Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Testergebnisse

Ökotest findet Mineralöl in Butter und Schoko

Butter-AdobeStock_315257393
Peter Laufmann
am Montag, 21.11.2022 - 10:19

Kein Mensch will Chemie im Essen. Doch Alarmismus ist fehl am Platz und Landwirte sind nicht immer schuld. Eine Einordnung.

Butter ist nicht mehr einfach nur teuer. Sie ist auch mit Mineralöl verpestet. Genauso wie Schokoweihnachtsmänner. Diese Meldungen des Unternehmens Öko-Test setzen der miesen Stimmung - Corona, Klimakrise, Inflation, Friedrich Merz - noch eins drauf. Adé sorgenfreie Weihnachtszeit mit Butterplätzchen und Schoko-Nikolaus. Öko-Test hatte 17 von 20 Buttermarken mit „mangelhaft oder „ungenügend“ bewertet, darunter fünf mit Bio-Siegel.

Die schlechten Noten gab es für den Nachweis von gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen in 19 der Produkte. Zudem fand das Unternehmen noch Rückstände von Reinigungsmitteln. Nicht gut sieht es auch bei Schokoweihnachtsmännern aus. In allen 23 getesteten Hohlkörpern fanden die Macher von Öko-Test Mineralölkohlenwasserstoffe. Also, was tun? Wie so oft, ist es gut vor der Panik kurz innezuhalten. Und sich die Dinge genauer anzuschauen.

Was verbirgt sich hinter „Mineralöl in der Butter“?

Das Bild im Kopf ist klar: In jedem Stück Butter steckt ein schwarzer, übelriechender Tropfen Erdöl. Das ist natürlich nicht so. Bei den gefundenen Substanzen handelt es sich um Chemikalien, aus Erdöl gewonnen wurden. So wie die meisten Substanzen in unserem Plastikalltag. Konkret sind das zwei Gruppen: zum einen lineare, verzweigte und cyclische gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH – mineral oil saturated hydrocarbons) und zum anderen zumeist alkylierte aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH – mineral oil aromatic hydrocarbons).

Sowohl MOSH als auch MOAH nimmt der Körper auf. Wie gefährlich sie tatsächlich sind, ist nicht bekannt. Öko-test bewertet sie gefährlich. Sicher, es ist immer gut solche Chemikalien zu meiden. Selbst wenn noch nicht sicher ist, was das Zeug auch langfristig im Körper anrichtet. Aber die Studienlage ist übersichtlich.

Jeder kennt die Hinweise: „Kann Spuren von Erdnüssen, Soja, und so dit un dat enthalten.“ So ähnlich ist es auch mit Chemikalien, die sich aus Mineralöl ableiten. Laut Angaben der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind diese Mineralöl-Bausteine in nahezu allen Lebensmitteln vorhanden. Und nicht nur da. Sie zählen auch zum Kanon in Kosmetik und Pflegeprodukten. Man kommt am Schwarzen Gold kaum vorbei.

Dabei sind es nicht die Landwirte, die schludern. Öko-Test mutmaßt „bei Schokolade etwa können Kakaobohnen durch Schmieröle an Erntemaschinen verunreinigt werden ...“ Allerdings erntet man Kakao immer noch in Handarbeit. Und die Ernte und Verarbeitung von Getreide oder Milch ist selbstverständlich so, dass keine Schmiermittel in die Produkte kommen. Gerade Milch ist eines, wenn nicht gar das Lebensmittel, welches am strengsten überwacht wird.

Verpackungen und Lagerung geben Chemie ab

Bleibt die Frage, wo die MOSH und MOAH denn herkommen. Die Antwort ist klar: aus der Verpackung. Druckfarben auf den Verpackungen oder aus recycelten Papier, Zusatzstoffe in Lebensmitteln und aus der Luft. Was nützt aber die Sorgfalt der Landwirte, wenn die Verpackung das Lebensmittel mit Chemie versetzt. Deswegen gibt es zwei Möglichkeiten: Die Mineralölchemie zu verbannen.

Oder auf Verpackungen zu setzen, die weder diese Stoffe abgeben noch durchlassen, etwa PET oder Aluminium. Polyethylen oder Papier taugen dafür nicht. Auch bei der Butter stehen die Folienverpackungen im Verdacht für MOSH und MOAH verantwortlich zu sein. Je länger die Butter in der Verpackung war, desto höher die Konzentration von MOSH.

Fazit: Was das Unternehmen Öko-Test meldet, ist kein Skandal. Es ist auch nichts Neues. Mineralöl-Produkte sind omnipräsent. Und laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind Mineralölkontaminationen grundsätzlich unerwünscht. Ganz gleich, ob sie gar nichts anrichten oder Krebs erzeugen. Ich finde aber Landwirte haben einen Anspruch darauf, dass ihre Produkte, die sie mit viel Sorgfalt erzeugen, nicht durch solche Schlagzeilen diskreditiert werden.