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Gemüsesorten

Neue Sorten für den Gemüsegarten

Neue-Gemüsesorten-Garten-überblick
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Donnerstag, 27.01.2022 - 17:00

Was gibt᾽s Neues im Gemüsesortiment? Marianne Scheu-Helgert, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie, hat für uns einen Blick in die Saatgutkataloge geworfen. Sie stellt spannende Neuheiten vor und verrät uns ihr Hintergrundwissen. Jetzt das Saatgut bestellen, denn die Nachfrage stieg seit Corona enorm.

Wer im Gemüsegarten gerne experimentiert, findet in den Angeboten der Saatguthändler auch heuer wieder neue Sorten. Doch nur weil dort eine Sorte als „neu“ deklariert ist, handelt es sich nicht zwangsläufig um eine echte Neuheit. „Viele dieser scheinbaren Neuheiten haben die Saatguthändler einfach neu im Sortiment“, erklärt Marianne Scheu-Helgert, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie, und ergänzt: „Die meisten Angebote kenne ich bereits. Ich baue sie in unser Anbauprogramm ein, soweit es der letztlich doch knapp bemessene Platz gestattet.“

Corona steigerte die Nachfrage nach Saatgut enorm

Bei Saatguthändlern von Biosaatgut wie Bingenheimer und Dreschflegel waren heuer keine Neuheiten zu finden. Diese Firmen erlebten im Coronajahr eine kaum zu bewältigende Nachfrage, auch heuer empfiehlt sich eine baldige Bestellung. Trotzdem hat die Gemüseexpertin in den Saatgutkatalogen ein paar echte Neuheiten entdeckt, die sie ausprobieren will.

Bei allen Saatguthändlern findet man eine große Auswahl an Chilis, Tomaten, Paprika und Gurken in verschiedenen Farben, Formen und Schärfegraden. „Geschmacklich schlechte Sorten gibt es eigentlich nicht“, meint Scheu-Helgert und regt an, bekanntes Gemüse in neuer Form auszuprobieren.

„Skeptisch sein darf man allerdings bezüglich der Angaben der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, insbesondere bei der Kraut- und Braunfäule bei Tomaten“, betont die Expertin und ergänzt: „Wenn man Tomaten ohne Überdachung anbauen will, empfehle ich die Cocktailtomaten ‘Philovita F1’ und ‘Primabella’ sowie die Eiertomate ‘De Berao’ und mit kleiner Einschränkung die Salattomate ‘Resibella’.“ Sie haben sich auf den Schauflächen in Veitshöchheim am widerstandsfähigsten gezeigt. Sogar 2021, als einige Tomatenpflanzen wegen des Befalls bereits im Sommer kollabierten, konnte man diese Sorten bis in den Oktober beernten.

Bio-Paprika ‘Augsburger Roter’:

Neue-Gemüsesorte-Paprika-Augsburger-Bio: Rote und teils noch grüne Paprika liegen nebeneinander.

Wolfgang Nixdorfs Gemüsegarten Versandhandel hat eine neue Paprikasorte im Sortiment: „Bei der Augsburger Roten handelt es sich vermutlich um eine Lokalsorte, das finde ich spannend“, ordnet die Gemüseexpertin ein. Die etwa 12 cm langen, schotenförmigen Früchte bilden bei Vollreife ein intensives Rot aus und eignen sich laut dem Händler gut für die Kultur im Kübel auf der sonnigen Terrasse. Geschmacklich sind sie süß und saftig.

Blattsenf Scharfer Zahn Mix:

Blattsenf-Scharfer-Zahn-Mix

In den letztjährigen Gemüseneuheiten war es das scharfe Blattgemüse ‘Wasabino’ von Bingenheimer, von dem Scheu-Helgert begeistert ist. „Deshalb macht mich auch der Blattsenf Scharfer Zahn Mix von Sperli neugierig.“ Bei diesem Mix handelt es sich um eine Mischung aus dem roten Blattsenf ‘Frizzy Lizzy’ und dem hellgrünen Blattsenf ‘Frizzy Joe’. Die wild gezackten Blätter sollen aromatisch und scharf schmecken und damit eine gute Ergänzung in gemischten Salaten sein. Auch die gelben Blüten sind essbar. Am besten keimt das Saatgut in nährstoffreicher Erde, wenn man den Boden immer leicht feucht hält.

Nantaise-Möhre ‘Marion F1’:

Neue-Gemüsesorte-Moehre-Marion: Karotten liegen mit Grün in einem Bündel auf dem Tisch.

