Gartenkolumne

Kren: Ist der aber scharf!

Ein Stück Meerrettich bei dem das Ende geraspelt wurde.
Bärbel Steinberger
am Montag, 08.02.2021 - 08:20

Ins Grüne geschrieben: Unsere Gartenkolumne von Bärbel Steinberger

Was macht einen gekochten Tafelspitz, das geräucherte Saiblingfilet und Wiener Würstl so wertvoll für die Gesundheit? Es ist der geriebene Meerrettich, den man dazu isst. Handgerieben versteht sich, man möchte die flüchtigen ätherischen Öle ja nicht ungenutzt davonschweben lassen.

Scharf macht gesund!

Ganz nach dem Motto: „Sauer macht lustig und scharf macht gesund“ wird seit Jahrhunderten Meerrettich (Armoracia rusticana) als natürliches Antibiotikum geschätzt. Vorbeugend, aber auch wenn die Nase schon läuft, oder gar die Nebenhöhlen betroffen sind, wirkt die scharfe Wurzel wahre Wunder. Wobei interessant ist, dass die dafür verantwortlichen Substanzen, Glucosinolate und das Enzym Myrosinase, getrennt voneinander in den Zellen gespeichert sind.

Erst wenn die Pflanzenzellen verletzt werden, zum Beispiel durch raspeln oder thermomixen, aber auch durch Schädlingsfraß reagieren die beiden Stoffe miteinander. Es entsteht das beißend scharf riechende Allysenföl. Was ursprünglich die Pflanze vor Fraßfeinden schützen sollte, schützt auch den Menschen vor Bakterien und Viren.

Meerrettich heißt in Bayern und Österreich "Kren"

Die bayerisch-österreichische Bezeichnung „Kren“ stammt vermutlich wie die Pflanze selbst aus Südosteuropa. Das slawische Wort „krenas“ bedeutet weinen und die scharfe Wurzel treibt einem wahrhaftig die Tränen in die Augen. In der österreichischen Seele ist der Kren nicht nur kulinarisch mit Semmelkren, Apfelkren, Oberskren oder Mostkren verankert, sondern auch sprachlich tief verwurzelt: „Seinen Kren dazu“ gibt jemand, der ungefragt seine Meinung kundtut, ein „Krenreißer“ ist ein Aufschneider und Wichtigtuer. Und „Des ist zum Krenreiben“ ist völlig umsonst.

Der moderne Wasabi

Freilich gibt es mittlerweile auch eine moderne Variante: Wasabi. Das ist sozusagen der japanische Bruder des Meerrettichs und kein Sushi kommt ohne ihn aus. Was aber die Wenigsten wissen: Nicht überall wo Wasabi draufsteht, ist auch Wasabi drin. Entziffert man die kleinstgedruckte Zutatenliste, handelt es sich in den meisten Fällen in Wirklichkeit um eine mit Algen grün gefärbte Meerrettichpaste. Tja, die Kultur von Wasabi ist aufwendig und teuer. Die von Meerrettich anscheinend nur aufwendig. Der größte Teil der geernteten Stangen landet in Gläsern und Tuben. Fertig gerieben, immer vorrätig. Convenience food eben.

Dabei wirkt frisch geriebener Kren bereits in geringen Dosen wie ein Geschmacks-Katalysator: Er verleiht langweiligem Kartoffelpüree einen gewissen Kick, befördert Rote Bete in neue kulinarische Sphären und peppt fade Soßen auf. Echte Krenliebhaber wissen, dass die Wurzel ihren echten Geschmack und ihre sagenhafte Wirkung nur frisch gerieben entfaltet. Und wem einmal der Krendampf die Nase freigeputzt hat, der schwört auf die Kraft dieser scharfen Wurzel.

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