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Gesundheitsvorsorge

Von der U1 bis zur J2: Vorsorge bei Kindern und Jugendlichen

vorsorgeuntersuchung-kinderarzt-u9: Ein Kind sitzt mit einem älteren Arzt am Tisch.
Christine Schmid
am Dienstag, 26.07.2022 - 15:00

Gerade in den ersten Lebensjahren machen Kinder eine erhebliche Entwicklung durch. Durch die U-Untersuchungen kann man Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen früh erkennen. Das müssen Eltern darüber wissen.

Kindervorsorgeuntersuchungen haben den Zweck, den allgemeinen Gesundheitszustand und die altersgemäße Entwicklung eines Kindes zu überprüfen. Werden diese U-Untersuchungen regelmäßig durchgeführt, können mögliche Probleme oder Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Inhalte und Zeitpunkte hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Kinder-Richtlinie festgelegt. Demnach sollen die Früherkennungs- und Vorsorge-Untersuchungen (U-Untersuchungen, Impfschutz und zahnärztliche Untersuchungen) innerhalb bestimmter Zeiträume stattfinden, für die ein Besuch in der ärztlichen oder zahnärztlichen Praxis nötig ist.

Wichtig: Termine für die Untersuchungen einhalten

Die vorgegebenen Termine für die U-Untersuchungen haben einen guten Grund, weil die rechtzeitige Behandlung mancher Erkrankungen nur in einer bestimmten Altersspanne und Entwicklungsphase erfolgversprechend ist. So ist beispielsweise die U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche wichtig, um eine mögliche Fehlstellung der Hüftgelenke rechtzeitig zu entdecken und zu behandeln.

Bei den Früherkennungsuntersuchungen im Kita- und Vorschulalter achten Kinderarzt oder -ärztin auf das Sprechen, die motorischen Fähigkeiten des Kindes und den Umgang mit Gleichaltrigen. Gibt es hier Auffälligkeiten, besteht die Chance, das Kind gezielt zu fördern, um eventuelle Verzögerungen rechtzeitig bis zum Schuleintritt aufzuholen.

Eltern sollten das Gespräch mit dem Kinderarzt und der Kinderärztin suchen, wenn sie vermuten, dass sich ihr Kind langsamer als andere entwickelt. Die Mediziner sind bei den Untersuchungen auf die Beobachtungen der Eltern angewiesen, die ihr Kind täglich erleben und am besten kennen.

Auch bei Frühgeborenen sollten die empfohlenen Untersuchungszeiträume eingehalten werden. Die Tatsache, dass das Kind zu früh zur Welt kam, wird bei den Früherkennungsuntersuchungen berücksichtigt.

Ist ein Kind chronisch krank oder hat eine Behinderung, entwickelt es sich möglicherweise anders oder langsamer als andere Kinder. Zwar treffen die Kriterien der Früherkennungsuntersuchungen dann meist nicht mehr auf die persönliche Entwicklung des Kindes zu, dennoch sollten die Untersuchungen wahrgenommen werden.

Arztgespräche können aufklären und entlasten

Der Kinderarzt oder die Kinderärztin prüft, wie sich das Kind entwickelt, und bespricht mit den Eltern bei Bedarf die weiteren Therapie- und Fördermaßnahmen. Das Arztgespräch kann entlasten, wenn Eltern verunsichert sind, weil ihr Kind nicht die Fertigkeiten hat, die für eine bestimmte Altersstufe vorgesehen sind. Auch klären die Mediziner darüber auf, dass es bei einzelnen Beeinträchtigungen andere Vergleichswerte für die altersgemäße Entwicklung von Größe und Gewicht gibt.

Auch die Impftermine folgen einem ärztlich empfohlenen Zeitplan. Ziel ist es, so früh wie möglich einen vollständigen Impfschutz vor schweren Infektionserkrankungen wie Hirnhautentzündung, Kinderlähmung oder Masern aufzubauen. Zur Impfung werden abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger verwendet. Für diese sogenannte Grundimmunisierung sind meist mehrere Impfgaben in bestimmten Abständen notwendig, damit das kindliche Abwehrsystem nach und nach einen wirksamen Schutz aufbauen kann.

Schon die Jüngsten sollten außerdem regelmäßig zum Zahnarzt gehen. Zahnerkrankungen wie beginnende Karies sollte auch am Milchgebiss behandelt werden, da andernfalls die zweiten Zähne gefährdet werden könnten.

Inhalte und Schwerpunkte der Untersuchungen

Die Kinder werden körperlich untersucht, die Eltern beraten. Zusätzlich gibt es spezielle Screenings auf bestimmte Erkrankungen. Unter anderem werden kontrolliert:

  • Gewicht und Körpergröße,
  • einzelne Organe,
  • Kopf und Bewegungsapparat,
  • die altersgerechte Entwicklung im Hinblick auf Grob- und Feinmotorik,
  • die Aufnahmefähigkeit und Wahrnehmung,
  • die soziale und emotionale Kompetenz des Kindes
  • und die Interaktion des Kindes mit den Eltern.

Die Mediziner prüfen darüber hinaus, ob und gegebenenfalls welche individuellen Belastungen und gesundheitlichen Risiken vorliegen, und beraten die Eltern, wie sie diese verringern können. Bei Bedarf kann der Arzt oder die Ärztin eine Präventionsempfehlung ausstellen und auf Eltern-Kind-Angebote hinweisen.

Teil der Untersuchung ist auch die Überprüfung des Impfstatus und die Beratung zur Verbesserung des Impfschutzes des Kindes. Bei Erstaufnahme des Kindes in die Kita muss diese ärztliche Impfberatung nachgewiesen werden.

Dokumentiert werden die U-Untersuchungen im gelben Kinderuntersuchungsheft. Es enthält eine herausnehmbare Teilnahmekarte, mit der die Eltern die Teilnahme an den U-Untersuchungen gegenüber Dritten wie den Kindergärten nachweisen können, ohne dabei vertrauliche Informationen preiszugeben.

U6 bis U9: Zeitspannen wieder gültig

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und ärztliche Praxen zu entlasten, wurden zwischenzeitlich die festgelegten Zeitspannen für die Untersuchungen U6, U7, U7a, U8 und U9 aufgehoben. Seit dem 1. Juli 2022 gelten diese Zeitspannen jedoch wieder, die Untersuchungen können nicht mehr verschoben werden.

Weitere Untersuchungen als freiwillige Leistung

Neben den gesetzlich festgelegten Untersuchungen des U-Untersuchungsprogramms bieten eine Reihe von Krankenkassen zusätzliche Untersuchungen, insbesondere für Kinder im Grundschulalter (U10 und U11) sowie eine zweite Untersuchung für Jugendliche (J2) an. Deren Untersuchungsspektrum ist nicht durch den G-BA festgelegt. Diese Kosten übernehmen einzelne Krankenkassen als freiwillige Leistung.

Kinder- und Jugendärzte besitzen das erforderliche Spezialwissen über die körperliche, geistige, seelische und soziale Entwicklung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen und deren typischen Erkrankungen. Sie beraten oder nennen qualifizierte Unterstützungsangebote.

Gerade in ländlichen Gebieten gibt es auch häufig Allgemeinmediziner, die sich in Kinderheilkunde weitergebildet haben. Auch dort sind Kinder und ihre Eltern gut aufgehoben. Entscheidend ist eine vertrauensvolle Beziehung.

Auf kindergesundheit-info.de, einem Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), finden sich detaillierte Beschreibungen zu den einzelnen U- und J-Untersuchungen sowie vieles mehr zur Kindergesundheit.

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