„Diese Möhre von Sperli werde ich ebenfalls ausprobieren“, befindet die Gemüse-Expertin. Reizvoll ist für sie die kurze Kulturzeit von 90 bis 95 Tagen und damit die frühe Ernte ab Juni. Laut Händler entwickeln die glatten, orangefarbenen Möhren einen aromatischen Geschmack und sind sehr saftig. Empfohlen wird, die Möhren in tiefgründigem, humosem Boden anzubauen, der nicht organisch frisch gedüngt wurde, und eine angemessene Kopfdüngung bei handhohem Pflanzenwuchs zu verabreichen. Eine Abdeckung mit einem Kulturnetz schützt gegen Möhrenfliegen.

Möhre ‘Purple Sun F1’:

Moehre-Purple-Sun: Lila Karotten liegen im Bündel, mit Grün, auf einem weißen Teller am Tisch.

Diese violette Möhre – erhältlich bei Kiepenkerl und Nixdorf – ist gleichmäßig intensiv durchgefärbt. „Solche Färbemöhren werden in der Lebensmittelindustrie für das Färben von Kirsch- und Erdbeerjoghurt verwendet“, erklärt die Gemüseexpertin. Sie sorgen aber auch für Farbtupfer in farbenfrohen Salaten. „Allerdings sollte man zum Schneiden solcher Möhren besser ein älteres Schneidebrett verwenden“, rät sie. Die ungefähr 25 cm langen Möhren haben einen süßen Geschmack und lassen sich gut einlagern.

Radieschen ‘Pampouch’:

Als farblicher Kontrast zur violetten Möhre empfiehlt sich das weiße Radieschen ‘Pampouch’ – erhältlich bei Kiepenperl. „Reizvoll finde ich an dieser Sorte die besondere Form, die aussieht wie ein Mini-Rettich“, freut sich Scheu-Helgert. Die Sorte ist für den Anbau im Freiland im Frühjahr und Herbst geeignet. Das Radieschen soll 10 bis 15 cm lang werden, scharf-würzig schmecken, zart bleiben und sehr schnell wachsen.

Mangomelone ‘Mangomel F1’:

Neue-Gemüsesorte-Mangomelone-Mangomel liegt aufgeschnitten auf einer rot/weiß karierten Tischdecke.

„Bei dieser Neuheit von Nixdorf spricht mich der Name besonders an“, erklärt die Gemüseexpertin. „Ich erhoffe mir eine fruchtige Note des Fruchtfleisches.“ Laut Händler soll die Sorte ein Aroma von Mangos haben, zuckersüß schmecken und sehr saftig sein. Die Früchte werden etwa 1 kg schwer und sollen sehr früh reifen, weshalb sie in günstigen Lagen auch im Freiland angebaut werden können. Scheu-Helgert betont: „Der Anbau von Zuckermelonen kann nur für klimatisch günstige Gegenden empfohlen werden. Im Sommer muss man sie regelmäßig gießen!“

Chili ‘Biquhino’:

Neue-Gemüsesorte-Chili-Biquinho: Viele Chilischoten hängen teils rot, teils gelb, teils grün am Strauch.

„Was im Garten alle Blicke auf sich ziehen wird, ist die Chili ‘Biquhino’ von Sperli“, ist sich Scheu-Helgert sicher. Diese Sorte hat rote und gelbe, tropfenförmige Früchte, die etwa 3 cm groß werden. Die Früchte sollen süß-fruchtig schmecken mit einer leicht pfeffrigen Note. Empfohlen wird, diese Chili im Kübel anzubauen und erst nach den letzten Frösten ins Freiland zu stellen, aber auch die Kultur direkt im Beet ist möglich. Wer die erste Blüte entfernt, fördert die Bildung von zahlreichen neuen Blüten. Wichtig ist, regelmäßig zu gießen und zu düngen.

Roter Rosenkohl ‘Red’:

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Bekanntes Gemüse in neuen Farben hat immer einen Überraschungseffekt. Quedlinburger bietet deshalb diesen violett-grünen Rosenkohl an. Scheu-Helgert weist darauf hin, dass diese Sorte langsamer wächst als grüner Rosenkohl, deshalb müsse man ihn etwas früher anbauen. Der Händler wirbt damit, dass sich die lila Färbung nach dem Frost intensiviert. Die Röschen sollen aromatisch und angenehm süß schmecken.