Obstsorten

Sorten-Update im Obstgarten

Obstsorten-Gartenakedemie-Update-Übersicht: Ein Raster mit acht Bildern, darauf sind Früchte am Baum zu sehen.
Hubert Siegler - Bayerische Gartenakademie
am Freitag, 17.09.2021 - 10:30

Ein Obstbaum kränkelt seit Jahren, außerdem schmecken seine Früchte nicht mal richtig gut? Raus damit und stattdessen ertragreiche, gesunde und wunderbar schmeckende Sorten pflanzen! Unsere Sortentipps.

Obst aus dem eigenen Garten ist wertvoll – wenn es denn gedeiht und gut schmeckt. Viele Gartler haben aber noch Obstbäume und -sträucher der Eltern oder Großeltern im Garten. Seinerzeit waren das anerkannte Sorten, doch die Züchtung hat sich weiterentwickelt. Man muss sich nicht mehr damit abfinden, dass Äpfel schorfig werden, Zwetschgen unregelmäßig tragen, Brombeeren sauer schmecken und auch nicht, dass Wein von Mehltau befallen wird. Inzwischen gibt es eine Vielzahl neuer Sorten, die mit Geschmack, Resistenzen gegen Krankheiten, stabilem Ertrag und besseren Lagereigenschaften überzeugen.

Freilich pflanzt man gerade Obstbäume nicht jeden Tag. Genau deshalb sollte man bei der Auswahl der gewünschten Sorte immer auch den Standort im eigenen Garten überprüfen: Passen Boden, Licht, Klima wirklich zur Sorte? Nur dann wird man langfristig Freude an der neuen Errungenschaft und ihren Früchten haben.

Neue Apfelsorten:

Apfel-Florina hängen am Ast am Baum.  Sie sind sehr rot, jedoch mit einem milchigen Weißschleier darüber.

Für den Erwerbsobstbau brachte die weltweite Züchtung Verbesserungen bezüglich Ertrag, Geschmack und Resistenzen hervor. Die schorftoleranten Varietäten eignen sich auch gut für Hobbygärten. Mag die erste Generation dieser Züchtungen schon „out“ sein, so finden viele Apfelliebhaber die Sorten ‘Topaz’, ‘Florina’, ‘Rebella’, ‘Rubinola’, den allergikerfreundlichen ‘Santana’ sowie ‘Admiral’, ‘Solaris’, ‘Otava’, ‘Rajka’und den Bayernapfel ‘Roter Aloisius’ vorzüglich.

‘Topaz’ lässt sich besser lagern als der schnell welkende ‘Boskoop’. Der geschmackvolle, saftige ‘Solaris’ bleibt bis Mai fest und löst z. B. ‘Ontario’ als typischen Lagerapfel ab. Der Bayernapfel ‘Roter Aloisius’ besticht als typischer Herbstapfel mit ansprechender Optik, gehaltvollen Früchten und regelmäßigem Ertrag. Daher ist er eine gute Alternative zu den sensiblen Profisorten ‘Elstar’, ‘Rubinette’ oder ‘Cox Orange’. Nach einigen Prüfjahren an der LWG Veitshöchheim kann auch die südtiroler schorftolerante Sorte ‘Tramin’ als frühe Herbstsorte empfohlen werden.

Seit Jahren wird mit rotfleischigen Äpfeln gezüchtet. Sie schmücken sich mit einer tiefroten Blüte, rötlichem Austrieb und die rotfleischigen Früchte kann man zu farbstabilen, himbeerroten Säften, Fruchtaufstrichen, Kompott, Chips und vielem mehr verarbeiten. In die stark säurebetonten Ausgangssorten wurden süße Varietäten eingekreuzt. Abkömmlinge wie ‘Vitalstar’, ‘Baya Marisa’, Sorten der Redloves-Serie (Lubera) oder der säulenförmige ‘Pomfital’ stehen im Sortiment gut sortierter Baumschulen. Weitere Züchtungen wie ‘Baya Franconia’ vom Bayerischen Obstzentrum oder ‘Rosette’ schmecken gut, haben aber kein komplett tiefrot durchgefärbtes Fruchtfleisch.

„Alte“ Apfelsorten:

Folgende wohlschmeckende Sorten können als Fazit vieler regionaler Empfehlungen angeführt werden. Sie wachsen als Busch oder Spalier auf schwachen bis mittelstarken Unterlagen: ‘Jakob Fischer’, ‘Gravensteiner’, ‘Roter Boskoop’, ‘Ingrid Marie’, ‘Goldparmäne’, ‘Ontario’, ‘Schweizer Glockenapfel’, ‘Transparent aus Croncels’, ‘Schöner aus Wiltshire’, ‘Freiherr von Berlepsch’ und ‘Cox Orange’. In vielen Regionen ergänzen ‘Ananasrenette’, ‘Melrose’, ‘Alkmene’ und ‘Jonagold’.

Birnen:

Saeulenbirne-Decora links im Bild, Man sieht den ganzen schmalen Baum. Lagerbirne-Uta rechts im Bild, Nahaufnahme der Früchte.

Sie profitieren von der immer länger werdenden Vegetation. So können nun spätere Sorten auch in kühleren Gebieten – zumindest an geschützten Standorten – ihre sortentypisch guten Eigenschaften ausbilden. Hinweis: Gegen Birnengitterrost sind keine resistenten Sorten vorhanden. Ältere Sorten können ebenso wie Neuzüchtungen infiziert werden.

Viele traditionelle Sorten wurden bereits im 18. und 19.Jahrhundert angebaut wie ‘Williams Christ’, ‘Köstliche aus Charneux’, ‘Alexander Lucas’, ‘Gellerts Butterbirne’, ‘Gräfin von Paris’, ‘Gute Luise’, ‘Clapps Liebling’, ‘Vereinsdechant’ (Syn. ‘Comice’) und ‘Conference’. Auf Grund ihrer guten Fruchteigenschaften sind sie heute noch empfehlenswert.

Die Lagersorten ‘Uta’, ‘Novemberbirne’, die Herbstsorten ‘Condo’ und ‘Harrow Sweet’ (tolerant gegen Feuerbrand), sowie die rotbackigen ‘Decora’ und ‘Hortensia’ haben gute Eigenschaften im Bezug auf Fruchtqualität, Ertrag und Resistenzen. Sie sind daher Alternativen zu den oben angeführten Sorten.

Für viele Gartenbesitzer sind auch „Säulenbirnen“ interessant: ‘Decora’, ‘Condora’ und ‘Obelisk’. Anders als beim Apfel bilden sie keine eintriebigen Säulen, sondern werden zu schmalen, kompakt wachsenden Bäumen mit längeren, steil nach oben wachsenden Seitenverzweigungen.

Quitten:

Quitte-Muskatnaja hängen am Baum. Blick nach oben.

Die weitgehend robuste Quitte erlebt gerade eine Renaissance, zu der auch der schwache Wuchs und die schöne, roséfarbene Blüte beitragen. Die Früchte werden zu Gelee, Mischsäften und Likör verarbeitet. Bayernweit zu finden sind ältere Sorten wie ‘Konstantinopeler Apfelquitte’ und die ‘Portugieser Birnenquitte’, in manchen Regionen ergänzt um ‘Bereczki’ und ‘Lescovacz’.

Nicht mehr neu, aber bislang leider kaum in Baumschulen erhältlich sind die empfehlenswerten ‘Muskatnaja’, ‘Triumph’, ‘Champion’, ‘Krymska’ oder ‘Limon Ayvasi’ (Limonenquitte). Die ursprünglich gegen Feuerbrand tolerant eingestufte ‘Cydora Robusta’ widersteht diesem Schaderreger nicht.

Süßkirschen:

Suesskirsche-Kordia hängt satt am Baum. Als Referenz ist ein 1€-Stück auf eine Kirsche gelegt. Die Früchte sind je genauso groß.

Die Kirschfruchtfliege und zunehmend auch die Kirschessigfliege sind die größten Schädlinge beim Anbau von Süßkirschen. Frühsorten wie ‘Burlat’, ‘Johanna’, ‘Merchant’ sind in der Regel frei von Maden der Kirschfruchtfliege – außer in überreifen, nicht abgeernteten Früchten. Jedoch muss man die Bäume mit Schutznetzen vor starkem Vogelfraß schützen. Später reifende Sorten werden ab dem Umfärben der Jungfrüchte von grün nach gelb/gelbrot (ca. drei Wochen vor der Ernte) mit Insektenschutznetzen geschützt: Eine Maschenweite von 0,8 bis 1 mm hält sowohl die Kirschfrucht- als auch die Kirschessigfliege fern. Der Einsatz von Netzen ist möglich, wenn die Edelsorte auf schwachwuchsinduzierenden Unterlagen (z. B. GiSelA 5 und 6) wächst, als Spindel erzogen und konsequent jährlich geschnitten wird. So können Bäume auf etwa 3 m Höhe gehalten werden, was die Ernte und Baumpflege vereinfacht.

‘Burlat’ wird im frühen Reifebereich durch die selbstfruchtbare ‘Celeste’ und die geschmackvolle ‘Bellise’ ergänzt. Die qualitativ besten Sorten, die mittel bis spät reifen, sind: ‘Samba’, ‘Kordia’ und ‘Regina’. Sie haben früher übliche Varietäten wie ‘Sam’, ‘Große Schwarze Knorpel’, ‘Schneiders’, ‘Büttners’ und ‘Hedelfinger’ ersetzt. Zu dieser Reifeperiode ist – unabhängig der Sortenwahl – mit Madenbefall stark zu rechnen.

Neu sind weitere selbstfruchtbare Sorten wie ‘Sunburst’, ‘Lapins’, ‘Skeena’ und ‘Sweetheart’. Sie können im Garten ohne zusätzliche Befruchtersorte stehen, jedoch bei bestem Blühwetter zu stark tragen und bei feuchter Witterung zur Ernte platzen bzw. faulen. Etwas platzfester erweist sich die ebenfalls selbstfruchtbare Sorte ‘Grace Star’.

Sauerkirschen:

Die früher angebauten Sorten ‘Morellenfeuer’ und ‘Schattenmorelle’ sind höchst anfällig für Spitzendürre (Monilia). Außerdem verkahlen sie häufig, sodass oft „trauerweidenartige“ Bäume mit schlechter Fruchtqualität entstehen.

Mit Pillnitzer Züchtungen wie ‘Safir’, ‘Morina’, ‘Achat’ und ‘Jade’ sind tolerante, wüchsige, kaum verkahlende und qualitativ hochwertige, süßere Sauerkirschensorten auf dem Markt. Die spätere Reifezeit der Sauerkirsche erhöht die Befallsgefahr mit der Kirschessigfliege. Hier gilt es, rechtzeitig sowie in kürzeren Zeitabständen und auch obere Kronenpartien komplett zu ernten. So erhält man madenfreie Kirschen und unterbindet, dass sich der Schädling weiter vermehren kann. Wie bei der Süßkirsche beschrieben, helfen Schutznetze.

Das Wachstum wüchsiger Sorten wie ‘Achat’, ‘Jade’, ‘Karneol’, ‘Ungarische Traubige’ auf guten, humosen Böden kann auf Unterlagen wie GiSelA 5 und 6, MaxMa14 oder Colt reduziert werden. Jährlicher Schnitt nach der Ernte ist unabdingbar.

Zwetschgen:

Zwetschge-Toptaste liegt aufgeschnitten auf einem Holztisch. Ihr Fruchtfleisch ist satt-gelb. Nahaufnahme in Größe der ganzen Frucht.

Früher begann die Saison mit den Sorten ‘Bühler’ und ‘Wangenheim’ und endete nach vier bis fünf Wochen mit ‘Hauszwetschge’, die in jedem Garten stand und ergänzt wurde um lokale Pflaumensorten, Mirabelle (meist ‘Mirabelle von Nancy’) und ‘Reneklode’. Diese Varietäten hatten gewisse Nachteile, die in Kauf genommen wurden. So fruchtete ‘Bühler’ oft schlecht und ‘Hauszwetschge’ erst spät und unregelmäßig.

Heute wählt man Büsche auf den frosttoleranten (weniger Stammrisse), schwächer wachsenden Unterlagen WaVit bzw. WeiWa mit Stammhöhen von 60 bis 80 cm und erzieht diese als Spindel. In Frühgebieten reift ‘Juna’ mit ihrem feinen Pflaumenaroma von Anfang bis Mitte Juli. Auf sie folgt die sehr ertragreiche ‘Katinka’, die bei Überbehang schon Ende Mai ausgedünnt und Ende Juli über zwei bis drei Wochen geerntet werden kann. Im Anschluss reifen die geschmackvollen ‘Hanka’ und ‘Tegera’, die wie die anderen Frühsorten meist madenfrei bleiben.

Um Mitte August steht ‘Hanita’ an, die bei hohen Erträgen aus Alternanz- und Qualitätsgründen ausgedünnt werden sollte. Ende August bis Anfang September reift über zwei bis drei Wochen der Zwetschgen-Shootingstar der letzten Jahre: ‘Toptaste-Kulinaria’. Die selbstfruchtbare Sorte trägt regelmäßig und gut, aber nicht überreich, was die hohe Fruchtqualität mit feinem Aroma und besten Zuckergehalten besonders fördert. Beim direkten Verzehr fällt das Manko der Sorte – schlechte Steinlöslichkeit – weniger ins Gewicht. Dieser Nachteil verbessert sich zur Vollreife, denn diese Allroundsorte eignet sich auch zum Backen.

Mit der orangefleischigen ‘Haroma’ schließt sich eine weitere Sorte an. Sie neigt zu Überbehang, der rechtzeitig vereinzelt werden muss, damit der gute Geschmack nicht leidet und keine Monilia-Nester entstehen. Beendet wird die Saison Ende September bis Anfang Oktober mit ‘Presenta’. Das ist eine der Hauszwetschge an Qualität ebenbürtigen Sorte mit besserem und regelmäßigerem Ertrag, die allerdings durch frühe Blüte und späte Reife gute Standorte benötigt.

Mirabellen und Renekloden:

Früher in jedem Garten und heute eher selten sind Mirabellen und Renekloden anzutreffen. Empfehlenswert sind hier die fast hauszwetschgengroße Aprikosenmirabelle ‘Aprimira’. Das ist ein Zufallssämling aus Mirabelle und Zwetschge mit festem Fruchtfleisch, pinkfarbener Backe, hohem Zuckergehalt, feinem Aroma und langer Erntephase. Dies trifft ebenfalls auf ‘Baya Aurelia’ (Bayerisches Obstzentrum) zu. ‘Miroma’ hingegen ist eine Verbesserung der typischen Mirabelle.

Aprikosen und Pfirsiche:

Pfirsich-Fruteria hängen am Baum, sehr üppig.

In Deutschland wurden die sehr wärmeliebenden Steinobstarten nur an wenigen, geschützten Standorten mit durchlässigen Böden angebaut. Oft handelte es sich bei Aprikosen um Sorten wie ‘Ungarische Beste’ oder ‘Nancyaprikose’, bei Pfirsichen um ‘Kernechter vom Vorgebirge’, ‘Roter Ellerstädter’ oder den ‘Roten Weinbergspfirsich’.

Die speziellen Ansprüche an den Standort, Ertragsausfälle sowie Scharkabefall und Kräuselkrankheit führten dazu, dass Aprikosen und Pfirsiche weniger angebaut werden. Zwar sorgt der Klimawandel für wärmere Sommer, er sorgt aber zugleich für stärkere Fröste ab dem Austrieb und zur Blütezeit. Abhilfe schaffen Wandspaliere bzw. schmal und niedrig gehaltene Spindelbäume: Sie lassen sich mit Vlies schützen. Dabei kommen Buschbäume auf den Unterlagen WaVit, WeiWa und Wangenheims Sämling zum Einsatz. Auf sie veredelt werden die Aprikosensorten ‘Hargrand’, ‘Goldrich’, ‘Bergeron’ und ‘Kioto’.

Bei Pfirsich empfehlen sich diese Unterlagen mit weißfleischigen Sorten wie ‘Benedicte’ und ‘Fruteria’, die von Kräuselkrankheit weniger befallen werden. Verzichten sollte man auf gelbfleischige Pfirsiche, generell auf Nektarinen und auch auf die beliebten Plattpfirsiche! Letztere reißen während des Fruchtwachstums vielfach auf und faulen bereits in unreif.

Johannisbeeren:

Knallrote Johannisbeeren hängen üppig am Strauch.

Bei Roten Johannisbeeren bleibt die bewährte Frühsorte ‘Jonkheer van Tets’ bestehen. Die früher üblichen ‘Red Lake’ und ‘Heinemanns Rote Spätlese’ werden durch qualitativ bessere und vor allem gegen Mehltau robuste Sorten wie ‘Rolan’ und ‘Rotet’ (mittlere Reifeperiode) und ‘Rovada’ (Spätsorte gegen Ende Juli) ersetzt.

‘Titania’ und ‘Ometa’ sind seit 30 Jahren empfehlenswerte Schwarze Johannisbeeren, die günstige Inhaltsstoffe für die Verarbeitung aufweisen und alte Sorten wie ‘Silvergieters’ oder ‘Rosenthals’ abgelöst haben. So lange überzeugt auch schon die großbeerige, vollreif milde ‘Bona’ ohne den strengen Beigeschmack als Tafelfrucht und für die Verarbeitung. Zu Bona gesellen sich die ebenfalls XXL-fruchtenden, milden ‘Big Ben’ und ‘KieRoyal’.

Stachelbeeren:

Stachelbeere-Invicta: Zwei Sträucher sieht man ganz.

