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Prävention

Vorsicht vor dem Borna-Virus

Gilt als Überträger des gefährlichen Virus: Die Feldspitzmaus. Bislang ist das Virus noch wenig erforscht. Für Aufmerksamkeit sorgte, dass zuletzt ein Bub im Kreis Mühldorf an dem Virus gestorben ist. Deutschlandweit wurden bislang etwa 40 Fälle nachgewiesen.
Michael Sterr
am Freitag, 19.08.2022 - 09:10

Die Berufsgenossenschaft warnt vor der gefährlichen, teils tödlich verlaufenden Infektion mit dem Borna-Virus.

Präventionsexperte Fritz Allinger warnt davor, das gefährliche Borna-Virus zu unterschätzen.

Straubing/Ndb. Es gibt immer mehr Infektionen mit dem tödlich verlaufenden Borna-Virus in Oberbayern, vor allem im Raum Mühldorf. Das Borna-Virus bildete so auch einen Schwerpunkt bei der Pressekonferenz der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Niederbayern-Oberbayern-Schwaben im Rahmen des Gäubodenfestes im niederbayerischen Straubing. Aufklärung ist hier durchaus wichtig, denn immerhin über 90 Prozent aller in Deutschland bekanntgewordenen Borna-Infektionen werden in Bayern verzeichnet.

Präventionsexperte Fritz Allinger von der Berufsgenossenschaft warnte eindringlich davor, das Virus zu unterschätzen. Übertragen werde es in erster Linie durch Feldspitzmäuse – dies erklärt wohl auch, warum die allermeisten Fälle im ländlichen Raum verzeichnet werden. Denn hier sei in vielen Bereichen immer wieder auch getrockneter Mäusekot vorhanden, der, beispielsweise beim Auskehren oder anderen Arbeiten, schnell aufgewirbelt wird.

Maske mit Ventil tragen

„Die Gefahr lauert dabei nicht nur im Stall, sondern überall dort, wo sich Mäuse gerne aufhalten, zum Beispiel auch im Brennholzschuppen“, machte Fritz Allinger deutlich. Die aktuelle Trockenheit verstärke die Staubbildung zusätzlich. Ausreichenden Schutz biete einzig und allein eine FFP3-Maske. „Ich empfehle eine Maske mit einem Ausatmen-Ventil, das macht das Tragen etwas angenehmer, nachdem schon das Einatmen etwas erschwert ist“, so der Präventionsexperte. Dass man sich schützen sollte, stehe außer Frage, denn: „Mit diesem Virus ist nicht zu spaßen, der Krankheitsverlauf ist in der Regel tödlich“, lautete Allingers Appell.

Manche Vorsichtsmaßnahmen seien sehr einfach zu treffen: „Man solle darauf achten, dass das Futterangebot für Schädlingsnager so klein wie möglich ist.“ Im Klartext heißt das: Schüsseln mit Hunde- oder Katzenfutter sollten auch im Freien nicht erreichbar sein für die Nager, Mausefallen sollten aufgestellt werden, die toten Tiere dann aber nicht ohne Maske und Handschuhe in geschlossenen Beutel entsorgt werden.

Das Borna-Virus ist erst sei dem Jahr 2018 nachgewiesen. Erst seit dieser Zeit weiß man auch, dass es auf den Menschen übertragbar ist. Der natürliche „Wirt“ des Virus ist die Feldspitzmaus, sie scheidet die Viren über Speichel, Urin und Kot aus. „Wie der Virus von der Feldspitzmaus auf den Menschen übertragen wird, das ist noch nicht genau bekannt“, betont auch Fritz Allinger. Am wahrscheinlichsten sei es aber, dass sich der Mensch über den direkten Kontakt mit der Spitzmaus oder ihren Ausscheidungen infizieren könnte.

Gefahr ist noch niedrig

Beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wird darauf verwiesen, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung „extrem unwahrscheinlich“ ist, ebenso wie die Übertragung durch infizierte Pferde, Schafe und andere Haus- und Heimtiere auf den Menschen. Die absolute Zahl der Infektionen und damit die Gefahr, sich anzustecken, ist aber laut einer Mitteilung des LGL als sehr gering einzuschätzen.

Und auch dieses geringe Risiko kann weiter minimiert werden: Kein Kontakt zu den übertragenden Tieren, im Umfeld von auftretenden Spitzmäusen sollte ihre Nahrungsquelle, dazu gehört auch der Komposthaufen, entzogen werden. Um tote Spitzmäuse oder deren Ausscheidungen zu beseitigen, sollten Gummihandschuhe und Mundnasenschutz (am besten FFP3-Maske) getragen werden und kontaminierte Flächen mit Haushaltsreiniger gesäubert werden.