Gartenjahr

Ein langes Gemüsejahr

Eine Wühlmaus klettert über Pflanzen.
Marianne Scheu-Helgert
am Freitag, 11.12.2020 - 13:10

Hoffen auf Regen, Spätfröste, ein langer Herbst – Marianne Scheu-Helgert, Leiterin der Bayerischen Gartenakademie, blickt auf das Gartenjahr zurück.

Wird es regnen und falls ja, wieviel? Das waren in den letzten Jahren die entscheidenden Fragen, die Hobbygärtner im Laufe der Saison beschäftigt haben. Das Jahresende 2019 lieferte kaum Wasser. So konnten sich die Boden- und Grundwasservorräte selbst nach etlichen herbstlichen Niederschlägen nicht von mehreren Trockensommern erholen. Deshalb begann die neue Gartensaison wieder mit der Frage: Wird es mehr regnen?

Januar

1-Januar-Pak-Choi

Zuerst ging es „gerecht“ zu: Nord- und Südbayern starteten zu Neujahr trocken. Im Mittel regnete es nur die Hälfte der üblichen Menge. Dafür gab landesweit im Januar richtige Frostnächte. Dennoch blieben die Temperaturen mit durchschnittlich 3,6 °C im Norden und 2,9 °C im Süden über dem langjährigen Mittel. Trotz wenig Niederschlag blieben die Böden feucht – ideale Bedingungen für Unkräuter. Lässt man sie stehen, samt eine einzige Pflanze von Vogel-Sternmiere, Ehrenpreis oder Gemeinem Kreuzkraut tausendfach aus.

Mein Garten lieferte noch im Januar frischen Pak Choi – geschützt unter Verfrühungsvlies. Bis Weihnachten hatte es Rettich, Kresse und mehrere Kohlsorten gegeben. Im Keller lagen ein paar Köpfe Chinakohl, lose unter einer Folie vor dem Austrocknen geschützt, sowie spät geerntete Möhren und Sellerie.

Tipp: An diese Kulturen denkt man bereits, wenn man Saatgut einkauft. Man sollte nicht zu den ersten Käufern gehören, gerade bei Sorten, die schon länger angeboten werden. In manchem Saatgutregal werden nämlich zuerst die Vorjahresbestände abverkauft. Sie sind bei den meisten Arten noch gut keimfähig, lassen sich aber nicht mehr gut für die Folgejahre verwenden.

 

Februar

Immer wieder streute der Februar weiterhin Frosttage ein, war aber fast 5 °C wärmer als im Mittel. Tagelang täuschte die Sonne viele Gehölze und brachte sie zu frühem Austrieb. Endlich bestimmten das Wetter immer wieder ergiebige Regen-, im Süden auch Schneefälle, mit der fast dreifachen Wassermenge wie üblich. Nach monatelangem Defizit gingen die Böden mit Wasser gesättigt in den März.

Tipp: Wer seine umgegrabenen Beete mit Lochfolie abgedeckt hat, konnte ab Ende des Monats mit der Beetbestellung beginnen, da der Boden nicht mehr so feucht war. Leicht ist dies in Hochbeeten mit Glas- oder Folienbedeckung möglich.

März

3-Maerz-Gewaechshaus

Die Regenmengen in diesem Monat lagen nahe am langjährigen Mittel, nur im Norden war es etwas zu niederschlagsarm. Allerdings war es ziemlich warm. Je nach Sonneneinstrahlung und Bodenart trockneten die Böden bis Ende des Monats nacheinander ab.

Tipp: Die Bodenfeuchte von April bis Juni war in den Vorjahren sehr unterschiedlich, oft war es wochenlang trocken. Deshalb lohnt es sich, im Gemüsegarten gleich loszulegen, sobald der Boden zwischen den Rechenzinken krümelt. Je besser sich die Wurzeln der Pflanzen im zumindest mäßig feuchten Boden entwickeln, desto besser überstehen sie später die ersten Wochen der Sommertrockenheit. Im Gemüsegarten hält man großzügig Vlies für mögliche Spätfröste bereit.

