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Interview

So stoppt man negative Gedanken

Tunnelblick
Hilke Lehmann, LuF
am Montag, 26.09.2022 - 15:30

Im Moment gibt es viele Gründe, schlechte Laune zu bekommen. Der Agraringenieur und Coach Peter Jantsch gibt Tipps, welche Strategien man nutzen kann, um trotz schwieriger Situationen positiv zu denken.

Peter-Jantsch-Coach-positive-Gedanken: Ein Selfie vor einer weißen Gebäudefront. Er hat graue Haare, trägt eine Brille, ein helles Hemd und lächelt.

Peter Jantsch ist als Autor der zweibändigen Buchreihe „Glück und Gelingen im Familienbetrieb“ in der grünen Branche bekannt geworden. Als Coach und Konfliktmediator hilft er vor allem Betriebsleiterpaaren und ihren Familien beim Bewältigen des betrieblichen und familiären Alltags.

Corona, Inflation und Krieg mitten in Europa. Dazu ein grüner Landwirtschaftsminister, der den Landwirten das Leben zusätzlich schwermacht. Ich finde, wir erleben eine Zeit, in der man schlechte Laune bekommen kann. Oder?

Das ist so. Gründe, schlechte Laune zu bekommen, gibt es wahrlich genug. Es spricht auch nichts dagegen, über etwas schockiert, entsetzt, traurig oder wütend zu sein. Aber anhaltend im Trübsinn zu bleiben, nützt nicht nur nichts, sondern es schadet sogar, weil es Energie kostet und die Lebensqualität verringert.

Aber wie gelingt es, die negativen Gedankenschleifen zu stoppen?

Wir sind unserer Gedankenflut und den damit verbundenen Gefühlen nicht machtlos ausgeliefert. Man muss sich entschließen, seine Einstellung zur jeweiligen Situation zu ändern. Die Frage ist: Wer ist der Herr im Haus? Bin ich es, der entscheidet, was ich denke, oder entscheiden das meine Gedanken?

Es gibt die Frohnaturen, bei denen ist das Glas immer halb voll. Aber es gibt es auch viele, bei denen ist das Glas immer halb leer – sie rutschen schnell in miese Laune hinein. Welchen Rat geben Sie diesen Menschen?

Ob das Glas halb voll ist oder halb leer, ist immer die eigene Sichtweise. Es gibt in diesem Sinne keine objektive Realität. Wenn ich mich nicht nur damit vergleiche, wie es möglicherweise besser sein könnte, sondern auch damit, wie es woanders deutlich schlechter ist, dann verschiebt sich der Fokus. Dann wird mein Glas gleich etwas voller. Die Gehirnforschung zeigt auf, dass man vor allem das wahrnimmt, worauf man sich fokussiert und was zu sehen man erwartet.

Was bedeutet das konkret?

Wer zum Beispiel den Beweis haben möchte, dass er selbst ungeliebt oder das Gegenüber nicht vertrauenswürdig ist, wird das auch finden. Wer bestimmte Situationen nicht als Problem sieht, sondern als Chance, der wird Chancen finden.

Wenn ich allein arbeite, spielt meine Laune keine so große Rolle. Aber im Betrieb – ob als Chef oder als Angestellter – arbeitet man mit anderen Menschen zusammen. Da wirkt sich schlechte Laune negativ aufs Arbeits- und Betriebsklima aus.

Erst mal muss ich sagen, dass es nicht egal ist, ob man sich der schlechten Laune hingibt, selbst wenn man alleine auf einem Trecker sitzt. Denn schlechte Laune wirkt nicht nur auf andere Menschen, sondern erzieht auch das eigene Gehirn. Wer sich den düsteren Gedanken und Stimmungen hingibt, der stabilisiert dieses Verhalten. Denn Verhaltensweisen, die der Mensch oft wiederholt, werden im Gehirn gefestigt. Deswegen ist es so wichtig, sich hartnäckig gegen anhaltende Stimmungstiefs zu stemmen. Wenn ich ein Verhalten nicht mehr will, muss ich es durch ein anderes Verhalten ersetzen. Und das sollte ich üben, üben, üben. Solange, bis das Gehirn dieses erwünschte Verhalten als das normale ansieht.

Auch Routinearbeiten verleiten zu Gedankenschleifen.

Mein Tipp: Mit dem Fuß aufstampfen, mit der Hand auf den Oberschenkel schlagen und laut oder leise „nein“ sagen. Der Automatismus des Denkens muss unterbrochen werden.

Wie kann man sich gegen andere, miesepetrige Menschen wappnen?

Es ist sehr wichtig, sich nicht jeden Schuh anzuziehen, den ein Miesepeter einem wahllos vor die Füße wirft. Ich bin nicht schuld an der schlechten Laune eines anderen. Ich kann so einem Menschen das Angebot machen, zu reden, damit sich der andere aus seinem Loch herausarbeiten kann, ich reiche ihm quasi eine Hand. Sich herausziehen, muss er oder sie aber schon selbst.

Ich muss also auch lernen, mich abzugrenzen?

Manche versuchen mit schlechter Stimmung oder Opferhaltung Macht auszuüben und sich Schonraum zu verschaffen. Meistens unbewusst. Auf dieses Spiel darf man nicht eingehen. Um sich gut abzugrenzen, muss man sich quasi eine emotionale Regenjacke anziehen. Die schlechte Laune abtropfen und den andern in seinem Saft schmoren lassen. Auch wenn es sich schwer anfühlt. Für beide.

Negative Gedanken können einem den Schlaf rauben. Was macht man, wenn die Gedanken auch abends im Bett nicht aufhören?

Wenn im Bett das „Kopfkreisen“ beginnt und man nicht schlafen kann, sollte man aufstehen und erst einmal etwas anderes machen.

Man kann oft selbst nichts dafür, dass die äußeren Umstände so sind, wie sie sind. Wie kann man Druck ablassen, wenn man aggressiv wird vor lauter Wut, Enttäuschung, Ohnmacht oder Ratlosigkeit? Holzhacken gehen? Sport treiben?

Akuten spontanen Druck abzulassen, ist ganz richtig und gut. Wichtig dabei ist, es nicht zu Lasten anderer Menschen auszuagieren, weil die in den meisten Fällen nichts dafür können. Aber seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sie durch Ich-Aussagen auszudrücken, ist erlösend. Dadurch verstehen andere Menschen vielleicht auch, mit welcher dunklen Wolke ich mich gerade befasse. Das kann die Situation entspannen.

Ihre wichtigste Botschaft?

Das Wichtigste ist der erste Schritt: Seine Haltung ändern. Und der nächste: Heute schon ein bisschen der sein, der man später sein will. Hilfreich ist auch, möglichst viel zu tun, was gute Gedanken und Emotionen in mir auslöst: Zeit verbringen mit Menschen, die mir wohlgesonnen sind und Dinge tun, die ich besonders gerne mache.

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