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Schwangerschaft

Vorsorge für Mutter und Kind

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Christine Schmid
am Montag, 27.06.2022 - 12:10

Steht eine Untersuchung an, sind Patienten schnell verunsichert. Umso mehr gilt dies während der Schwangerschaft, wenn der Hormonhaushalt werdender Mütter Kopf steht und sie sich um ihr ungeborenes Kind sorgen. Vom Schwangerschaftstest bis zur Geburt: Alles was werdende Mütter über die Schwangerschaftsvorsorge wissen müssen.

Die gesetzlich festgelegten Vorsorgeuntersuchungen sollen Risiken klären und sicherstellen, dass Mutter und Kind möglichst ohne Komplikationen durch die 40 Schwangerschaftswochen kommen. Mit diesem Ziel hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (GBA), der als Fachgremium die Inhalte aller Vorsorgeuntersuchungen bestimmt, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden müssen, umfangreiche Früherkennungsuntersuchungen festgelegt.

Jede Schwangere hat einen gesetzlichen Anspruch auf diese Vorsorge durch eine Hebamme, einen Frauenarzt oder eine -ärztin. Alle vorgeburtlichen Untersuchungen sind freiwillig, können also von der Schwangeren auch abgelehnt werden.

Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft können fast alle Vorsorgeuntersuchungen auch durch Hebammen getätigt und im Mutterpass eingetragen werden. Ausgenommen sind beispielsweise Ultraschalluntersuchungen. Für sie muss die Schwangere immer eine gynäkologische Praxis aufsuchen. Auch wenn Beschwerden während der Schwangerschaft auftreten, wird geraten, sich ärztlich betreuen zu lassen.

Liegt eine Risikoschwangerschaft vor?

In der Regel finden die Untersuchungen der Schwangerenvorsorge im Vier-Wochen-Abstand statt. Ab der 32. Schwangerschaftswoche verkürzt sich der Abstand auf zwei Wochen. Wird der errechnete Geburtstermin überschritten, muss die Schwangere alle zwei Tage zu ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin.

Bei der ersten Untersuchung wird die Schwangerschaft festgestellt und ein Geburtstermin errechnet. Um Risikoschwangerschaften und -geburten bereits frühzeitig zu erkennen, werden eine Menge Daten erfasst, unter anderem:

  • das Alter der Mutter,
  • Vorerkrankungen der Mutter wie Diabetes, Asthma, Epilepsie, Herzerkrankungen, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck, Tuberkulose, Hepatitis, vorangegangene Frühgeburten, Kaiserschnitt, Fehlgeburten,
  • Rhesusfaktor,
  • Mehrlingsschwangerschaft,
  • Erbkrankheiten in der Familie.

Eine Reihe von Untersuchungen

Dazu kommen eine ganze Reihe von Untersuchungen. Über die Bauchdecke wird die Lage der Gebärmutter ertastet. Der Blutdruck wird gemessen, das Gewicht notiert, ein Abstrich, eine Urinprobe und eine Blutprobe werden analysiert. Im Labor werden vorliegende Antikörper gegen Röteln ermittelt. Außerdem werden Untersuchungen auf sexuell übertragbare Krankheiten wie eine genitale Chlamydien-Infektion, Syphilis und Hepatitis B angeboten.

Während der ausführlichen Beratung wird auch auf die Gefahren einer HIV-Infektion hingewiesen und jeder Schwangeren ein Antikörper-Test angeboten, da bei bestehender Infektion der Mutter die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung auf das Kind durch wirksame therapeutische Maßnahmen auf unter ein Prozent gesenkt werden kann.

Die Schwangere erfährt von den Gefahren für den Fötus durch Alkohol, Nikotin und Drogen. Außerdem wird über Ernährungsempfehlungen, Jodzufuhr und eine Grippeimpfung gesprochen.

