Ernte 2020

Obst richtig ernten, lange genießen

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Hubert Siegler, Bayerische Gartenakademie
am Freitag, 07.08.2020 - 06:00

Wer Äpfel und Birnen zum richtigen Zeitpunkt erntet, bekommt aromatisches und gut lagerbares Obst. Hier ein paar Tipps für den optimalen Erntetermin.

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Wenn die Kerne braun sind, kommt der Apfel in die Kiste. Mit dieser Regel haben viele Obstliebhaber gute Erfahrungen gemacht. Aber: Die Kerne von Frühsorten werden oft erst spät braun, sodass dieses Merkmal nicht immer und sicher angewendet werden kann. Und man muss immer wieder Äpfel aufschneiden. Auch die Richtwerte in Erntezeittabellen können sich je nach Standort sowie Witterungsverlauf um zwei bis drei Wochen verschieben.

Um zu erkennen, wann man seine Äpfel und Birnen ernten sollte, gibt es bessere Kriterien. Ein elementares Hilfsmittel ist dabei, den Sortennamen, die Eigenschaften der Sorte und ihr typisches Aussehen zu kennen.

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  • Farbe prüfen: Ein sehr gutes Kriterium ist die Farbe des Obstes. Die Pflückreife setzt bei Äpfeln und Birnen ein, wenn die bislang grüne Grundfarbe der Schale nach gelbgrün umfärbt. Ist die Grundfarbe bereits vollgelb, sind Haltbarkeit und Lagerfähigkeit schon vermindert. Vorsicht: Birnen lässt man tendenziell zu lange am Baum, weil man sich dadurch zu Unrecht mehr Aroma erhofft. Die Deckfarbe von flächig roten Apfelsorten sollte nicht dumpf, fahl oder bräunlich, sondern freundlich aufgehellt sein. Keinesfalls wartet man ab, bis die Deckfarbe – also rote Backen oder Streifen – voll ausgeprägt ist. Dann lässt sich das Obst schlecht lagern und eignet sich nur noch zum raschen Verzehr.
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Gut zu wissen: In manchen Jahren, vor allem in warmen Spätsommern mit hohen Nachttemperaturen, bildet sich die Deckfarbe schlecht aus. Treten jedoch kühle Nächte im August und später auf, dann färbt die Schale besser.

  • Pflückbarkeit vom Baum: Ein weiteres Kriterium ist, wie leicht oder schwer sich die Frucht vom Baum pflücken lässt. Beim Ernten hebt man die Frucht an und dreht sie leicht. Löst nun der Stiel vom Fruchtholz leicht, dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Ist dies nicht der Fall, gilt es, noch zu warten.
  • Öfter durchpflücken: Da generell nicht alle Früchte zur gleichen Zeit reifen, erntet man sie besser in zwei bis drei Pflückgängen. Je nach Ausfärbung des Obstes erfolgen diese im Abstand von sieben bis zehn Tagen. Bei großkronigen Bäumen und starkem Behang kann sogar ein weiterer Durchgang erforderlich werden, zum Beispiel für Schattenfrüchte. Diese schmecken meist fade und sind nicht lange lagerbar, besser man verarbeitet sie schnell zu Saft, Most, Pürre oder Gelee. Ebenfalls verarbeitet wird Obst mit Beschädigungen oder Druckstellen.
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Übrigens: Ein Überbehang der Bäume verzögert die Ausreife und vermindert den Geschmack der Früchte. Rein deshalb lohnt es sich, Obstbäume rechtzeitig im Frühsommer auszudünnen.

Pflückreif sind Äpfel oder Birnen, wenn die Deckfarbe umschlägt und sie sich gut vom Baum lösen lassen. Das heißt aber nicht, dass sie dann schon ihren optimalen, sortentypischen Geschmack ausgebildet haben. Denn im Lager reift das Kernobst nach. In den zur Pflückreife sehr festen, stärke- und meist noch säurereichen Früchten bauen sich Inhaltsstoffe um und die Festigkeit nimmt ab. Bei einem ausgewogenen Zucker-Säure-Verhältnis, geschmeidigem Fruchtfleisch und sortentypischem Geschmack setzt die Genussreife ein. Die Genussreife, bei der die Äpfel ausgewogen, sortentypisch schmecken und das anfänglich oft zu feste Fleisch geschmeidiger wird, setzt bei den Spätsorten meist nach drei bis vier Wochen ein.