Pflanzenkrankheit

Kirschlorbeer unter Beschuss

In den Blättern des Kirschlorbeer sind viele Blätter. Es sieht aus, als hätte jemand durchgeschossen.
SG & Gartenakademie Rheinland-Pfalz
am Montag, 10.05.2021 - 07:10

Pilzkrankheiten sind der Grund für durchlöcherte und deformierte Blätter am Kirschlorbeer. Es ist sinnvoll, den Krankheiten zeitig vorzubeugen.

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), eigentlich Lorbeerkirsche, ist eine beliebte Heckenpflanze. Sie ist robust, wüchsig, verträgt Schnitt gut und bildet immergrüne Mauern. Jedoch entdecken Gartenbesitzer immer häufiger verkrüppelte oder löchrige Blätter. Was steckt dahinter?

Schrotschusskrankheit:

Diese Krankheit wird von dem Pilz Stigmina carpophila verursacht. Partien, vor allem von jüngeren Blättern und im Inneren der Pflanze, vergilben dabei zuerst, dann fällt das abgestorbene Gewebe heraus – die Blätter sehen aus wie von Schrot durchlöchert. Der Pilz tritt meist im Mai und Juni nach feuchten, kühleren Frühjahren auf.

Echter Mehltau

Zwei Bilder, die echten Mehltau auf Blättern zeigen.

Auch bei dieser Krankheit ist ein Pilz am Werk mit dem Namen Podosphaera tridactyla. Bei anderen Pflanzen zeigt sich der weiße, abwischbare Pilzrasen des Echten Mehltaus an der Blattoberseite, bei Kirschlorbeer tritt er zuerst an der Blattunterseite auf. Bei starkem Befall wandert er auch auf die Blattoberseite. Ab dem Frühsommer erkennt man an den jungen Blättern dann leichte Verformungen, die sich im Sommer braun färben; schlussendlich können ganze Triebe absterben. Echter Mehltau tritt eher in warmen Perioden mit kühlen Nächten auf.

Falscher Mehltau

Dieser Pilz (Peronospora sparsa) tritt dagegen in nass-feuchten Phasen auf. Auch er siedelt sich an der Blattunterseite an und zeigt sich in einem weiß-gräulichen Belag. Dieser ist kaum oder nur schwer abwischbar. Auf der Blattoberseite erkennt man bräunlich verfärbte Stellen. Die Unterscheidung von Echtem und Falschem Mehltau an Kirschlorbeer ist nicht ganz einfach, da beide an der Blattunterseite und teilweise sogar zusammen auftreten.

Entdeckt man den Schaden, sollte man die betroffenen Stellen aus dem Kirschlorbeer herausschneiden. Das verbessert das Erscheinungsbild und sorgt zusätzlich für gute Belüftung. Das befallene Pflanzenmaterial nicht auf den Kompost werfen – von dort aus können sich die Pilzsporen wieder im Garten verbreiten.

Schneiden und gießen

Ein starker Rückschnitt ist bei Kirschlorbeer kein Problem, da er sehr wüchsig ist. Deshalb empfiehlt es sich, sehr dicht wachsende Sträucher regelmäßig auszulichten. Eine gute Zeit für einen umfassenden Schnitt ist im zeitigen Frühjahr oder im Herbst. Der generelle Rückschnitt sollte nicht erfolgen, wenn man befallene Pflanzenteile herausschneidet. Die Krankheiten befallen nämlich nur die jungen Blätter, was durch Rückschnitt und Neuaustrieb begünstigt werden würde.

Langfristig ist es sinnvoll, einem Neubefall vorzubeugen. Kirschlorbeer ist bei uns zwar sehr anpassungsfähig, kann aber bei ungünstigen Bedingungen (z. B. sehr trockener Standort, Konkurrenzpflanzen) auch unter Wasserstress leiden. Werden die Pflanzen gegossen, sollte man unbedingt nur von unten, nie über die Blätter gießen. Vorsicht mit dem Rasensprenger, der die Hecke mit bestreicht! Außerdem wässert man besser am Morgen als am Abend, da das Wasser so schneller abtrocknet. Wichtig ist auch, Kirschlorbeer nicht zu eng zu pflanzen.

Vorbeugend stärken

Eine Bekämpfung dieser Krankheiten mit Pflanzenschutzmittel ist bei Kirschlorbeer weniger sinnvoll. Zusätzlich zu den oben genannten Maßnahmen kann man regelmäßig Pflanzenstärkungsmittel einsetzen. Sie erhöhen die Widerstandskraft.

Nach passenden Präparaten informiert man sich am besten im Gartenfachhandel. Sie müssen mehrfach und vor der Pilzinfektion angewandt werden: Man beginnt deshalb frühzeitig mit den Behandlungen – schon bevor Symptome einer Pilzkrankheit zu sehen sind. Während der kritischen Infektionszeit setzt man das Präparat regelmäßig alle 10 bis 12 Tage gemäß den Herstellerangaben ein. Dabei achtet man darauf, dass alle Pflanzenteile gut benetzt werden.

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