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Gartenrückblick

Ein Rückblick auf das Gartenjahr 2021

01-Tulpen
Marianne Scheu-Helgert
am Dienstag, 21.12.2021 - 16:45

Viel Regen und gute Ernten, dafür aber kühle Temperaturen und eine Schneckenplage. Was das Gartenjahr 2021 noch gebracht hat? Marianne Scheu-Helgert, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie, blickt zurück.

Hobbygartler, die sich auf ein trockenes Jahr 2021 eingestellt hatten, wurden überrascht: Viel Regen und kühle Temperaturen hielt diese Gartensaison bereit. Eine schöne Abwechslung für alle, die vom Gießkannenschleppen der letzten Jahre die Nase voll hatten. Aber mit der Nässe kamen andere Herausforderungen wie eine Schneckenplage und Kraut- und Braunfäule an Tomaten.

Januar

Sowohl zu Neujahr als auch an Dreikönig herrschte in ganz Bayern eine unangenehme Kälte um 0 °C. Im Süden war es sogar noch ein paar Grad kälter, dafür sorgte der Föhn tagsüber für ein paar Sonnenstunden. Der Winter begann dann etwa ab dem 9. Januar mit einem Temperatursturz bis auf -18 °C. Jetzt kamen die letzten Gemüsekisten und -säcke, die bis dahin im Freien unter Jutesäcken gut geschützt lagerten, in den Keller. Weil Stunden zuvor überall im Bayern eine dicke Schneeschicht als Dämmung fiel, blieben die Böden frostfrei.

Tipp: Wurzel- und Knollengemüse wie Karotten, Schwarzwurzeln, Petersilienwurzeln oder Rote Bete in stabilen Plastiksäcken (ca. 25 l) sammeln. Pro Sack immer nur eine Gemüseart einfüllen. Damit die Luft etwas zirkulieren kann und die Feuchtigkeit sich nicht staut, verschließt man die Säcke nicht vollständig, sondern klappt nur die Öffnung um. Alternativ kann man das Gemüse auch in großen, sauberen Malerkübeln lagern und diese ohne Deckel versetzt übereinander stapeln. Die Säcke und Kübel kühl, trocken, frostfrei aufstellen.

Februar

02-Gewaechshaus

Der 7. Februar überraschte uns mit lehmig verdreckten Terrassen und Vordächern. Sogar dunkle Gemüseblätter wie von Grünkohl war erdig verbräunt: Der Südwind verfrachtete bis zu 2 g Saharastaub je Quadratmeter in unsere Gärten! Dieses Phänomen trat später im Februar erneut auf.

In der Folge wechselten sich frostige mit kühlen Perioden ab. In Bayern blieb es verhalten kalt bis kühl, an einzelnen milden Tagen lockten die Schneeglöckchen die ersten Bienen aus dem Stock. Gut abgestimmt wirkte die öfter wiederkehrende Schneeschicht als Dämmung vor tieferem Frost: Zumindest in Unterfranken blieben die Böden frostfrei, es gab keinerlei Frostgare.

Tipp: Die lockernde Frostgare war bisher die Begründung für das schweißtreibende Umgraben. Fällt die Frostgare immer öfter weg, bringt man zukünftig im Herbst besser lockernde Grüneinsaaten aus. Noch nutzbringender sind frosttolerante Gemüsearten wie Grünkohl, Porree, Zuckerhutsalat oder Senfkohl für die Februarernte. Sie lassen sich bei Bedarf leicht durch Vlies schützen.

März

03-Gurken-Gitter

Bereits die letzten Februartage läuteten dann den Vorfrühling und den sonnigen März ein mit reichlich Bienengesumm. In der letzten Dekade wechselte der milde März dann schon um in den Aprilmodus mit eingestreuten Regentagen.

Tipp: Wer mediterrane Kulturen wie Artischocken, oder auch Feigen in Freiland pflegt, darf sich von zu frühen Frühlingsgefühlen nicht verführen lassen: Die schützenden Laubschichten, in die man sie dick eingepackt hat, lässt man liegen, um den Wurzelstock zuverlässig kühl und somit im Tiefschlaf zu halten. Wer sie durch Abräumen der Schutzschicht „aufweckt“, liefert sie gnadenlos den möglicherweise folgenden Frostnächten aus. Es kann sogar besser sein, in milden Perioden die Frostschutzpackungen nochmals zu ergänzen.

April

4-Hagel

Immerhin erlebten wir dann den kältesten April seit 40 Jahren, nachdem uns der 1. April mit Sommerwetter bei über 20 °C narrte. Regen brachte der April sehr wenig, dafür viel Sonne. Die immer wieder frostigen Nächte bremsten die Obstblüte aus, zum Monatsende ging es dann plötzlich schnell: Man sah Kirschen, Birnen und Äpfel, deren Blüte sich normal über mehrere Wochen ablöst, teils zeitgleich blühen. Andererseits erlebten wir selten eine so lange anhaltende Tulpenblüte.

Tipps: Für empfindliche Obstgehölze wie Pfirsiche oder Weinstöcke empfiehlt sich ein Anbau als Spalier an einer südlich oder südwestlich gerichteten Wand. Dort herrscht in Reifnächten eine um 1 bis 2 °C höhere Temperatur. Vor strengeren Frösten kann man ein Tuch oder Vlies vor das Gehölz hängen. Besser als das Obst können wir unsere Gemüsebeete schützen. Auf den sonnigsten Beeten lässst sich oft schon im März mit Kresse, Radies, Rettich, Frühmöhren, Markerbsen und Spinat, Pflanzungen von Pflücksalaten und ab April mit Kohlrabi beginnen. Sie nutzen unter Vlies die Sonnentage zum Einwurzeln. Drohen tiefere Nachtfröste, legt man Vlies in doppelter Lage.

Mai

05-Mulchen-Gemuesegarten

Die Eisheiligen hatten es heuer eilig, der letzte Frosttag war der 9. Mai. Lediglich in ungünstigen Lagen Südbayerns versuchten sie sogar noch am 31. Mai mit leichtem Reif für Schäden zu sorgen. Der Mai blieb der kälteste seit zehn Jahren, dazu lieferte er reichlich Nässe und wenig Sonne. Wer Bohnen im Mai direkt in den Gartenboden säte, hatte Pech. Bei kaltem Boden verzögert sich die Keimung und Bohnenfliegen raffen dann oft die geschwächten Keimlinge dahin.

Bei solchen Temperaturen bringt auch ein allzu frühes Auspflanzen von Gurkengewächsen nicht viel. Werden die Jungpflanzen – ausgesät nicht vor Georgi, dem 23. April – zu groß, pflanzt man sie besser in größere Töpfe um und stellt sie nicht allzu warm, aber sehr hell auf. Dasselbe gilt für vorgezogene Paprika, Bohnen und Zuckermais. Lediglich mit Tomaten kann man das Auspflanzen riskieren – ohne Stäbe, dafür mit Vliesabdeckung.

Tipp: In solch kühlen Frühlingswochen, wie wir sie allerdings auch schon längere Jahre nicht mehr hatten, kann sich jeder Besitzer eines Kleingewächshauses glücklich schätzen. Dort war eine Pflanzung schon im April möglich. Im Anschluss gediehen Gurken, Tomaten und Paprika zwar etwas langsamer als sonst, aber zuverlässig und mit geringer Spinnmilbengefahr bis zum Herbst.

Juni

06-Schnecke

In ganz Bayern sorgten ab Juni sonnenreiche Tage und fast durchgehend Höchsttemperaturen von weit über 20 °C, teils sogar über 30 °C für den drittwärmsten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Rekordtemperaturen fehlten zwar, andererseits aber auch allzu kühle Nächte.

Viele Gartler wurden im Juni allerdings gequält von heftigem Hagelschlag, der den Behang von Obstbäumen ausdünnte, außerdem weiche Jungtriebe und Blätter von Gemüse zerschlug. Bleiben noch nennenswerte Pflanzenreste zurück, räumt man die kalten Körner möglichst schnell weg, vor allem von besonders wärmebedürftigen Pflanzen. Dazu gehören Gurken und andere Fruchtgemüse, aber auch viele Kübelpflanzen. Am besten wartet man ein paar Tage ab und beobachtet, wie sich die Pflanzen weiter entwickeln. Oft bilden sich aus Blattachseln neue Seitentriebe. Dann schneidet man diese bis auf einen ab und kann so einen Neuaufbau angehen. Den Nässesommer läuteten dann die ersten schweren Regenfälle Ende Juni ein.

Tipp: Sehr ratsam war es, den gut erwärmten Boden vor den heftigeren Regenfällen mit Grasschnitt oder anderen Grünmaterialien zu mulchen, um Abschwemmungen zu vermindern. Abdeckungen halten den Boden offenporig, dadurch aufnahmefähig für Wasser.

Juli

07-Braunfaeule-Tomate

Der Juli war sehr sonnenreich. Auch in solchen Perioden, wenn der Boden von oben her sehr schnell abtrocknet, schützt eine Mulchschicht vor oberflächlicher Bodenverkrustung. Bei Schneckengefahr legt man wenn nötig öfter dünn und schleierartig nach, um ihnen keine Schlupfwinkel zu bieten. Drohen freilich Regenmengen, wie sie im Ahrtal und teils auch im südlichen Oberbayern niedergingen, endet die Aufnahmefähigkeit der Böden.

Die Kohlbeete in Veitshöchheim hatten wir gleich nach der Pflanzung mit Kulturschutznetzen abgedeckt. Allerdings blieben der Kohlerdfloh und später auch die Weiße Fliege (Kohlmottenschildlaus) fern, sodass sich wenigstens für heuer eine solche Netzabdeckung als unnötig erwies.

