Heilpflanze

Malve: Pflanze für alle Häute

Malva-sylvestris eine pinkfarbene Blüte.
Karin Greiner
am Sonntag, 20.06.2021 - 06:47

Die Wilde Malve ist in erster Linie eine Heilpflanze für die Haut, sowohl äußerlich wie innerlich für die Schleimhäute. Spannend für Heilkunde und Garten sind auch ihre vielen, teils äußerst bekannten Verwandten.

Wer Malventee trinkt, genießt nicht unbedingt einen hellrosa bis zartvioletten Aufguss aus einem alten Heilkraut unserer Heimat, sondern ein intensiv kardinalrotes, säuerlich schmeckendes Getränk aus einer tropischen Pflanze. Malventee kann aus Wilder Malve oder aus Roselle zubereitet sein – letztere ist geläufiger unter dem Namen Hibiskus. Nicht nur beim Malventee, überhaupt herrscht bei den Malven ein gewisses Durcheinander. Bringen wir Licht in die bunte Vielfalt der Malven und Eibische, Stockrosen und Strauchpappeln.

Käsepappel und Halskraut

Die Wilde Malve (Malva sylvestris), auch Gewöhnliche, Blaue oder Waldmalve genannt, nutzen die Menschen seit Urzeiten. Unverkennbar sind ihre Blüten. Die hellrosa, von dunklen Längsstreifen durchzogenen Blütenblätter drehen sich aus der Knospe zu einer weit geöffneten Schale auf, in deren Mitte eine Säule aus verwachsenen Staubblättern aufragt. Dank Bestäubung durch viele Insekten reifen Früchte, die wie Mini-Käselaibe aussehen, was der Wilden Malve auch zu Namen wie Käsepappel, Käsekraut oder Katzenkäse verholfen hat.

Bezeichnungen wie Käse-, Ross- oder Gänsepappel haben nichts mit dem Pappelbaum zu tun, sondern gehen auf Papp oder Bapp zurück. Darunter versteht man einen dicken Brei oder einen Kleister. Tatsächlich ergeben Blätter oder Wurzeln gekocht eine solche Konsistenz, selbst ein Käschen (Frucht) im Mund entwickelt sich zu einem „Baaz“. Diese Eigenschaft der Malve geht auf ihre typischen Inhaltsstoffe zurück. Schleimstoffe sorgen nicht nur für einen ausgesprochen milden Geschmack, sondern auch für schützende, lindernde Heilwirkungen.

Heilpflanze für die Haut

Die Pflanzen werden seit der Antike auch als Blattgemüse angebaut. Halsblume, Schwellkraut oder Breirose deuten auf die Bedeutung der Malve in der Heilkunde hin. Im 16. Jahrhundert war man gar der Meinung, sie sei eine Universalarznei; tägliche Einnahme sollte vor jeglicher Erkrankung bewahren. „Malve im Gemüsegarten lässt den Doktor draußen warten“, hieß es bis weit in unsere Zeit hinein.

Die Wilde Malve ist in erster Linie eine Heilpflanze für die Haut, sowohl äußerlich als auch innerlich für die Schleimhäute. Ihre Wirkweise kann man mit einem angefeuchteten Seidentuch vergleichen, das sich abschirmend über gereizte, entzündete Bereiche legt. Unterstützend kommt ein antibakterieller Effekt durch die Farbstoffe sowie ein leicht zusammenziehender Einfluss durch Gerbstoffe hinzu. Malvenblüten gelten daher als Arzneidrogen bei trockenem Husten, Schleimhautreizungen im Mund-Rachen-Raum wie im Magen-Darm-Bereich, volksheilkundlich auch zur Behandlung entzündeter Haut, bei Juckreiz oder leichtem Sonnenbrand sowie zum Erweichen von Furunkeln.

Anwendung der Malve in der Kosmetik

Auch in der Kosmetik bedient man sich der positiven Effekte der Wilden Malve, insbesondere zur Pflege trockener Haut. Ihre Schleimstoffe legen sich als Schutzfilm auf die Haut, halten Hitze und andere Umweltfaktoren ab. Dazu spenden sie Feuchtigkeit, was die Haut geschmeidig hält und kleine Fältchen wegbügelt.

Dafür wird am besten eine Maske aus Malvenblüten aufgelegt: Einige Malvenblüten in Wasser oder Hydrolat legen, 2 bis 3 Stunden ziehen lassen. Dann ein Tuch mit der Flüssigkeit tränken und für 15 bis 20 Minuten auflegen. Früher galt es schon unter Bäuerinnen als Geheimtipp, sich den Saft von zerriebenen Malvenblättern ins Gesicht einzureiben – nicht nur, um für einen Verehrer besonders attraktiv zu erscheinen.

