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Gartenreportage mit Tipps

Purer Gartengenuss im Rosengarten

Rosengarten: Eine Frau im Dirndl steht vor einem Rosenbaum, der größer ist als sie und trägt am Arm eine verschmuste Katze. Links ein Bild der weißen Baumrose in Nahaufnahme.
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Freitag, 24.06.2022 - 11:10

Bleibt bei einem großen Garten Zeit, ihn zu genießen? Bäuerin Rita Dirnberger beantwortet diese Frage mit Ja. Entscheidend für sie sind die eigene Einstellung, gute Planung und der Fokus auf das, was wirklich Freude macht. Die Gartenbäuerin gewährt dem Wochenblatt Einblick in ihren Rosengarten und gibt nützliche Tipps für Hobbygärtner.

Rosengarten: Rechts ein Bild wo sich zartrosafarbene Rosen an einem Holzgerüst die weiße Stallwand hochranken. Links eine Nahaufnahme der Rosenblüte.

Zuerst hört man das beruhigende Plätschern, obwohl man den Bach, der sich durch die Staudenbeete schlängelt, noch gar nicht sieht. Dann riecht man diesen einzigartigen Duft, der nur von Rosen stammen kann – zart-blumig und trotzdem kräftig, mit einer betörenden Note. Und erst zum Schluss erfasst das Auge nach und nach den weitläufigen, üppig blühenden Garten von Rita Dirnberger. Dieses grüne Paradies kitzelt die Sinne und hilft dadurch der Seele, sich zu entspannen.

Die Bäuerin lebt in Schönberg im Landkreis Mühldorf auf einem kleinen Milchviehbetrieb, den sie zusammen mit ihrem Mann Alois bewirtschaftet. Der Garten, den sie von ihrer Schwiegermutter übernehmen durfte, erstreckt sich zu großen Teilen auf der Nordseite des Wohnhauses. Über diese ungewöhnliche Ausrichtung ist Dirnberger dankbar: „Wenn ich mit der Stallarbeit fertig bin, will ich mich in den Garten setzen und ihn genießen, vor allem im Sommer. Hier auf der Nordseite wird es nicht so heiß, weil zusätzlich zum Haus die großen Bäume viel Schatten spenden, außerdem bekommt man von der Straße vor dem Haus nichts mit.“

Mit viel Sonne bleiben die Rosen gesünder

Rosengarten-Teich-Rita-Dirnberger: Blick auf einen großen Gartenteich der gut bewachsen ist.  Rechts unten ein Bild der rosafarbenen Rose in Nahaufnahme eingefügt.

Ihre Rosen hat die Bäuerin über die Jahre vorausschauend so gepflanzt, dass sie nicht unter dem Schlagschatten des Hauses leiden, denn sie weiß: Haben die Rosen den optimalen, sonnigen Standort, bleiben sie gesünder und man spart sich langfristig viel Arbeit mit der Pflege. „Nur dass die Bäume mit den Jahren so hoch werden und viel Schatten werfen, habe ich bei einem Rosenbeet nicht einkalkuliert“, gibt Dirnberger ehrlich zu.

Diese Rosen durften umziehen und rekeln sich jetzt zusammen mit ihren Kolleginnen an allen Sonnenplätzen im Garten: Sie schmiegen sich an die Wände vieler Gebäude, erobern Baumkronen oder ranken elegant über die vielen Rosenbögen, ihr Mann für sie geschmiedet hat. Zudem sind die Rosen Teil von naturnahen Hecken, die den großen Schwimmteich – das Herzstück des Gartens – einrahmen.

Dirnbergers Liebe zu den Rosen entfachte die Ausbildung zur Gartenbäuerin, die sie im Jahr 2005 begann, um sich ein zusätzliches Standbein am Betrieb aufzubauen. „Wir mussten uns auf einen Themenbereich spezialisieren und ich habe mich für die Rose entschieden, obwohl ich damals selbst gar nicht so viele hatte“, erzählt die Bäuerin schmunzelnd.

Doch durch die Fortbildung hat sie sich intensiv mit der Königin der Blumen auseinandergesetzt, viel gelesen und ausprobiert und etwa 50 verschiedenen Sorten ein großes Reich im eigenen Garten geschaffen. Inzwischen ist die Rose ihr Markenzeichen und sie bietet Führungen unter dem Motto „Rosenromantik und Wasserzauber“ an, auch für große Gruppen.