Tipp: Im Hochsommer stellen wir im Gemüsegarten die Weichen für Herbst- und Winterkulturen. Wenn Erbsen, Bohnen, Frühmöhren und -kartoffeln räumen, gilt es, die Folgekulturen schnell ins Beet zu bringen. Die Böden sind warm, und zugleich genießen wir die längsten, sonnenreichsten Tage. Für Wasser war heuer fast überall gesorgt, in Trockenjahren muss man Neuansaaten und -pflanzungen gießen.

August

08-Pfirsiche

Der vergleichsweise kühle August lieferte in fast wöchentlichen Regenfällen fast um die Hälfte mehr Wasser als sonst, dafür ein Viertel weniger Sonne als gewohnt: Traumwetter für viele Pilzkrankheiten und Schnecken. In Nordbayern lernten jüngere Gemüsefreunde erstmals die Kraut- und Braunfäule an Tomaten kennen. In Südbayern trat sie auch in den Vorjahren immer wieder auf, wenngleich nicht so massiv. Dafür blieb der Läusebefall mäßig.

Kohlarten und Sellerie, die aus dem regenreicheren Westeuropa stammen, gediehen im ansonsten oft trockenen Mainfranken üppigst. Auch Porree und Bohnen, Salate aller Art und Kürbisse auf guten Standorten brachten üppige Ernten. Probleme gab es nur in schweren Böden, oder in Senken mit Stauwasser im Boden: Gemüse wie Spinat oder sogar Feldsalat, die an der Wurzel viel Luft brauchen, vergilbten und blieben im Wuchs stecken.

Auf leichteren Böden hellten sich manche Gewächse von unten her auf. Dieses deutliche Zeichen von Stickstoffmangel beruhte auf der schwächeren Stickstofffreisetzung in den kälteren Böden und auf der Nährstoffauswaschung in tiefere Schichten durch Wasserüberschüsse. Gegen Stickstoffmangel hilft eine maßvolle Nachdüngung, am besten in flüssiger Form und durch Überbrausen des Gemüses.

Im Obstgarten traten sehr stark Fruchtfäulen aller Art auf: erst an Kirschen und Zwetschgen (Monilia laxa) später an Äpfeln und Birnen (M. fructigena). Aromaausprägung und Zuckerbildung blieben bei vielen Obstarten wegen des Sonnenmangels weit unterdurchschnittlich.

Tipp: Gegen Kraut- und Braunfäule ist eine Regenüberdachung am wichtigsten. Sie steht rund um die Pflanzen mindestens 50 cm, besser 1 m über. Ganz kleine Überdachungen schützten heuer gegen die häufig mit Wind verbundenen Regenfälle in Südbayern nicht. Oder man setzt auf krautfäuleresistente Sorten: Die besten sind die Cocktailtomaten ‘Philovita F1’ und ‘Primabella’ sowie die Eiertomate ‘De Berao’.

September und Oktober

10-Herbstsalate

Etwas trockener und vergleichsweise wärmer und sonniger gerieten der September und die ersten Oktoberwochen. Mancherorts musste man sogar wieder gießen. Die ersten Reifnächte ab dem 10. Oktober beendeten diesen Nachsommer und zugleich die meisten Fruchtgemüse im Freien. Im Oktober lohnt sich eine genaue Verfolgung der Wetterberichte: So kann man die Fruchtgemüse möglichst lang draußen reifen lassen.

Tipp: Bei Walnuss sorgten mehrere pilzliche und tierische Erreger für schwarz verfärbte Fruchthüllen. Bei früher Ernte traf man oft auf Maden der Walnussfruchtfliege inmitten der verschwärzten Fruchtschalen. Leider sind gegen diesen Schädling vor allem bei größeren Bäumen keine Bekämpfungsmaßnahmen möglich. Hilfreich ist es, die Fläche unter den Bäumen sauber zu halten, also die schwarzen Nüsse in trockenem Zustand einzusammeln, grob von Hand zu säubern und gleich luftig zu trocknen. Die trockenen Nüsse kann man dann nochmals abreiben. Vom Waschen der Nüsse sollte man absehen, wenn keine effiziente Trocknungsmöglichkeiten vorhanden sind. Die Qualität dieser Nüsse kann schwanken.

November

11-Wilder-Wein

Der Nebelung, wie der November auch heißt, machte seinem alten Namen alle Ehre. Der Wetterverlauf glich denen in den Vorjahren, das Thermometer pendelte nahe um den Nullpunkt.

Tipp: Thymian-Arten, Salbei, Lavendel und Bergbohnenkraut sind in milden Winterverläufen recht zuverlässig winterhart. Rosmarin pflegen viele Kräuterfreunde dagegen im Kübel. Er bleibt möglichst lange draußen, denn er überwintert an einem schattigen Standort oft besser als in zu warmen oder dunklen Räumen. Die Pflanzgefäße stellt man am besten direkt an die Hauswand an einer absonnigen Stelle und umhüllt sie locker mit Sackleinen oder anderen Geweben. Gerade die Wurzeln reagieren nämlich empfindlich, wenn sie, womöglich wiederholt, in kurzer Zeit frieren und wieder auftauen.

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