April

Wenig zum Scherzen zumute war vielen Gärtnern zum 1. April: In Würzburg startete der launige Monat mit einer Nacht mit annähernd –10 °C. Die Oberbayern waren mit gleich drei solcher Frostnächte in Folge genauso schlimm dran. Der scharfe Frost schädigte manche der bereits weit entwickelten Kulturen, vor allem die Blüten der Obstbäume: Fast überall wurden die Fruchtansätze von Aprikosen und Pfirsichen vernichtet. Kirschen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen trugen später sehr unterschiedlich. Das war abhängig von der Entwicklung der Blüten zum Frostzeitpunkt und vom Standort des jeweiligen Baumes. Kurios: Der 1. April war mit einer mittleren Temperatur von –8,5 °C der kälteste Tag im ganzen Winter!

Trotz frostigem Start lockte der April schließlich alle ins Freie mit Wärme und fast vorsommerlicher, trockener Witterung. In Nordbayern gab es nur 28 %, in Südbayern 50 % der üblichen Regenmenge, deshalb musste man bereits fleißig gießen. Alle Aussaaten und Pflanzungen gediehen unter Vlies besser, weil sie in den Nächten weniger litten – selbst wenn es oft frostfrei blieb.

Tipp: Der April ist ideal für Ergänzungen im Staudenbeet. Viele Sommer- und Herbstblüher lassen sich kurz vor ihrem Austrieb leicht teilen, indem man von den Ballen im Boden seitlich kleinere Stücke absticht. Der Hauptteil bleibt im Boden, die neuen Teilstücke füllen Lücken.

Mai

Ein weißes Frostschutzvlies wird vom Beet gezogen.

Diesen „Wonnemonat“ empfanden Mensch und Pflanze als deutlich zu kühl. In Franken blieb der Mai der einzige Monat mit unterdurchschnittlichen Temperaturen. In Südbayern war auch der Juni zu kühl, aber nur ein halbes Grad unter dem langjährigen Mittel. Einschneidend war der 11. Mai – der Mamertus – der in Norddeutschland zu den Eisheiligen zählt. Die Temperaturen in einigen Teilen Nordbayerns bis Nürnberg lagen bei um –2,5 °C. Die nachfolgenden „Gestrengen Herren“ Pankraz, Servaz und Bonifaz blieben, wie die kalte Sophie am 15. Mai, zahm – da war der Schaden aber schon geschehen. In Südbayern war Mamertus unauffällig, dafür gab es in der ersten und zweiten Maiwoche –2 °C. Somit behalten die Eisheiligen auch im Klimawandel ihren Schrecken, vielleicht mehr noch als früher.

Tipp: Vlies kann die meisten Frostschäden verhindern. Im Gemüsegarten setzt man es flächendeckend ein. Das gilt vor allem für Erdbeeren, um die ersten Blüten zu schützen. Spätfrostgefährdete Obstarten wie Trauben, Aprikosen oder Pfirsich wachsen am besten an einer Hauswand.

Juni

Ein Strauch voller blühende Rosenköpfe in Apricot, zwischen satten grünen Blättern.

Nach dem kühlen und trockenen Mai – er brachte nur zwei Drittel seines Regensolls im ganzen Land – verließ uns die Kälte nur langsam. Dafür legten die üppigen Juniregen vor, sodass der Süden den trockenen Juli weitgehend gut überstand. Auch im Norden füllten sich die Wasserspeicher der Böden – diese Vorräte waren dann aber im Lauf des Juli wieder aufgebraucht.