Bleibt da Zeit für den eigenen Genuss des Gartens?

Rosengarten-Flammentanz-Gartenhaus: Ein Haus an dem Pinkfarbene Rosen hochranken. Rechts ein Bild der Rosenblüte in Nahaufnahme.

Doch bleibt bei der Arbeit auf dem Hof, mit dem Garten und den Besuchergruppen überhaupt noch Zeit, den eigenen Garten wirklich zu genießen?

„Definitiv, der Garten muss darauf ausgerichtet sein, dass man sich gerne in ihm aufhält“, bekräftigt die Bäuerin. Sie rät, sich im Garten auf das zu konzentrieren, was einem wirklich Spaß macht und was man leisten kann, ohne dass das Garteln zur lästigen Arbeit wird. „Früher hatte ich 200 Kübelpflanzen, aber das wurde mir zu viel und ich habe deutlich reduziert“, erzählt sie und betont, dass sie keinen Wert auf einen perfekten, englischen Rasen legt: „Man muss nicht immer so perfektionistisch sein. Löwenzahn und Ampfer dürfen auch mal wachsen oder das Laub darf auf dem Rasen liegen bleiben.“ Nur Disteln werden ausgestochen, damit ihre Enkel und auch sie selbst barfuß im Garten laufen können. Zudem setzt sie auf standfeste Stauden, die sie nicht aufbinden muss und gegossen wird nur frisch Gepflanztes und im Gemüsegarten.

Außerdem kann man seinen Garten auch genussvoll erleben und sich an ihm erfreuen, während man ihn hegt und pflegt: Dirnberger helfen dabei ihre duftenden Rosen, an denen sie immer wieder schnuppern kann, ein erfrischendes Bad im Schwimmteich und das entspannende Plätschern des Baches. „Freilich macht der Garten sehr viel Arbeit, aber wenn man eine Arbeit gerne macht, ist das in Ordnung. Das ist eine Frage der Einstellung“, findet die Bäuerin und ergänzt: „Ich gehe in meinen Garten, weil ich will, nicht weil ich muss. Und das ist ein großer Unterschied!“

Gartengestaltung mit selbstgestalteten Spruchschildern

Rita Dirnbergers Garten zieren auch schöne Sprüche. Diese haben wir einer Bildergalerie zusammengefasst. 

Schöne Sprüche für den Garten

7-Gartenspruch auf Bayerisch: "Wer d'Sunn im Herzen trägt und as Lacha im G'sicht, kann jede Hürde nehma, ganz egal wia schwar sie is!"
Rosengarten: Eine Frau im Dirndl steht vor einem Rosenbaum, der größer ist als sie und trägt am Arm eine verschmuste Katze. Links ein Bild der weißen Baumrose in Nahaufnahme.
5-Gartenspruch: Auf einer Dachziegel die quer liegt steht: "Ohne Arbeit früh bis spät, wird Dir nichts geraten. Der Neider sieht das Blumenbeet, aber nicht den Spaten!"
2-Gartenspruch: Auf einer Schiefertafel steht: "Arbeit ist schön! Deshalb immer etwas für morgen aufheben!"
1-Gartenspruch: Auf eine Stein steht: "Nimm dir Zeit um glücklich zu sein!"
4-Gartenspruch: Auf einer Ziegel-Schindel steht: "Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege!"
6-Gartenspruch auf einer Dachziegel, der auf einer eisernen Hausbank steht: "Nur die besten Mamas werden zur Oma befördert!"
8-Gartenspruch auf einer Schiefertafel: "Nur die Naturredet eine wunderbare Sprache!"
3-Gartenspruch auf einer alten Steintafel: "Spinnweben? Nein! Öko-Traumfänger!"

Tipps der Gartenbäuerin

Enzianstrauch-Topf-in-Topf

Gartenbäuerin Rita Dirnberger teilt den Erfahrungsschatz aus ihrem Garten gerne mit den Wochenblattleserinnen und -Lesern. 

  • Reich blühende Enziansträucher: Bei vielen Gärtnerinnen hört der Enzianstrauch, eine beliebte Kübelpflanze, irgendwann auf zu blühen. Rita Dirnberger erklärt: „Der Enzianstrauch bildet nur dauerhaft Blüten, wenn er in einem kleinen, beengten Topf wächst“. Grund dafür sei, dass die Pflanze – wenn es ihr „zu gut“ gehe – nur Blätter bilde. Die Enge des Topfes rege sie zum Blühen an. Deshalb wendet die Bäuerin die Topf-in-Topf-Methode an: Der Strauch selbst wächst in einem kleinen Topf. Weil dieser Topf das Gewicht der Pflanze nicht trägt und umfallen würde, pflanzt man ihn in einen größeren, ebenfalls mit Erde gefüllten Topf. Diesen kann man zusätzlich bepflanzen. Mit dieser Methode gelingt auch die Einwinterung leichter: Man stellt nur den kleineren Topf ins Winterquartier. Die Wurzeln, die aus dem Topf wachsen, schneidet man vor dem Einwintern ab.
  • Enzianstrauch als Hochstamm: Diese Wuchsform ist bei der Kübelpflanze eine Besonderheit. Um den Enzianstrauch so zu erziehen, nimmt Dirnberger einen langen Trieb und lässt nur an der Spitze ein bis zwei Blätter stehen, der Rest wird entblättert. Zum Bewurzeln setzt sie den Trieb in ein kleines Töpfchen und stellt es in feucht-warmes Klima an ein halbschattiges Plätzchen. Ihr Gurkenhaus ist hier optimal. Im ersten Jahr häufig gießen, bis der Trieb Wurzeln gebildet hat. Das Wachstum setzt erst im zweiten Jahr ein. Man entfernt alle Seitentriebe und lässt den Enzianstrauch wachsen, bis die gewünschte Höhe erreicht ist, dann knipst man ihn oben ab. Den hauchdünnen Trieb stabilisiert man an einem Stecken. Damit sich oben die Kugelform bildet, entspitzt man die Triebe immer wieder und auch den Stamm muss man regelmäßig von Seitentrieben befreien. Wer will, kann aus einem Seitentrieb auch eine zweite Kugel auf halber Höhe ziehen.
Schattengewächs-Funkien-Jakobsleiter
  • Pflanzen für den Schattengarten: Ein Teil von Dirnbergers Garten liegt im Schatten und auch in diesem Bereich hat sie die Sitzplätze und Rabatten liebevoll mit Stauden gestaltet. Besonders auffällig blüht hier die Jakobsleiter (Polemonium caeruleum) in weiß und violett. Die Bäuerin schwärmt: „Das ist eine schöne, heimische und standfeste Staude für den Schatten!“ Zudem empfiehlt sie für den Schattengarten Farne, Funkien, Astilben und das Porzellanblümchen. „Durch einen Zufall habe ich herausgefunden, dass auch der Goldfelberich gut im Schatten wächst“, gibt Dirnberger als Tipp weiter. Er blühe dort gut, nur nicht ganz so üppig wie in der Sonne. In den Hecken im Schatten und in der Sonne sorgt der gefüllte Duft-Jasmin für ein betörendes Erlebnis. Die Bäuerin vermehrt die Pflanze selbst über Stecklinge.
Gartentipp-Gurken-Gewaechshaus
  • Gurken ohne Mehltau: Dirnberger hat zwei Gewächshäuser – je eines für Gurken und Tomaten. „Diese beiden Kulturen haben völlig unterschiedliche Ansprüche an das Klima: Gurken mögen es feucht-warm, für Tomaten ist eine hohe Luftfeuchtigkeit schlecht, weil sie dann anfälliger für Krankheiten werden“, erklärt die Bäuerin. Ungewöhnlich ist, dass sie die Gurkenpflanzen mit einer Gießkanne täglich vollständig mit Wasser übergießt; wenn es sehr heiß ist, sogar öfter. „So werden meine Gurken nie von Mehltau befallen“, betont sie. Sie verwendet angewärmtes Wasser, das im Gewächshaus steht. Die Gurken ranken nicht an Stäben, sondern an Baustahlgitter nach oben und am Boden unterdrückt Folie das Unkraut.
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