Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Waldpflanzen

Moos: Ein flauschig-grüner Waldbewohner

Zypressenschlafmoos-Baum-Wald-Pflanze
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Freitag, 07.01.2022 - 10:00

Augen auf im Wald: Der Winter ist die Zeit der Moose. Wer die grünen Polster und Rasen einmal im Detail betrachtet, entdeckt eine neue, spannende Welt.

Jetzt, wenn das Laub im Wald gefallen ist, wenn das Grün der Blätter einem Braun weicht, ist die Zeit der Moose. Diese flauschigen Waldbewohner leuchten im späten Herbst und frühen Winter besonders intensiv in den verschiedensten Grüntönen. Ein genauer Blick lohnt sich, denn so wird sich dem gewillten Betrachter eine völlig neue Welt im Kleinen eröffnen.

Bayern weist als größtes deutsches Bundesland verschiedenste Lebensräume für Moose auf und ist das artenreichste Bundesland für diese Organismengruppe. Mit 985 Arten kann man hier über 80 % der in Deutschland nachgewiesenen Arten finden. Interessant ist aber auch, dass es nur sehr wenige wirklich häufige Moose in Bayern gibt. Der Großteil dieser 985 Arten ist weniger häufig, selten oder sehr selten. Der Moos-Experte Oliver Dürhammer stellt ein paar der häufigeren Moose vor, die man bei einem Waldspaziergang finden kann.

Zypressenschlafmoos (Hypnum cupressiforme):

Zypressenschlafmoos-Wald-Pflanze

Sieht man im Wald Fichten mit einem grünen Stammfuß, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um das Zypressenschlafmoos. Diese Art kann ausgedehnte Rasen auf den unterschiedlichsten Substraten bilden, gerne in Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit. „Die Menschen im Mittelalter haben dieses häufig vorkommende Moos gesammelt, getrocknet und ihre Kissen damit ausgepolstert“, erklärt Dürhammer die Namensherkunft. Daher komme auch die Redewendung „sich in Moos betten“. Dieses Moos wurde verwendet, weil es häufig vorkommt, leicht und vor allem ohne Erde von den Bäumen zu „ernten“ ist.

Schönes Frauenhaarmoos (Polytrichastrum formosum):

Frauenhaarmoos-Wald-Pflanze

Dies ist eines der am häufigsten bei uns vorkommenden Moose. Man erkennt es gut an seinen großen, etwa 15 cm hohen Rasen, die sich aus vielen einzelnen Stängeln zusammensetzen. Die Stängel haben rundherum spitze, dunkelgrüne Blätter und erinnern etwas an Fichtentriebe, sind aber viel weicher. Das Schöne Frauenhaarmoos zeigt oberflächlich versauerte Böden an und kommt deshalb gerne in Nadelwäldern, wie einem klassischen Fichtenforst, vor.

Gewöhnliches Gabelzahnmoos (Dicranum scoparium):

Gabelzahnmoos-Wald-Pflanze

Es wächst auf den gleichen Böden wie das Wald-Frauenhaarmoos, deshalb findet man diese beiden Moose auch häufig nebeneinander. Meist bildet das Gewöhnliche Gabelzahnmoos dichte, etwa 10 cm hohe Polster mit besenartig beblätterten Stängeln. „Dieses Moos ist ein Zeiger für die Eutrophierung unserer Landschaften“, erklärt Dürhammer. „Früher kam es in den Wäldern nur in sehr kleinen Rasen vor, heute wächst es viel kräftiger und bildet teils riesige Polster.“

Gemeines Grünstängelmoos (Scleropodium purum):

Grünstängelmoos-Wald-Pflanze

Dieses Moos findet man in Gesellschaft des Gewöhnlichen Gabelzahnmoos und des Schönen Frauenhaarmoos. Es fühlt sich auf oberflächlich versauerten Böden besonders wohl und kommt dort teilweise massenhaft in Rasen vor. Die bis zu 15 cm langen Stängel sind gefiedert mit gelbgrünen Blättern besetzt und erinnern bei genauerem Hinsehen an kleine Farne.