Hier sorgte der starke Mehltaubefall alter Sorten wie ‘Grüne Kugel’ und ‘Gelbe Kugel’, ‘Rote Triumph’ und ‘Weiße Triumph’ für den Sorten-Wandel in den 1980er Jahren. Inzwischen ist zwar auch die Resistenz neuerer Sorten durchbrochen, dennoch überzeugen sie durch gute Qualität. Empfehlenswert sind die gelbgrüne ‘Invicta’ sowie die roten ‘Remarka’, ‘Rokula’ und ‘Redeva’. Neben der Erziehung zum Stämmchen ist die Spindel- oder Heckenerziehung mit ein bis zwei Trieben, bei Johannisbeeren auch mit drei Schenkeln, anzuraten.

Kulturheidelbeeren:

Die fast mannshohen Kulturheidelbeeren bilden große, blaue Früchte mit grün-weißem Fruchtfleisch. Sehr beliebt sind gut haltbare, süße und schmackhafte Sorten wie ‘Duke’, ‘Patriot’ und ‘Reka’. Allerdings benötigen sie sauren Boden. Es empfiehlt sich, die Sträucher in große Kübel mit Drainage in Rhododendronerde zu setzen, nur mit Regenwasser zu gießen und sauer wirkende Rhododendron- oder Zitrusdünger zu verwenden. Zwei unterschiedliche Sorten sorgen durch Fremdbefruchtung für höheren Ertrag.

Himbeeren:

Bei Himbeeren unterscheiden wir zwischen Sommersorten, die an den im Vorjahr gebildeten Jungruten tragen und den einjährig kultivierten Herbsthimbeeren. Bei den Sommersorten lösen ‘Glen Ample’, ‘TulaMagic’ und‘Meeker’ alte Sorten wie ‘Schönemann’ ab, welche von Wurzelkrankheiten stärker befallen werden kann. Nach der Ernte werden die abgetragenen Ruten bodennah abgeschnitten; die kräftigsten Jungruten auf 12 Stück pro laufenden Meter vereinzelt und angebunden. Bei den Sommersorten besteht – im Gegensatz zu den einjährigen Herbstvarietäten – die große Gefahr der Rutenkrankheit, die die Ruten kurz vor der Ernte welken und absterben lässt.

Mit ‘Autumn Bliss’ startete vor gut 30 Jahren eine neue Generation an Herbsthimbeer-Sorten, die um ‘Polka’ und ‘HimboTop’ ergänzt wurde. Sie werden im Februar direkt über dem Boden abgeschnitten; die Neuruten, die vereinzelt werden müssen, wachsen durch ein aufgelegtes Drahtgeflecht. Sie blühen ab Juli und fruchten von August bis in den Oktober. Je nach Witterung können Herbsthimbeeren stark von der Kirschessigfliege befallen werden.

Brombeeren:

Brombeeren hängen am Strauch. Nahaufnahme.

Sie kamen in den 1960er Jahren durch säuerliche, dornenlose Sorten wie ‘Thornless Evergreen’, ‘Thornfree’ und ‘Jumbo’ in Verruf. Heute stehen sehr geschmackvolle, dornenlose Sorten zur Verfügung: ‘Loch Tay’ reift bereits im Juli,‘Loch Ness’ im Juli und August und ‘Navaho’ sowie die XXL-große Zuckerbrombeere ‘Asterina’ schließlich im August.

Pilztolerante Tafeltrauben mit gutem Geschmack

Blaue Trauben hängen an der Rebe.

Ein Weinstock an der Gartenlaube: Früher vielfach anzutreffen! Allerdings schmeckten die meist kleinen Trauben oft mäßig oder wiesen viele Kerne auf. Aktuell empfiehlt sich ein Anbau veredelter Tafeltrauben an Wänden, Pergolen oder Drahtgerüst mit pilztoleranten Sorten, denen die wärmeren Herbstmonate zugutekommen. Engmaschige Netze oder Säckchen schützen die Trauben vor Vogel- und Insektenfraß sowie dem Befall der Kirschessigfliege.

  1. Blaue Varietäten: ‘Muscat bleu’ reift ab Ende September, ist hangstabil bis Ende Oktober, hat ein volles Aroma und ist sehr robust, allerdings mit Kernen. Kernlos ist die süß-fruchtige ‘Venus’, die ab Anfang September reift.
  2. Weiße Sorten: ‘Garant’ und ‘Drusba’ reifen beide im September, ‘Frumoasa Alba’ Anfang Oktober. Hier stören die Kerne durch ihre mittelgroßen Früchte weniger, bei der kleinbeerigen, fein aromatischen Sorte ‘Birstaler Muskat’ hingegen mehr. Kernlos und süßfruchtig sind ‘Romulus und New York’ (Syn. ‘Lakemont’), sowie die roséfarbene Vanessa. Viele großbeerige Sorten weisen einen als störend empfundenen parfümierten Geschmack, „Fox-Ton“ genannt, auf.
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