Tipp: Um den Boden vor Verdunstung zu schützen, mulcht man die Bodenoberfläche dünn. Dafür eignen sich Grasschnitt, Heu, Stroh oder anderes pflanzliches Material. Das beschattet den Boden, er erwärmt sich langsamer und verdunstet weniger Wasser. Unter der Mulchschicht bleibt der Boden offenporig und nimmt Wasser besser auf.

Juli

Zwei Wassermelonen unter ihren Blättern am Feldboden.

Nun kam der heiße Sommer. Er brachte im Süden eine sparsame Wasserversorgung mit gut 75 % des langjährigen Monatsmittels, dagegen katastrophale Trockenheit in Unterfranken mit nur 24 % des durchschnittlichen Niederschlags.

Tipp: In solch mediterranen Sommern kann man im Garten erfolgreich Sonnenkinder wie Zucker- und Wassermelonen, Gemüsesoja oder sogar Ingwer anbauen. Dafür lohnt sich eine automatische Bewässerung! Auf der Gemüseschaufläche in Veitshöchheim verwenden wir das System Tropf-Blumat für den Kistengarten und Hochbeete. Ansonsten nutzen wir preiswerte Tropfschläuche, die man über eine Zeitschaltuhr oder von Hand bei Bedarf mit einem Zeitgeber startet.

August

Der warme August lieferte immer wieder etliche, leichtere Regenfälle (Norden 118 %, Süden 132 %). Sie konnten den Fehlbetrag aus dem Vormonat aber bei weitem nicht ausgleichen, zumal die Temperaturen über viele Wochen um 25 bis 30 °C schwankten. Rekordtage mit 40 °C blieben weitgehend aus. Andererseits genügten die Hitzetage nicht, um die Kirschessigfliege an Himbeeren und immertragenden Erdbeeren einzudämmen. Deren Population bricht erst ein, wenn über mehrere Tage 30 °C herrschen.

Tipp: Im August startet man mit den Herbstkulturen: Chinakohl, Pak Choi, Zuckerhut und Radicchio werden gepflanzt. Diese Kulturen bringen die Ernten von Herbst bis Januar! Jüngere Setzlinge mit kleineren Blättern wachsen besser an. Überständige Pflanzen mit übergroßen Blättern kann man einkürzen oder im Beet mit lockerem Gewebe wie Ballentuch oder einer alten Gardine für ein paar Tage schattieren. Außerdem sät man Feldsalat und Spinat. Trockene Beete schon am Tag vor der Saat mit 20 l/m² versorgen, in mehreren Gaben über ein paar Stunden verteilt.

September

Frisch gesetzte Samen des Feldsalats in Saatschalen.

Jetzt ging der Sommer in die Verlängerung, es blieb spürbar warm. Pünktlich zur Weinlese regnete es, wie in den vergangenen Jahren, wieder ein wenig. Im Norden musste man sich mit zwei Drittel, im Süden mit gut drei Viertel der gewohnten Regenmenge begnügen. Die Niederschläge beendeten immerhin den Gießstress. Auffällig stark setzten Sommerhimbeeren nach einer schönen „Normalernte“ nochmals reichlich Blüten und früh auch die ersten Nachfrüchte an.

Tipp: Im Obstgarten regelmäßig durchräumen. „Wurmige“ Äpfel und Birnen lassen sich noch gut zu Obstsalat verwerten, bevor sie erste Fäulnisflecken zeigen. Erdbeeren von öfter tragenden Sorten, Himbeeren und Trauben verfeinern den Geschmack.

Oktober

Schopftintlinge. Das sind weiße, länglich nach oben wachsende Pilze im Garten.

Der Oktober sorgte für laufenden Nachschub an Niederschlägen – allerdings wieder eher im Süden (144 %) als im Norden (84 %). Die wiederholten Nieselregen sorgten dann leider für ein „Schnecken- und Unkrautklima“. Vielerorts waren die Gärten am 20. Oktober erstmals von einer feinen Reifschicht bedeckt.

Tipp: Erwachsene Schnecken morgens oder in der Abenddämmerung einsammeln. Sitzen bereits Jungtiere in den Salat- und Kohlköpfen, streut man unter einzelne Köpfe einzelne Körner vom herkömmlichen Schneckenkorn (Wirkstoff Metaldehyd). Legt man sie direkt unter ein älteres Blatt, das ohnehin nicht gegessen wird, bleibt es auch bei Regen trocken und über einen längeren Zeitraum wirksam. Wer Ferramol (Eisenphosphat-Basis, im Bioanbau zulässig) streut, muss mit höheren Aufwandmengen (siehe Angaben auf der Packung) arbeiten.

November

Der als trist verrufene Monat war um ein Vielfaches zu warm und trocken; der Altweibersommer ging mehrfach in Verlängerung. Lediglich in der letzten Woche stimmten die Radiomoderatoren die üblichen Klagen über dauertrübes Novemberwetter an. Zudem streuten sich frostig kalte Nächte ein, sodass das Vlies schon wieder gute Dienste leistete.

Tipp: Staudenpflanzungen unter Gehölzen „schlucken“ jetzt das Laub einfach weg. Von Wegen und Rasenflächen muss es aber abgekehrt werden, sonst besteht Rutschgefahr. Man kann damit offene Beete mit sandigem Boden, die nicht umgegraben werden, 5 cm dick bedecken – das hemmt die Unkrautkeimung im Winter. Trockenes Laub mit etwas Erde bestreuen und anfeuchten, dann bleibt es liegen.

Gute Gartentipps aus der Praxis

Christa Birnbaum aus Rutzendorf (Lks. Ansbach): „Wir essen gerne Blattpetersilie, ich habe im Gartenboden aber Probleme mit Nematoden. Zuerst wächst die Petersilie, dann kümmert sie. Es hat sich bewährt, bei den ersten Symptomen drei bis vier Tagetes-Pflanzen um die Petersilie zu setzen. Die Tagetes geben durch ihre Wurzeln Stoffe an den Boden ab, welche die Nematoden vertreiben. Es dauert ein bisschen, dann erholt sich die Petersilie. Wichtig ist, die Tagetes erst bei den Symptomen zu pflanzen, sonst ziehen sie Schnecken an, die die junge Petersilie fressen. Meine Karotten lasse ich über den Winter im Boden und ernte nach Bedarf. Bei leichtem Frost bedeckte ich das Laub mit Fichtenzweigen, wenn es noch kälter wird, lege ich zusätzlich Folie darüber. So behalten sie ihr tolles Aroma.“

Monika Keck aus Falkenberg (Lks. Tirschenreuth): „Ich vermehre Lavendel selbst. Dazu biege ich lange Triebe vorsichtig Richtung Boden. Dort stelle ich mit Erde gefüllte Töpfchen auf, in die ich eine Rille gezogen habe. In diese lege ich den entblätterten Stängel so, dass der blühende Teil herausschaut. Den Stängel im Topf bedecke ich mit Erde und beschwere ihn mit einem Stein. Das klappt während der ganzen Vegetationsperiode. Die Stecklinge werden so noch von der Mutterpflanze mit versorgt, trotzdem sollte man sie gießen. Außerdem schneide ich winterharte Stauden im Herbst nicht. Das ist ein natürlicher Schutz für die Pflanzen, Kleinstlebewesen haben dort das perfekte Winterquartier und im Frühjahr kann ich die Rabatten mit einem Laubrechen säubern.“

Top Themen:
  • Aschermittwoch: Weniger derb, voll digital
  • Pflanzenbau: Maßnahmen für Rote Flächen
  • Biogas im EEG: Leitfaden zum Weiterbetrieb
  • Wolle: Pelletieren und wertvoll machen
  • LfL: Interview mit Präsident Sedlmayer
  • Warenkunde: Reich gedeckte Reistafel
Kostenfreies Probeheft Alle Aboangebote