Ernte 2020

Obst einlagern: Welche Sorte hält wie lange?

Apfel-schlecht
Hubert Siegler, Bayerische Gartenakademie
am Freitag, 07.08.2020 - 06:25

Lagereigenschaften verschiedener Sorten von Birne und Apfel.

Ein Obstlager ist kein Sanatorium. Die Frucht kann nicht verbessert werden – im Gegenteil: Sie reift nach. Kommt eine Frucht also nur mittelfest oder bereits weich ins Lager, kann sie mit zunehmender Dauer nicht wieder fest werden. Sie wird sogar schnell weich und mürbe, geschmacklich süß und die erfrischende Säure fehlt.
Da man die verschiedenen Sorten von Birne und Apfel unterschiedlich lange lagern kann, sollte man sie auch nach Sorten geordnet einlagern. So hat man einen guten Überblick. Die früher reifenden Apfelsorten werden zuerst gegessen, damit man im Frühjahr möglichst lange von den guten Lagersorten profitieren kann.

Birnen werden meist zu spät gepflückt

Da Birnen möglichst viel Aroma haben sollen, belassen Hobbygärtner sie oft zu lange am Baum.
  • Hat sich die Schale von ‘Williams Christ’ und andere Frühbirnen bereits gelb gefärbt, ist es zu spät für die Lagerung. Dann werden sie rasch weich, mürbe und innen oft faul. Deshalb: Lieber schnell verbrauchen.
  • Einige Birnensorten wie ‘Clapps Liebling’ und ‘Conference’ fallen bei beginnender Reife plötzlich vom Baum. Dann sollte man schnell die Birnen ernten.
  • Spätere Birnensorten sind insgesamt länger lagerbar, aber trotzdem deutlich kürzer als Äpfel. Dazu zählen ‘Alexander Lucas’, ‘Madame Verté’, ‘Gräfin von Paris’, ‘Uta’ und die bereits Anfang Oktober zu pflückende ‘Novemberbirne’. Diese sind unter „hauseigenen“ Lagerbedingungen trotz mehrfachen Durchpflückens selten über Februar hinaus in guter Qualität haltbar.

Äpfel sind unterschiedlich lange lagerbar

  • Sehr frühe Apfelsorten wie der ‘Klarapfel’, auch ‘Jakobiapfel’ genannt, halten oft nur drei Tage. Deshalb sollte man sie schnell essen oder verarbeiten. Voll reife Frühsorten sind direkt vom Baum genussreif.
  • Spätere, gegen Ende August pflückreife Sorten wie ‘Jakob Fischer’ sind schon etwas länger lagerbar: je nach Temperatur zwei bis drei Wochen, wobei die Schale dabei oft fettig werden kann.
  • ‘Gravensteiner’ oder ‘Gerlinde’, die ab Ende August/Anfang September reifen, zeigen schon eine deutlich bessere Lagereigenschaft. Bei guten, also kühlen Bedingungen halten sie bis November, vereinzelt bis Dezember.
  • Die im Laufe des Septembers reifenden ‘Alkmene’, ‘Goldparmäne’, ‘Rubinola’, ‘Croncels’, ‘Santana’ und ‘Rebella’ sind typische Herbstäpfel. Ein bis zwei Wochen nach dem optimalen Pflücktermin sind sie bereits genussreif und halten meist bis Dezember/Weihnachten. Bei weiterer knapper Reife und guten, kühlen Lagerbedingungen können vor allem die gegen Ende September reifenden Apfelsorten sogar bis Januar genussreif bleiben.
  • Die Pflückreife der typischen Lageräpfel liegt im Oktober. Dazu zählen ‘Ontario’, ‘Boskoop’, ‘Brettacher’, ‘Berlepsch’, ‘Rambour’-Sorten, ‘Glockenapfel’, ‘Melrose’, ‘Kaiser Wilhelm’, ‘Rote Sternrenette’, ‘Wiltshire’, ‘Pilot’ oder ‘Topaz’. In einer frühen Saison mit überdurchschnittlichen Temperaturen in frühen Lagen und Gebieten reifen sie durchaus sieben bis zehn Tage früher als üblich.