Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Gartentipp

Spitzkohl: Echt spitz(e) dieses Kraut

Spitzkohl: Links ein Bild mit Kohlköpfen in der Erde. Rechts der gesäuberte, reine Spitzkohl der an einer Holzwand lehnt.
Karin Stern & Sophia Gottschaller
am Mittwoch, 23.03.2022 - 16:15

Keine Kugel, sondern ein eleganter Kegel: Spitzkohl ist eine besondere Form des Weißkohls. Seine feinen, zarten Blätter mit dem milden Geschmack gelten als Delikatesse. Jetzt wird es Zeit für die Aussaat von Spitzkohl.

Der Spitzkohl ist ein Sprinter. Zumindest im Vergleich zu anderen Weißkohlvarianten und mit etwas Glück bekommt man jetzt im Gartenmarkt oder bei Gärtnern Jungpflanzen der frühen Sorte ‘Erstling/Express’. Die recht kälterobusten Setzlinge dürfen bereits im März ins Freiland unter Vlies oder in den Folientunnel und sind – entsprechendes Wetter vorausgesetzt – im Juni erntereif.

Voranzucht ab März, im April Aussaat im Freien

Wer seine Pflanzen lieber selbst heranzieht, sät je nach Sorte von März bis April in kleinen, mit Aussaaterde gefüllten Töpfchen auf der Fensterbank, im Frühbeet oder Gewächshaus aus. Ab April kann die Aussaat auch im Freiland erfolgen. Sehr empfehlenswert ist die Anzucht in Topfplatten, denn in den einzelnen Töpfchen entwickelt jede Pflanze einen schönen, kompakten Wurzelballen, der das Umpflanzen erheblich erleichtert.

Man setzt die Jungpflanzen im Freiland so tief, dass die Erde bis zu den Keimblättern reicht. Auf dem Beet benötigt Spitzkohl für eine gute Entwicklung etwa 40 x 40 cm Platz pro Pflanze. Wer zu eng pflanzt, riskiert kleinere Köpfe und fördert Krankheiten. Eine Ausnahme bildet dabei die Sorte ‘Filderkraut’ – sie braucht einen Planzabstand von 60 x 60 cm. ‘Filderkraut’ ist eine späte, etwas üppiger wachsende Sorte, die von Ende September bis Anfang November reift.

Spitzkohl braucht Sonne und viele Nährstoffe

Die Standortansprüche der Kohlfamilie lassen sich direkt auf den Spitzkohl übertragen: Das Gemüse schätzt einen sonnigen Platz auf nährstoffreichem, tiefgründigem und mittelschwerem Boden. Durchlässige und eher trockene Böden kann man dauerhaft verbessern, indem man regelmäßig organisches Material wie Kompost (max. 3 l pro Quadratmeter) oder verrotteten Mist einarbeitet. Der erhöhte Humusanteil sorgt zudem für eine bessere Wasserhaltefähigkeit des Bodens.

Wer im Gemüsegarten regelmäßig Kompost einarbeitet, sichert damit die Grundnährstoffversorgung des Kohls. Je nach Stickstoffgehalt des Bodens empfiehlt es sich, im Frühjahr bei der Pflanzung pro Quadratmeter zusätzlich 100 g Horngrieß einzuarbeiten. Bei einem etwas höheren Kalkgehalt mit einem pH-Wert von etwa 6 bis 7 oder 7,5 entwickeln sich schöne Köpfe.

Eine weitere Voraussetzung, damit Spitzkohl gut gedeiht, ist ausreichend Bodenfeuchtigkeit: Im Idealfall trocknet der Boden während der Kulturdauer nie aus, denn im späteren Verlauf kann Trockenheit die Ursache dafür sein, dass die Köpfe aufplatzen. Das kann auch bei Überreife passieren, deshalb sollten reife Köpfe zügig geerntet werden.

Insektenschutznetze helfen gegen Schädlinge

Beim Anbau von Kohl ist eine ausreichend weite Fruchtfolge wichtig für die Pflanzengesundheit. Die Anbaupause beträgt bei Kreuzblütlern vier Jahre, im fünften Jahr darf auf der gleichen Fläche erneut Kohl kultiviert werden.

Insbesondere Schnecken machen sich gerne über die Jungpflanzen her, man findet sie aber im Laufe des gesamten Wachstums. Deshalb: Fleißig kontrollieren und absammeln. Lästig kann auch ein Befall mit Schädlingen wie Läusen, Kohlfliegen und Raupen sein. Insektenschutznetze mit einer kleinen Maschenweite (0,8 x 0,8 mm) bieten hier eine mechanische Abwehrmöglichkeit. Die Netze legt man direkt nach dem Pflanzen auf. Wichtig ist, sie ausreichend groß zuzuschneiden, damit sie auch über die ausgewachsenen Kohlköpfe reichen.

In der Quiche oder gebraten als Beilage

In der Küche ist Spitzkohl eine Köstlichkeit und schmeckt durch sein mildes Krautaroma auch vielen „Kohlverweigerern“. Geerntete Köpfe der Frühsorten lagert man nicht länger als zwei Tage. Spitzkohl weist übrigens den höchsten Vitamin-C-Gehalt aller Kopfkohlsorten auf.

Die frühen Sorten wie ‘Express’ bilden eher lockere Köpfe. Sie eignen sich sehr gut für Salate und sind – in Streifen geschnitten und kurz gedünstet – eine echte Delikatesse. Empfehlenswert ist auch, Spitzkohl auf einer Quiche zu verarbeiten und wer es etwas exotischer mag, kombiniert das Kraut in einem Curry mit Karotten, Kartoffeln und Kokosmilch. Die Sorte ‘Filderkraut’ wird gerne zur Herstellung von Sauerkraut verwendet. Ihre Blätter schmecken angenehm und leicht süßlich, sie sind hauchdünn zu einem festen Kopf geschichtet.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt