Gartenreportage

Rosengarten: Blütenfülle und Blattgesundheit

Ein üppiges Rosenbeet mit vielen verschiedenen Sorten. Rechts ist ein Bild mit der Bäuerin eingeklinkt.
Christine Schmid
am Freitag, 09.07.2021 - 11:20

Wer bei der Auswahl der Rosensorten auf Blattgesundheit achtet, erspart sich bei der späteren Pflege viel Arbeit. Das ist das Konzept von Theresia Osl in ihrem Rosengarten im oberbayerischen Reichkobl.

Weiß, gelb, orange sowie unzählige Rot- und Rosatöne – zwischen Juni und November explodiert Theresia Osls Garten in einer Blütenfülle. Um die 85 Rosen blühen auf der Ost-, Nord- und Westseite des Bauernhauses der Familie in Reichkobl nahe Kastl bei Altötting. Die Rosen stehen in Rabatten und Beeten, unter Bäumen, an Hauswänden, ranken über Gartenhäuschen oder wachsen als Hochstämmchen. Immer wieder kommen in dem weitläufigen Garten neue Rosensorten dazu, zuletzt ein ‘Bobby James’-Rambler, der in einem jungen Kirschbaum wachsen darf.

Durch den Melkroboter mehr Zeit für den Garten

Bäuerin-Theresia-Osl-zwischen-Rosen

Auf dem Anwesen, einem Vierseithof in Einzellage, leben neben den Seniorbauern Theresia und Ludwig Osl der Sohn und Betriebsinhaber Josef mit seiner Frau Irmgard und den Töchtern Irmgard und Franziska. Zusammen bewirtschaften sie den Vollerwerbsbetrieb mit Schwerpunkt Milchviehhaltung, Bullenmast und rund 60 ha Ackerfläche. „Seit wir 2013 den Melkroboter angeschafft haben, habe ich es leichter“, stellt Theresia Osl lächelnd fest. Vorher habe sie gemolken, jetzt gehe sie jeden Abend in ihren Garten. Da geht die Arbeit vor allem während der Rosenblüte nie aus: Bei starker Hitze gießt sie täglich. Sie schneidet Verblühtes heraus, um die Nachblüte zu fördern und die Entstehung von Hagebutten einzudämmen – das schone die Pflanze.

Nach dem kalten, regnerischen Mai kamen die Rosen in diesem Jahr spät zur Blüte. In der ersten Hitzeperiode legten aber fast alle gleichzeitig los. Gewitter und Starkregen rissen etliche Rosenranken zu Boden, doch die Blüten der widerstandsfähigen Sorten erholten sich rasch, nachdem die Gartlerin sie wieder hochgebunden hatte. Abgebrochene Zweige kamen in die Vase und verströmten im Haus zarten Duft. „Der Garten ist meine ganze Freude – und meine Enkel natürlich“, betont Osl.

In den 80er Jahren den Rosengarten angelegt

Zwei Bilder nebeneinander: Links Rosen neben einem Kreuz im Garten. Rechts der Hauseingang mit verschiedenen Rosenpflanzen im Beet.

Angefangen mit dem Garten hat die Bäuerin mit dem Bau des Hauses im Jahr 1982. Damals pflanzte sie erste Rosen ums Haus. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr. Heute sind alle Farben und Formen vertreten. Es gibt einfache ungefüllte für die Bienen und prachtvoll gefüllte wie die Rosengruppe Rosa × centifolia. Manche sind richtige Traumrosen, andere kommen bescheidener daher und enthüllen ihre Schönheit erst auf den zweiten Blick, so wie die cremeweiße ‘Sweet Pretty’ mit ihren zauberhaften Staubgefäßen. Im Garten finden sich alte Sorten, deren Namen die Seniorbäuerin nicht kennt, nostalgisch anmutende englische Rosen und neuere Züchtungen.

Einziges Auswahlkriterium für Osl ist die Blattgesundheit. Die recherchiert sie bereits in den Beschreibungen des Rosenkatalogs einer regionalen Baumschule, wo sie einkauft. Ob Zwerg-, Beet-, Strauch-, Kletterrosen oder Rambler – „Ich mag alle“, sagt die Gartlerin strahlend. Eine ihrer Lieblinge ist aber die robuste Bodendecker-Rose ‘Kastelruther Spatzen’ mit ihren weißen, stark gefüllten und nostalgisch anmutenden Blüten.

Verschiedene Rosen aus allen Gattungen

Rosen ranken sich an einem Wasserhäuschen am Feldrand hoch.

So wachsen niedrige Kleinformen vor mannshohen Büschen, dazwischen leuchten Rittersporne und Glockenblumen. Davor ducken sich fleißige Lieschen. Bartnelken spielen mit den rosaroten Farbnuancen der Rosen. In den Schattenzonen gedeihen Hortensien, Rhododendren und Weigelien. Die meisten Rosensorten blühen mehrfach, manche dauerhaft, wenige nur einmal so wie die berühmte ‘Raubritter’-Rose. Die macht das allerdings durch eine atemberaubende Fülle wett: Dicht an dicht sitzen deren kugelige, halbgefüllte, rosa Blütenköpfe an dem riesigen Busch. Sämtliche Sorten fallen durch sehr gesundes, tiefgrünes Laub auf. Dabei tut die Gartlerin gar nicht viel dazu: „Ich dünge nur einmal im Monat mit Rosendünger.“ Mehr sei bei ihren robusten Sorten nicht nötig.

Allen Rosen die besten Startbedingungen geben

Links ein Bild mit einem Efeuherz im Garten. Rechts sitzt die Bäuerin mit ihrem Enkel auf dem Schoß unter einem Baum in ihrem Garten.

Freilich gibt Osl allen ihren Lieblingen aber beste Startbedingungen: Bei der Neupflanzung hebt sie ein großes Loch aus und ersetzt den Aushub durch hochwertige Blumenende. Wichtig sei auch, dass die Veredelungsstelle der Rosen bei der Pflanzung mindestens 5 cm unter der Erde liegt – so ist die Pflanze gut vor starken Frösten geschützt. Der intensive Rückschnitt der Pflanzen erfolgt dann im Frühjahr: Beetrosen schneidet die Gartlerin stark zurück, während sie bei Kletter- und Strauchrosen nur Verdörrtes herausnimmt.

So prächtig in ihrem Garten die Rosen gedeihen – die Buchsbäume sind bedauerlicherweise dem Zünsler zum Opfer gefallen. Osl habe sich gegen die chemische Keule entschieden, die sie ja immer wieder hätte anwenden müssen: „Ich wollte kein Gift spritzen“, sagt sie. Schließlich sind auch ihre vier kleinen Enkelkinder gern gesehene Gartengäste und es wachsen eine Menge Beeren, die der Familiennachwuchs vom Strauch nascht. So wurden 20 Buchse eben entfernt, um sich nicht jedes Jahr aufs Neue über den Schädling ärgern zu müssen.

Das Beerenobst schmeckt der ganzen Familie

Während die Rosen in voller Blüte stehen, sind die Erdbeeren fast abgeerntet, die Kirschen reifen und bei den roten und weißen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Himbeeren bilden sich langsam Früchte. Es dauert noch, bis Theresia Osl daraus fruchtige Marmeladen kochen kann. Besonders gern verarbeitet sie die Früchte zu Torten in rekordverdächtiger Höhe. „Ganz gern nach den Rezepten aus dem Wochenblatt. Die der Bayerischen Tortenmeisterschaft habe ich alle ausprobiert.“ Sehr zur Freude ihrer Familie.

Tipps der Austraglerin

Zwei Bilder mit der jeweiligen rosensorte. links Bobby James, rechts Westerland

Theresia Osl empfiehlt folgende robuste Rosensorten aus ihrem Garten. 

  • ‘Bobby James’: Rambler, cremeweiß, einmal, aber reichblühend, einfache Blüte;
  • ‘Lichtkönigin Lucia’: Strauchrose, gelb mit orangefarbenen Staubgefäßen, halbgefüllt;
  • ‘Rosengräfin Marie Henriette’: Beetrose, rosa, Apfelduft, regenfest, stark gefüllt;
  • ‘Leonardo da Vinci’: Beetrose, dunkelrosa, reichblühend, regenfest, dicht gefüllt;
  • ‘Schöne Koblenzerin’: Beetrose, rot/creme-weiß, bei viel Sonne heller, kompakt;
  • ‘Raubritter’: Strauchrose, rosa, kugelförmig, halb gefüllt, blütenreich;
  • ‘Roxy’: Zwergrose, dunkelrosa, gefüllte Blüten;
  • ‘Westerland’: Strauchrose, kupferfarben bis hellorange, halbgefüllt;
Zwei Bilder mit der jeweiligen Rosensorte. links Sweet Pretty, rechts Maria Lisa
  • ‘Lupo’: Zwergrose, rosa, hält Hitze und Regen gut aus, ungefüllte Blüte;
  • ‘Nostalgie’: Strauchrose, cremeweiß-kirschfarben, ballförmig;
  • ‘Maria Lisa’: Kletterrose, rosa mit weißem Auge, reiche Blütentrauben, einmal aber überreich blühend, ungefüllt;
  • ‘Sonnenröschen’: Zwergrose, weiß mit auffallend gelbem Auge;
  • ‘Sweet Pretty’: Flächendeckerrose, cremeweiß mit markanten Staubgefäßen, Insektennahrung, öfterblühend;
  • ‘Clair Austin’: Kletter- oder Strauchrose, englische Rose, erst blassgelb dann cremeweiß, stark duftend, dicht gefüllt;
  • ‘Florentina’: Kletterrose, nostalgische Form, mittelrot, dicht gefüllt, feiner Duft, winterhart, mehrfach blühend;
Zwei Bilder mit den Rosensorten: Links Herkules, rechts Mozart.
  • ‘Larissa’: Stammrose, hellrosa, mittelgroße, dicht gefüllte Blüten, selbstreinigend
  • ‘Santana’: Kletterrose, feuerrot, zarter Duft, winterhart, gut gefüllt;
  • ‘Mini Eden Rose’: Kletterrose, hellrosa und weiß, kugelig, gut gefüllt;
  • ‘Heidetraum’: Bodendeckerrose, karmesinrot, mittelgroße Blüten, dauerblühend, selbstreinigend, halbgefüllt;
  • ‘Mozart’: Strauchrose, weiß oder rosa oder rot, weißes Auge, blüht ununterbrochen in großen Büscheln bis in den Herbst, Wildrosencharakter, aber blütenreich;
  • ‘Flashlight’: Strauchrose, leuchtend rosa bis hellrosa, leichter Duft, große Blüten, kräftig gefüllt, erinnert an Englische Rosen;
  • ‘Herkules’: Strauchrose, nostalgisch, öfter blühend, stark duftend, gefüllt.
Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt