Garten

Tomaten - Lieblinge im Gemüsegarten

Tomatenvielfalt
Marianne Scheu-Helgert
am Dienstag, 12.05.2020 - 11:40

Richtig düngen, gießen und ausgeizen – was man über der Pflege von Tomatenpflanzen im Gewächshaus, im Freiland und in Töpfen wissen muss.

Tomatendach
Tomaten sind heute die Stars in fast jedem Gemüsegarten. Wuchsen sie einst überwiegend in herrschaftlichen Kloster- und Schlossgärten, erleben sie seit den Nachkriegsjahren einen bis heute ungebremsten Siegeszug in die Gärten der breiten Bevölkerung.
Während einige Gartler ihre Tomaten schon ins Gewächshaus gepflanzt haben, kann man die Jungpflanzen nach den Eisheiligen nun auch ins Freiland oder in Töpfe setzen. Wachsen die Tomaten in Töpfen, wählt man dafür ein Volumen von 20, besser 30 l, elementar ist auch ein guter Wasserabzug.
Am wichtigsten bei der Pflanzung im Garten oder Gewächshaus ist, dass jede Pflanze ausreichend Platz bekommt: Man lässt 50, besser 60 cm Abstand zur Nachbarin. Wer das für Platzverschwendung hält, kann dazwischen noch eine Reihe Radieschen oder Gartenkresse säen. Gärtner mit Weitblick haben das bereits im April oder März erledigt.
Zur Stütze der Pflanzen im Gewächshaus befestigt man am besten Schnüre am Dach, im Garten braucht man gut 1,8 m lange Stäbe.

Düngen je nach Standort

Die Tomatenpflanzen setzt man etwas tiefer in die Erde als sie im Anzuchtgefäß stehen, dann bilden sie zusätzliche Wurzeln aus dem Stamm aus. Als Substrat für die Topfkultur wählt man hochwertige, grob strukturierte Geranienerde. Diese ist so gut mit Dünger versorgt, dass man nicht mehr nachdüngen muss. Hat man ab August aber doch das Gefühl, dass Dünger fehlt, kommt Flüssigdünger zum Einsatz: Pro 10 l-Gießkanne verwendet man einmal pro Woche 20 ml Flüssigdünger.
Anders sieht es bei der Kultur im Garten und Gewächshaus aus: Vor der Pflanzung arbeitet man 3 l Kompost und gut 100 g Horngries je m² in die oberste Bodenschicht ein. Anschließend wird gut angegossen, nicht mit der Brause, sondern mit zartem Strahl. Dann deckt man die Beete mit einer dünnen Lage Rasenschnitt, Stroh oder mit Blattabfällen ab. Das vermindert die Wasserverdunstung und hält den Boden zugleich offenporig.
Insgesamt brauchen Tomaten in der Ertragsphase bei milden Sommertemperaturen täglich bis zu 3 l Wasser. Stehen drei Pflanzen je m², gießt man am besten alle zwei, drei Tage 20 oder 30 l pro m², verteilt auf ein, zwei Stunden. Viel Arbeit spart eine Tröpfchenbewässerung im Gewächshaus. Bei der Kultur von Tomaten wird nur auf den Boden, nie über die Blätter gegossen.
Vor dem Pflanzen entfernt man bei Stabtomaten alle Seitentriebe. Auch danach werden neue Seitentriebe frühzeitig ausgebrochen. Zudem entblättert man nur dort, wo die Blätter am Boden aufliegen. Nach der Ernte der untersten Traube kann man die Blätter darunter entfernen, auch wenn sie gesund sind. Sie bekommen im dichten Stand ohnehin kaum noch Licht. Kranke Teile entfernt man laufend.
In der Hoffnung auf einen langen Herbst kann man sich das „Köpfen“ von Tomaten sparen. Man fördert damit nur die Bildung von Seitentrieben. Wer doch an einen frühen Wintereinbruch glaubt, entfernt nur die obersten Blüten, nicht aber die aktivsten Blätter. Von der Blüte bis zur Ernte rechnet man mit gut sechs Wochen, im Spätherbst eher länger. Im frostfreien Kleingewächshaus kann man meist bis Mitte November ernten, später stoppt der Reifungsprozess durch Lichtmangel.

Tomatendach schützt

Bleiben die Sommer weiter so trocken, bringen Kleingewächshäuser für Tomaten mehr Nachteile als Vorteile. Besonders schwierig sind die schrankförmigen „Tomatenhäuser“ aus Folie. Sie bleiben im Sommer am besten ganz offen. Im Spätsommer, wenn die Nächte sehr kühl werden, neigen sie zum Schwitzen, wenn sie geschlossen werden – eine ideale Umgebung für die Kraut- und Braunfäule. Am schlimmsten ist dieser Effekt bei großfruchtigen Tomaten.
Am besten eignet sich ein reines Regendach, das rundum offen ist. Es hält die Pflanzen sicher trocken. Werden die Pflanzen bei einem seltenen Gewittersturm doch nass, trocknen sie wieder sehr schnell ab. Und das morgendliche Beschlagen der Früchte findet aufgrund des Luftdurchzuges kaum statt.

Tomaten durch Topf gießen?

In Gartenforen im Internet kursiert der Tipp, dass man Tomatenpflanzen im Freiland oder im Gewächshaus auch über einen Topf bewässern kann, der neben den Pflanzen eingegraben wurde. Was halten Sie von der Methode?

 

Diese oft empfohlene Gießmethode bringt den Vorteil, dass das nötige Wasser gleich in Wurzeltiefe austritt. Das gelingt aber nur, wenn die Töpfe nicht in den Boden gedrückt wurden, sondern wenn zum “Einpflanzen“ der Töpfe eine großzügige Grube ausgehoben wird, deren Grund zusätzlich gelockert wurde. Sonst ist der Boden verdichtet.

Zudem brauchen die Töpfe ein Volumen von mindestens 2 l. Eine Pflanze im Vollertrag braucht nämlich 3 bis 4 l täglich. Dann muss jeder Topf zweimal pro Tag gefüllt werden. Wer allerdings konsequent nur durch die Töpfe gießt, lockt die Wurzeln nur genau zu diesem Bereich. Wird ab und an flüssig gedüngt, funktioniert das gut.

Wer seinen Boden jedoch großflächig mit organischen Düngern vorbereitet hat, riskiert durch die Topfmethode große Trockenbereiche, die nur wenig durchwurzelt werden. Damit werden auch die Biodünger bei unzureichender Feuchte in diesen Teilbereichen nicht mikrobiell aufgeschlossen. Flächiges Gießen mit Nutzung des gesamten Bodenvolumens ist daher durchaus besser – natürlich mit Mulch als Verdunstungsschutz.