Mutterpass dokumentiert alle Untersuchungen

Mutterpass-Schwangerschaftsvorsorge: Ein Mutterpass liegt auf einem schwarzen Tisch. Er verdeckt leicht ein Ultraschallbild von einem Baby.

Im Mutterpass, den die Schwangere ständig bei sich tragen sollte, werden alle Untersuchungsergebnisse während der gesamten Schwangerschaft festgehalten. Im Falle von Komplikationen ist mit diesen Daten eine rasche Hilfe für Mutter und Kind möglich. Mutterpässe sollten gut aufgehoben werden, da sie bei späteren Schwangerschaften wertvolle Informationen liefern.

Ausschließlich die im Mutterpass aufgeführten Untersuchungen sind Vorsorgeuntersuchungen, wie sie laut GBA-Mutterschafts-Richtlinie angeboten und von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden. Bei einer unauffällig verlaufenden Schwangerschaft werten die Fachleute diese als ausreichend.

Die regulären Vorsorgeuntersuchungen werden immer von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ergeben sich aus der Anamnese oder den Vorsorgeuntersuchungen Befunde, die weitere ergänzende vorgeburtliche Untersuchungen (Pränataldiagnostik) notwendig machen, wie ein Verdacht auf Fehlbildung oder Mangelversorgung des Kindes, werden entsprechende Untersuchungen empfohlen. Die Krankenkassen tragen auch diese Kosten.

Beratung wird groß geschrieben

Die GBA-Mutterschafts-Richtlinien verpflichten Ärztinnen und Ärzte, die Schwangeren über Ziele, Aussagekraft und mögliche Folgen einer Untersuchung aufzuklären. Zu etlichen Untersuchungen gibt es Versicherteninformationen des GBA (www.g-ba.de/richtlinien/19), die der Schwangeren helfen sollen, sich für oder gegen einen Test zu entscheiden.

Da eine Schwangerschaft aber nicht nur medizinische Fragen aufwirft, sondern auch eine Fülle anderer – beispielsweise soziale, rechtliche und wirtschaftliche –, sollen Ärzte, Ärztinnen und Hebammen die Schwangere darüber aufklären, dass diese einen Rechtsanspruch hat, sich bei den staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen informieren zu lassen. Die kirchlich orientierten oder überkonfessionellen Stellen gibt es in nahezu allen größeren Städten Bayerns (www.stmas.bayern.de/schutz-ungeborenes-leben/beratung). Dort beantworten psychosoziale Fachkräfte Fragen zu Partnerschaft, Geburt, der Zeit danach und vielem mehr. Auch eine genetische Beratung steht der Schwangeren gesetzlich zu.

Nach den Empfehlungen der Mutterschafts-Richtlinien gehören drei Ultraschalluntersuchungen zur normalen Schwangerenvorsorge, in der Regel im dritten, sechsten und achten Schwangerschaftsmonat. Sollten Unregelmäßigkeiten, Beschwerden oder Komplikationen auftreten, können auch kürzere Abstände zwischen den Untersuchungen beziehungsweise weitere Ultraschall-Untersuchungen erfolgen.

So läuft eine Untersuchung ab

Zu den diagnostischen Maßnahmen, die zu jeder Untersuchung gehören, zählen unter anderem:

  • Messung des Blutdrucks,
  • Feststellung des Körpergewichts,
  • Urin- und Blutuntersuchung,
  • Kontrolle des Stands der Gebärmutter.
  • Später in der Schwangerschaft werden auch die kindlichen Herztöne und die Lage des Kindes kontrolliert.

Zu jeder Untersuchung gehört es, die Testergebnisse zu besprechen, zu beraten und der werdenden Mutter ausreichend Zeit für Fragen einzuräumen. Gesprächsangebote der Ärztinnen, Ärzte und Hebammen gehören also zur gesetzlichen Schwangerenvorsorge. Werdende Mütter sollten diese für sich und ihr Kind unbedingt nutzen.

Detaillierte Informationen zur Vorsorge und sehr viel mehr findet man unter www.schwanger-in-bayern.de.

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