 

Etagenmoos (Hylocomium splendens):

Etagenmoos-Wald-Pflanze

Für Buchenwälder typisch ist diese filzbildende Moosart. Die gefiederten Blätter sitzen hier an einem festen Stängel. Gut zu erkennen ist das Etagenmoos an einer besonderen Eigenschaft: Es hat eine spannende Anpassung an den Laubfall, denn es bildet jedes Jahr eine neue Etage, die wieder über die neu gefallene Laubschicht wächst – daher ergibt sich sein Name

Bedrohung und Schutz verschiedener Moose

Bedrohte-Moose-Wald-Pflanze

Nur wenige Moose sind wirklich häufig in Bayern zu finden. 37,9 % der Moose Bayerns sind als Rote Liste-Arten der Kategorien 0, 1, 2, 3, G und R gefährdet. Der Hauptgrund, warum die Vielfalt von Moosen in Bayern zurückgegangen ist, ist der Flächenverbrauch. Denn damit ging einher, dass die Landschaft entwässert wurde, Flüsse und Bäche eingedämmt wurden und damit Lebensraum verschwunden ist. Doch auch eine intensive Bewirtschaftung von Äckern, die einheitliche Bepflanzung der Wälder sowie Luftverschmutzung und wenig Biodiversität in Hausgärten führen dazu, dass unsere Moosflora zunehmend vereinheitlicht wird.

Einige bedrohte Moose:

  • Gemeines Weißmoos (Leucobryum glaucum): Dieses Moos, das auch Ordenskissenmoos genannt wird, kommt in bodensauren Kiefernwäldern vor oder in Wäldern mit sandigem Boden, wo Wasser gut abfließt. Das Weißmoos steht europaweit unter Schutz, weil seine Polster durch das gewerbliche Sammeln für Weihnachtskrippen selten geworden sind. Es ist weiterhin erlaubt, das Moos für den Eigenbedarf zu sammeln, allerdings nicht für den Verkauf. Findet man eine Packung mit Weißmoos im Baumarkt, stammt es aus Skandinavien.
  • Skorpionsmoos (Scorpidium scorpioides): Dieses Laubmoos wächst in Flach- und Zwischenmooren im Alpenraum. In Wasserrinnen bildet es uniforme Bestände, in denen es von wenigen anderen Laubmoosen begleitet wird. Trockene, heiße Sommer führen zum Austrocknen der Wasserrinnen oder zu einem vermehrten Wachstum von Algen. Die Algenteppiche überwachsen die Rasen des Skorpionsmooses und bringen es zum Absterben. Zudem ist die zunehmend intensive Düngung des die Moore umgebenden Wirtschaftsgrünlandes problematisch.
  • Echtes Apfelmoos (Bartramia pomiformis): Seine leuchtend hell- bis blaugrünen Polster sind auffällig. Das Laubmoos wächst auf Humusböden in Spalten und von kalkarmen bis schwach sauren Felsen, in lichten Wäldern, Weg- und Straßenböschungen, sowie in Steinbrüchen und felsreichen Bahneinschnitten. Die Hauptverbreitung liegt in den außeralpinen Mittelgebirgen Nord- und Ostbayerns. Dort ist das Moos regelmäßig anzutreffen. Besonders im Alpenvorland, dem Tertiärhügelland und in der Fränkischen Alb hat das Apfelmoos in den letzten Jahrzehnten viele Standorte verloren. Ein Zuwachsen der Böschungen infolge von höheren Stickstoffeinträgen ist ebenso als Rückgangsursache anzunehmen, wie der zunehmende Klettersport an von Moosen reich besetzten Felsen.

Schutz von Moosen:

Schutz von Moosen ist in erster Linie ein Schutz von Umwelt, Biotopen oder Substraten. Ohne intakte Biotope verschwinden die seltenen Arten und damit die Vielfalt der Moose in Bayern. Hier kann der praktische Naturschutz viel bewirken, zum Beispiel durch Aufrechterhalten von extensiven Bewirtschaftungsformen, Unterschutzstellung von Gebieten, Pflegemaßnahmen oder Besucherlenkungen. In Bayern werden viele Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Die Artenvielfalt langfristig zu erhalten stellt aber eine große Aufgabe dar, die nicht vernachlässigt werden darf.

Mit Material von Oliver Dürhammer
Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt