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Patienteninformation

Lohnen sich Gesundheitsleistungen für Selbstzahler?

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Redaktion Wochenblatt
am Mittwoch, 27.04.2022 - 12:45

Der Medizinischen Dienst Bund nimmt die individuellen Gesundheitsleitungen (IGeL) für Selbstzahler unter die Lupe. Das Ergebnis ist eindeutig: Oft mehr Schaden als Nutzen.

55 IGeL-Leistungen nimmt der IGeL-Monitor aktuell unter die Lupe und nur zwei schließen mit „tendenziell positiv“ ab (Akupunktur bei Migränevorsorge und Lichttherapie bei Winterdepression). Bei allen anderen überwiegt der potenzielle Schaden den möglichen Nutzen oder sie schneiden mit „unklar“ ab. „Wenig Nutzen, aber viel Verunsicherung“ lautet deshalb auch das Resümee des Medizinischen Dienst Bund (MDS) für zehn Jahre IGeL-Monitoring.

Arztpraxen klären zu wenig über Selbstzahlerleistungen auf

Versicherte werden in der ärztlichen Praxis über potenziellen Schaden und Nutzen der Selbstzahlerleistungen unzureichend aufgeklärt und fühlen sich verunsichert. Nach wie vor würden auch IGeL verkauft, die eindeutig negativ zu bewerten sind, heißt es in einer Pressemeldung. Dazu gehört die Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Sie könne zu vielen falsch positiven Ergebnissen und damit zu unnötigen weiteren Untersuchungen und Eingriffen führen, weshalb medizinische Fachgesellschaften seit Jahren davon abraten.

Viele Praxen bieten „Vitamin-Checks“ als Früherkennung von Vitamin B12-Mangel und anschließende „Vitamin-Kuren“ an. Die wissenschaftliche Recherche hat keine Studien gefunden, die darauf hinweisen, dass diese die Gesundheit der Betroffenen verbessern. Weil Schäden eher unwahrscheinlich sind, erhielt diese Leistung die Bewertung „unklar“.

Wirken sich Selbstzahlerleistungen auf das Versorgungsangebot aus?

Immer wieder berichten Patientinnen und Patienten, dass sie in fachärztlichen Praxen für Regeluntersuchungen lange auf einen Termin warten müssen. Gleichzeitig bekommen sie aber für Selbstzahlerleistungen einen sofort verfügbaren Termin. Das legt die Vermutung nahe, dass sich das Angebot von IGeL unmittelbar auf das Versorgungsangebot auswirkt.

Mit Sorge ist zu beobachten, dass Versicherte sich unzureichend informiert oder zeitlich unter Druck gesetzt fühlen. Diese Erfahrungen bestätigte bereits der IGeL-Report 2020.

Tipps zum Umgang mit IGeL

Eine gute Orientierung über das, was bei IGeL, den individuellen Gesundheitsleistungen, erlaubt ist und was nicht, bietet das Merkblatt „15 Regeln bei Individuellen Gesundheitsleistungen“. Hier die wichtigsten Tipps des Medizinisches Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS):

  • Gehen Sie nicht selbstverständlich davon aus, dass IGeL für Ihre Gesundheit medizinisch notwendig oder sinnvoll sind.
  • Bei Interesse für eine bestimmte IGeL: Informieren Sie sich möglichst schon vor einem Praxisbesuch.
  • Seien Sie besonders skeptisch bei sogenannten Vorsorgeangeboten.
  • Wenn der Arzt eine IGeL empfiehlt oder gar nahelegt: Erbitten Sie sich Bedenkzeit und informieren Sie sich zunächst selbst.
  • Treffen Sie keine übereilten Entscheidungen. IGeL sind – von wenigen Ausnahmen wie termingerechten Reiseimpfungen abgesehen – nicht dringend.
  • Nicht akzeptabel ist, wenn die weitere Behandlung davon abhängig gemacht wird, dass Sie einer IGeL zustimmen. Bitte informieren Sie in einem solchen Fall die Krankenkasse oder die Ärztekammer.
  • Lassen Sie sich keine Angst machen. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen decken alle medizinisch notwendigen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden ab.
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