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Obstgarten

Neue Krankheit befällt die Apfelbäume

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Dr. Thomas Brand & Sophia Gottschaller, BLW
am Dienstag, 24.05.2022 - 17:00

Schwarzer Rindenbrand befällt immer mehr Apfelbäume in Bayern. Grund sind die extremen Temperaturen im Sommer.

Durch die extremen Temperaturen im Sommer befällt der Schwarzer Rindenbrand immer öfter die Apfelbäumen. Zunächst traf es unsere Nachbarn in Baden-Württemberg, jetzt tritt die Krankheit auch gehäuft bei uns in Bayern auf.

Der Name ist Programm

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Schwarzer Rindenbrand – der Name der Erkrankung beschreibt überaus zutreffend das Schadbild. Häufig tritt er in der Nähe von Verletzungen an Apfelbäumen auf, z. B. an Rindenrissen, Schnittwunden oder Sonnenbrand. Hier verfärbt sich die Rinde dunkelbraun bis schwarz. Auf diesen mehr oder weniger ovalen, etwas eingesunkenen Stellen, „Canker“ genannt, bilden sich zunächst warzenartige Erhebungen, die Rinde reißt auf und schwarze Fruchtkörper brechen hervor.

Unter der Rinde zeigen sich beim Anschnitt scharf abgegrenzte, dunkelbraun gefärbte Nekrosen (= totes Gewebe). Die Rinde löst sich teilweise ab; das darunter sichtbar werdende Holz ist schwarz verfärbt. Diese Läsionen werden anders als einfache Verletzungen kaum vom gesunden Rindengewebe überwallt. Die Wunde heilt also nicht. Wenn der Canker den gesamten Trieb umfasst, stirbt dieser ab. Ist der Stamm von Jungbäumen betroffen, bedeutet dies das Ende des Baums.

Das Schadbild des Schwarzen Rindenbrands wird seit etwa 20 Jahren an Apfelbäumen beobachtet. Zunächst wurde aus wärmeren Landesteilen Hessens und Baden-Württembergs darüber berichtet und ein Zusammenhang mit dem Hitzesommer 2003 gesehen. Weitere Fälle werden mittlerweile auch aus Bayern, Niedersachsen und Hamburg gemeldet. Insbesondere sind nach den trockenen und heißen Sommern 2018 bis 2020 Streuobstanlagen betroffen, aber auch Bäume in Privatgärten.

Pilz verbreitet sich vor allem nach Dürreperioden

Offensichtlich greift der Pilz vor allem Bäume in trockenen und warmen Regionen oder nach Dürreperioden an. Hanglagen in Südexposition, die überdies nur extensiv gepflegt und vor allem nicht oder nur sporadisch bewässert werden, sind besonders gefährdet. Die klimatische Situation vor Ort und die Pflege der Apfelbäume sind also entscheidend, um eine Infektion zu verhindern. Besonderes Augenmerk ist auf die Wasserversorgung zu legen, doch auch die angepasste Düngung und den Stammschutz (Verletzungen vermeiden, Weißeln) sollte man nicht vernachlässigen.

Bei der Suche nach dem Schaderreger stieß man immer wieder auf Pilze der Gattung Diplodia. Diese Gattung kommen weitverbreitet an Gehölzen als Erreger von Rindenbrand, Welke oder Triebsterben vor. An Apfelbäumen allerdings waren Diplodia-Arten bisher nicht wesentlich in Erscheinung getreten. Auch Nectria-, Phomopsis- oder Monilinia-Arten können Symptome an Apfelbäumen ausläsen, die teilweise auch Rindenbrand genannt werden.

Möglicherweise handelt es sich tatsächlich nicht um neue Schaderreger, sondern die nachgewiesenen Arten leben unauffällig als harmlose Bewohner im Inneren der Pflanzen. Erst wenn der Apfelbaum zu großem Stress ausgesetzt ist, werden die Pilze zu Krankheitserregern und spielen die Rolle als Wegbereiter des Todes.

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