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Obstgarten

Ist das Trockenheit oder Feuerbrand auf Obstbäumen?

Abgestorbener-Ast-Obstbaum-Feuerbrand-Dürre
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Donnerstag, 08.09.2022 - 10:30

Besonders an Apfel- und Birnbäumen sieht man in letzter Zeit trockene Astpartien oder ganze Äste. Sind dies Folgen des Dürresommers oder handelt es sich dabei um die meldepflichtige Feuerbrand-Krankheit?

Bei der anhaltenden Hitze und Trockenheit dörren einzelne Triebe von Apfel- und Quittenbäumen oder ganze Bäume regelrecht dahin. Oft beginnt es mit hellbraunen Verfärbungen auf einzelnen Blättern, bevor der Trieb eintrocknet. Diese Schadbild kann auch das Feuerbrandbakterium verursachen, wie die Bayerische Gartenakademie mitteilt. Sie befürchtet, dass in diesem Jahr mit einem starken Auftreten von Feuerbrand in Bayern zu rechnen ist.

Kernobst wird von Feuerbrand befallen

Der Feuerbranderreger ist ein Bakterium: Erwinia amylovora. Auch wenn der Wirtskreis sehr groß ist, beschränkt es sich auf Kernobst und nahe verwandte Gehölze. Besonders betroffen sind Quitte, Apfel und Birne sowie deren Zierformen, Weiß- und Rotdorn, Feuerdorn, Vogelbeere und Mehlbeere, Zwergmispel und Felsenbirne. Kirschen, Zwetschgen und Beerenobst werden dagegen nicht infiziert.

Bei der Feuerbrandkrankheit verfärben sich die Triebe dunkelbraun bis schwarz und sterben schließlich ab. Es können sowohl blühende als auch Laubtriebe, einschließlich Wasserschosser, betroffen sein. Zunächst welken Blätter, Blüten und Triebe. Sie vertrocknen in Verlauf der Infektion, die dürren Blätter bleiben an den Astpartien hängen und sehen wie „verbrannt“ aus. Der Erreger breitet sich meist recht schnell aus. Junge, noch krautige Triebspitzen krümmen sich oft hakenförmig nach unten.

Rückschnitt oder Rodung der Obstbäume

Die Diagnose von Feuerbrand ist nur durch Tests im Labor möglich. Wurde die Krankheit diagnostiziert, bespricht man die Vorgehensweise mit der Kreisfachberatung (siehe unten, letzter Absatz). Zur Bekämpfung des Feuerbrands gibt es keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel, möglich sind nur Schnitt- und Rodemaßnahmen.

Sehr stark befallene Bäume werden meist gerodet. Schwach befallene Bäume können manchmal durch Pflegemaßnahmen (Rückschnitt, gute Wasser- und Nährstoffversorgung, Ruhigstellen des Wachstums) erhalten werden. Besonders ältere Apfel- oder Birnbäume scheinen den Befall gut zu überstehen. Geringer Schnittgutanfall kann man über den Restmüll entsorgen, größere Mengen liefert man gut abgedeckt an eine Müllverbrennungsanlage. Nicht ratsam ist, das Schnittgut zu Häckseln und zu Kompostieren, da sich der Erreger ausbreiten kann. Um eine weitere Ansteckung zu vermeiden, desinfiziert man die Schnittwerkzeuge z. B. mit 70 %igem Alkohol.

Nicht alles, was jetzt vertrocknet, muss Feuerbrand sein – auch Echter Mehltau und Spitzendürre sowie bakterielle oder pilzliche Welkekrankheiten (z. B. Pseudomonas syringae oder Monilia) können solche Schadbilder verursachen. Ebenso kommen tierische Schädlinge (z. B. Birnentriebwespe) und Einflüsse wie Spätfrost in Frage. Für die Diagnose braucht es die Expertise von Fachkräften oder die Diagnose im Labor.

Meldepflicht bei Feuerbrand

Haben Sie keine Angst vor der Meldepflicht! Die Feuerbrand-Krankheit kommt in Bayern bereits fast überall an Obstbäumen vor. Trotzdem ist es für die Pflanzenschutz-Beratung weiterhin wichtig, einen Überblick über die aktuelle Feuerbrandsituation in den einzelnen Regionen zu bekommen.

Wenden Sie sich im Verdachtsfall entweder an die zuständige Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege an den Landratsämtern oder an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz (E-Mail: phytobakteriologie@lfl.bayern.de). Hier ist ein kostenfreier Test möglich. Um die Anlagen des Erwerbsobstbaus zu schützen und ein Übergreifen zu verhindern, sind auch die Besitzer von Gärten und Streuobstwiesen angehalten, ihre Kernobstbestände regelmäßig zu kontrollieren.

Mit Material von Bayerische Gartenakademie
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