Gesundheit

Magen: Wo das Wohlbefinden wohnt

Anna Knon
Anna Knon
am Freitag, 04.09.2020 - 06:00

Auf den Magen schlagen, im Magen liegen, aufstoßen – solche Ausdrücke nutzen wir für zweierlei: körperliche Probleme oder Ärger und Belastungen. Das kommt nicht von ungefähr, denn der Magen ist Verdauungsorgan und „Nervenbündel“.

magen-zeichnung

Wir essen, um zu genießen. Wir müssen aber auch essen, um unseren Körper mit allem zu versorgen, was er braucht, um reibungslos zu funktionieren. Das ist ein komplizierter Vorgang, bei dem der Magen eine wichtige Rolle spielt. Er hat die Aufgabe, alles was wir gegessen haben, zu durchmischen und in Nahrungsbestandteile zu zerlegen, mit denen der Darm etwas anfangen kann.

Der Nahrungsbrei aus dem Magen wird portionsweise an den Zwölffingerdarm, den obersten Teil des Dünndarms, weitergeleitet. Im Dünndarm wird die Nahrung in die Einzelbestandteile aufgespalten, die dann ins Blut und die Lymphe übergehen und als Nährstoffe zu jeder einzelnen Zelle der Körpers transportiert werden.

Weil diese Abläufe hochkompliziert und präsise aufeinander abgestimmt sind, werden sie von besonders vielen Nerven gesteuert, die zwischen den Muskelfasern des gesamten Verdauungssystems liegen. Eine Besonderheit dieses sogenannten enterischen Nervensystems im Magen-Darm-Trakt ist, dass es eigenständig, also unabhängig von unserem Gehirn, Reize weiterleiten und Abläufe steuern kann. Man spricht daher auch vom „Bauchhirn“.

Was das Bauchhirn macht

Was das Bauchhirn macht, können wir nicht willentlich beeinflussen. Das heißt aber nicht, dass es auf unser Denken und Fühlen nicht reagiert. Ärger, Sorgen, Hetze, Arbeitsdruck, Überlastung sind Stress, und auf Stress reagiert der Sympathikus, ein ebenfalls nicht willentlich beeinflussbarer Teil unseres Nervensystem, der aber die Botschaft „Achtung Stress“ an die Magen-Darm-Nerven gibt. Und die veranlassen, dass sich beispielsweise der Magen krampfartig zusammenzieht, zu viel Säure produziert oder den Schließmuskel zur Speiseröhre erschlaffen lässt. Die Folge sind Aufstoßen, Sodbrennen, Völlegefühl, Magendruck, Magenschleimhautentzündung.

So weit so kompliziert. Etwas einfacher sind die mechanischen und physiologischen Vorgänge im Magen. Er ist ein „Beutel“ zwischen Speiseröhre und Darm mit rund 2 Litern Fassungsvermögen. Umgeben ist er von Muskulatur, die durch ihre Bewegungen den Speisebrei durchmischt, zerkleinert und Richtung Darm transportiert. Durch die Kontraktion wird der Nahrungsbrei mit Magensaft durchmischt. Der Magensaft enthält Enzyme, die Fett und Eiweiß aufspalten, außerdem Salzsäure, die Bakterien unschädlich macht.

Wenn etwas schwer im Magen liegt

Je nach Zusammensetzung der Nahrung bleibt der Speisebrei unterschiedlich lang im Magen: fettreiches Essen kann bis zu acht Stunden liegen – nicht umsonst spricht man davon, dass etwas schwer im Magen liegt. Eiweißreiche Lebensmittel verweilen bis zu sechs Stunden. Die Verdauung von Kohlenhydraten dagegen geht einfach vonstatten; deshalb ist Weißbrot schon nach etwa einer Stunde „durch“. Flüssigkeiten gibt der Magen unverzüglich Richtung Darm weiter.

Den Übergang vom Magen in den Darm bildet ein Ringmuskel. Dieser „Pförtner“ lässt immer nur so viel Speisebrei durch, wie der sich anschließende Dünndarm verarbeiten kann. Der Pförtner lässt auch keine groben Stücke durch, das heißt: wer die Nahrung nicht durch gründliches Kauen zerkleinert, mutet diese Aufgabe der Magenmuskulatur zu. Wir können also unserem Magen die Arbeit erleichtern und damit Magenproblemen vorbeugen:
  • Langsam essen, die Verdauung beginnt nämlich schon im Mund, Kohlenhydrate werden bereits von Enzymen im Speichel zerkleinert.
  • Gut kauen: Für das Zerkleinern des Essens sind unsere Zähne da, nicht der Magen. Große Brocken machen ihm viele Stunden zu schaffen.
  • Leichte Kost wählen: fettarm, schonend zubereitet, nicht scharf angebraten oder gewürzt.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten statt großer Mengen auf einmal essen.
  • Nicht zu heiß essen und nicht eiskalt trinken.
  • Persönliche Unverträglichkeiten beachten: eine wissenschaftliche Erklärung gibt es oft nicht, aber jeder kann an sich selbst beobachten, welche Lebensmittel ihm nicht bekommen. Anna Knon