Bodensee gefunden. Zwischenzeitlich hat sie sich über weite Teile Südwestdeutschlands ausgedehnt. Es gibt eher punktförmige Befallsherde, die sich örtlich ausweiten. In Bayern sind bisher Funde aus Alteglofsheim, Burgkunstadt, Dachau, Erding, Erlangen, Freising, Gröbenzell, Hattnau, Karlsfeld, Lindau, Mittel- stetten, München, Nürnberg, Passau, Schönau, Weißensberg und Würzburg belegt.

Die Marmorierte Baumwanze sieht unserer heimischen Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosGruea) zum Verwechseln ähnlich. Schaut man genau hin, lassen sich die beiden Arten anhand weniger Merkmale jedoch sehr gut unterscheiden: So hat die Marmorierte Baumwanze auf dem Schildchen zwischen den Flügeln bis zu fünf helle Flecken, die bei der Grauen Gartenwanze fehlen. Das transparente Flügelende ist bei der Marmorierten Baumwanze dunkel gestreift, bei der Grauen Gartenwanze gepunktet. Die Bauchunterseite ist deutlich heller als bei der Grauen Gartenwanze, bei der sie schwarz gepunktet ist.

Die Marmorierte Baumwanze befällt über 300 Wirtspflanzen, von denen auch sehr viele bei uns heimisch sind. Dazu gehören im Obstbau unter anderem: Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Himbeeren; im Gemüsebau: Tomaten und Paprika; im Zierpflanzenbau: Sommerflieder, Rosen, Geißblatt, Wilder Wein und verschiedene Gehölze wie Ahorn, Platane oder Weide. Saugschäden an den Früchten, z. B. bei Äpfeln oder Birnen, erkennt man oft an dunkel eingefallenen, braunen Stellen. An sich entwickelnden Früchten kann es darüber hinaus zu Deformationen kommen. Bei Tomaten und Paprika finden sich an den Einstichstellen Aufhellungen in der Schale, die oft schwammig ausgebildet sind und später nekrotische Flecken bilden.

Grüne Reiswanze

Außerdem tritt in den vergangenen Jahren im Oberrheingraben immer häufiger ebenfalls die aus Ostafrika stammende Grüne Reiswanze (Nezara viridula) auf. In Bayern wurde diese Wanzenart bisher in Hausham, Kleinostheim, Nürnberg und Schwabmünchen beobachtet.
Man kann sie leicht mit der heimischen Grünen Stinkwanze (Palomena prasina) verwechseln. Doch auch hier ist eine Unterscheidung anhand weniger Merkmale möglich: So besitzt das Schildchen der Grünen Reiswanze drei weiße Flecken, die auf beiden Seiten jeweils von einem schwarzen Punkt flankiert sind, während dies bei der Grünen Stinkwanze nicht der Fall ist. Das transparente Flügelteil der Grünen Reiswanze ist farblos, bei der Grünen Stinkwanze hingegen braun gefärbt.
Auch die Grüne Reiswanze besitzt einen breiten Wirtspflanzenkreis und verursacht Saugschäden an Zierpflanzen, Acker-, Obst- und Gemüsebaukulturen. Letztere werden nach aktuellem Stand am häufigsten von dem Schädling befallen.

Wanzen melden!

Um einen Überblick über das Vorkommen dieser beiden Wanzenarten in Bayern zu erhalten, ruft die Lfl zur Mithilfe auf. Wer eine Marmorierte Baumwanze oder eine Grüne Reiswanze findet, sendet ein Bild per E-Mail (Ober- und Unterseite) oder ein Exemplar der Wanze an die unten stehende Adresse. Die Wanzen dafür in ein bruchsicheres Behältnis (z. B. eine kleine Plastikdose oder Streichholzschachtel) einpacken. Auf der Homepage der Lfl findet man einen Probenbegleitschein, welcher der Postsendung beigelegt wird und weitere Informationen zum Thema.
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Pflanzenschutz IPS 3d
Kreuzbreite 4
85354 Freising
E-Mail: ips@lfl.bayern.de