Sanfte Verwandtschaft

Nicht allein die Wilde Malve, sondern auch einige verwandte Arten lassen sich in Küche und Heilkunde einsetzen. Sehr ähnlich ist die Mauretanische, Algier- oder Garten-Malve (Malva sylvestris ssp. mauritiana), die höher wächst und sehr viel intensiver gefärbte Blüten trägt. Man sieht sie sehr häufig in Blühstreifen entlang von Äckern und in Bienenweideflächen. Die nur schwierig zu unterscheidenden Arten Moschus-Malve (Malva moschata) und die Rosen-Malve (Malva rosea) sind alte Heilpflanzen mit feiner zerteilten Blättern.

Die Weg-Malve (Malva neglecta) bleibt in allen Teilen kleiner als die Wilde Malve. Allerdings bevorzugt sie sehr gut mit Stickstoff versorgte Böden, wächst also lieber am Komposthaufen als am kargen Wegrand. Und die Stockrosen (Alcea rosea) gelten mit einfachen oder gefüllten Blüten in breiter Farbenfülle als der Stolz eines jeden Bauerngartens.

Eibisch und andere Malven

Althaea-officinalis-Wurzel

Die wohl höchste Bedeutung als Heilpflanze hat der ebenfalls zu den Malvengewächsen zählende Echte oder Arznei-Eibisch (Althaea officinalis). Mit nahezu zwei Metern Wuchshöhe ziert er als ausdauernde, anspruchslose wie robuste Staude viele Bauern- und Apothekergärten. Wurzeln, aber auch Blätter und Blüten sind zur Behandlung von Husten und Schleimhautentzündungen gebräuchlich.

Wiederum sind es Schleimstoffe, die den Eibisch so heilkräftig machen. Bei der Zubereitung der Wurzeldroge vom Eibisch ist zu beachten, dass die Wurzelstücke unbedingt kalt angesetzt werden müssen. Die Stückchen würden sich in heißem Wasser sonst mit einer kleisterartigen Stärkeschicht überziehen, was ein Herauslösen der wertvollen Schleimstoffe unterbindet. Blätter und Blüten können dagegen heiß überbrüht werden.

Hibiskus in der Küche und als Heilmittel

Blütenkelche des Hibiskus

Auch der schon erwähnte Hibiskus (Hibiscus sabdariffa) soll kurz vorgestellt werden: Rosellenblüten werden nicht allein für Getränke, Saucen oder Marmeladen verwendet, sondern auch als Heilmittel. Man sagt ihnen eine blutdrucksenkende und blutfettreduzierende Wirkung nach, dazu entzündungshemmende, verdauungsanregende, mild abführende, leberschützende und weitere Effekte. Dabei verwendet man keine Blüten, sondern die kräftig sauren und Teile der Blütenkelche, welche zur Samenreife fleischig werden.

Noch viele weitere Malvengewächse bereichern unsere Gärten: Becher- oder Buschmalven (Lavatera-Hybriden), Strauchpappeln (Lavatera thuringiaca), Sommermalven (Malope trifida) in Beeten und Rabatten, Straucheibisch (Hibiscus syriacus) als spätblühender Zierstrauch, Schönmalven (Abutilon) und Chinesischer Roseneibisch (Hibiscus rosa-sinensis) als Kübel- oder Zimmerpflanzen.

Heilpflanzen-Steckbrief der Wilden Malve

So sieht sie aus: zwei- oder mehrjähriges, knie- bis hüfthohes Kraut mit kräftigen, sich unten vielfach verzweigenden Stängeln; wechselständige, rundliche, drei- bis siebenfach gelappte Blätter, grasgrün und samtig behaart, obere Stängelblätter zeigen sich meistens tief eingeschnitten bis stark zerteilt; spindelförmige Rübenwurzeln; schüsselförmige Blüten aus fünf rosafarbenen, dunkler geäderten Kronblättern; scheibenförmige Früchte, dicht an dicht aufgereiht und eingehüllt in Kelchblätter; Blütezeit Mai bis September.

Da wächst sie: sonnige Stellen an Wegrändern, Ackerrainen, auf Ödland, an Gebüschen, Hecken und Waldrändern, auf Unkrautfluren, in Gärten.

Das sammelt man: Blätter, Blüten, Früchte.

So wirkt sie: reizlindernd, schützend, leicht zusammenziehend, entzündungshemmend, hautpflegend.

So wird sie verwendet: Blüten und Blätter für Heiltee, Umschläge, als Badezusatz; in der Küche für Salate, als Gemüse.

Achtung: Schleimstoffe können auch Medikamente abfangen. Zwischen der Einnahme von Arzneimitteln und Malvenzubereitungen sollte man mindestens zwei Stunden Zeit verstreichen lassen. Außerdem sollten Malven nicht länger als eine Woche innerlich angewendet werden, weil sonst auch Nährstoffe nicht mehr optimal verwertet werden.

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