Wintergemüse

Keimsprossen einfach selber ziehen: Hier keimt Freude auf

Frische Sprossen, die aus einem Glas herausfallen
Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Mittwoch, 06.01.2021 - 08:10

Wer Anfang des Jahres schon Lust auf frische Produkte aus eigenem Anbau hat, kann Keimsprossen ziehen. Sie gedeihen schnell und schmecken gut. Eine Anleitung.

Den meisten Gartlern juckt es zu Beginn des Jahres schon in den Fingern: Die Vorfreude aufs Aussäen, die Lust auf frisches knackiges Gemüse aus eigenem Anbau steigt und steigt. Leider muss man sich dafür noch etwas gedulden. Eine gute „Übergangslösung“ mit schnellem Ergebnis und reicher Ausbeute sind Keimsprossen.

Gesunde Kraftpakete mit Wurzel und Samenschale

Dabei handelt es sich – anders als bei Grünkrautsprossen – um die ganzen Keimlinge von Saatgut. Das heißt, man isst das keimende Samenkorn samt Wurzel, oft sogar zusammen mit der Samenschale. Auch die Keimblätter lassen sich manchmal schon blicken. Durch die Keimung entwickeln sich die Samenkörner zu kleinen Kraftpaketen, denn es werden dabei viele Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß, Enzyme und Ballaststoffe freigesetzt. Die Keimsprossen schmecken je nach Pflanzenart nussig, scharf, süßlich oder würzig. Bereits nach wenigen Tagen sind sie „erntereif“.

Schritt für Schritt zu knackigen Keimlingen

Für die Anzucht von Keimlingen braucht man ein Sprossenglas samt Abtropfgestell (am besten ohne Plastik), verschiedene Keimsaaten und einen kleinen Teller zum Abtropfen des Wassers. So geht’s:

1. Saatgut einweichen

In einem Glas werden die Samen in Wasser eingeweicht.

Das Vorquellen der Keimsaaten in Wasser ist nötig, um die Keimung anzustoßen und zu beschleunigen. Außerdem verhindert es, dass die Samen gleich wieder austrocknen. Je nach Art des Saatgutes variiert die Einweichzeit, sie ist auf dem Päckchen angegeben. Bei einer Einweichdauer von acht Stunden oder mehr ist es praktikabel, die Keimsaat über Nacht in reichlich Wasser einzuweichen. Wenn die Einweichzeit nicht genau eingehalten wird, ist das nicht weiter schlimm: Dann dauert der Keimvorgang entsprechend ein bisschen kürzer oder länger. Danach gießt man das Wasser aus und spült die Samen eventuell noch mal mit frischem Wasser ab. Das Glas setzt man nun in das Abtropfgestell, das auf einem kleinen Teller steht. Optimal für die Sprossenanzucht sind Temperaturen zwischen 18 und 22 °C und ein schattiges Plätzchen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte man vermeiden.

Tipp:

Am Anfang unterschätzt man oft, welche Mengen an Keimlingen aus relativ wenig Saatgut entstehen. Deshalb ist folgende Menge pro Glas und Keimvorgang empfehlenswert: Von kleinen Saaten verwendet man etwa einen gehäuften Esslöffel und von großen Saaten etwa zwei gehäufte Esslöffel (bei einem Glas mit 0,75 l Inhalt).

2. Sprossen spülen

Das Glas mit dem speziellen Deckel unter fließendes Wasser halten und die Sprossen spülen

Man spült die Sprossen zweimal täglich – am besten morgens und abends – damit das Saatgut regelmäßig befeuchtet wird und der Keimvorgang nicht stoppt. Dabei schwenkt man das mit Wasser gefüllte Glas kräftig. Das Spülen verhindert außerdem, dass sich Schimmel bildet.

3. Wasser abtropfen lassen

Das Glas wird Kopfüber auf ein extra dafür vorgesehenes Metallgestell gestellt, damit das Wasser abtropfen kann.

Dann gießt und schüttelt man das Wasser gut ab und stellt das Glas schräg ins Abtropfgestell. So kann überschüssiges Wasser abfließen und die Luft zwischen dem Saatgut zirkulieren.

4. Sprossen ernten

Die fertig gekeimten Sprossen liegen auf einem Teller.

Die Keimlinge sind, je nach Pflanzenart, nach zwei bis zehn Tagen fertig zum Verzehr. Man erntet sie, wenn aus den Samen Wurzeln sprießen, bei manchen Arten wie Radieschen oder Rotkohl zeigen sich dann auch schon die Keimblätter. Am besten schmecken die Sprossen, wenn man sie sofort isst. Man kann sie aber auch in ein Gefäß geben und etwa zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Vor dem Verzehr spült man sie dann noch mal mit Wasser ab.

Tipp:

Keimsprossen schmecken würzig und sehen zudem sehr dekorativ aus. Deshalb kann man sie vielseitig in der Küche einsetzen. Besonders gut kommt der individuelle Geschmack der verschiedenen Pflanzenarten heraus, wenn man die Keimlinge einfach auf ein Butterbrot streut. Geschmacklich harmonieren sie hervorragend mit Ei oder asiatischen Gerichten, sie passen aber auch als essbare Dekoration zu vielen warmen Gerichten oder als Beigabe zu Salaten.

Wichtige Hinweise zu Hygiene und Gesundheit

Die Anzucht von Keimsprossen ist empfehlenswert. Trotzdem ist wichtig zu wissen, dass sie ein gewisses Gesundheitsrisiko bergen kann. Auf dem feuchten Saatgut, das bei Zimmertemperatur steht, können sich Pilze und Bakterien gut ansiedeln. Um dem vorzubeugen, sollte man einige Hinweise beachten:

  • In jedem Fall empfiehlt sich die Anzucht im Keimglas. Glas und Gitter sollte man nach jedem Durchgang gut reinigen. Das Glas kann man in den Geschirrspüler stellen oder mit heißem Wasser und Spülmittel ausspülen. Deckel und Sieb besser per Hand säubern. Das Sieb kann sich durch die ätherischen Öle, die in manchen Sprossen enthalten sind, mit der Zeit etwas verfärben.
  • Nicht zu viele Sprossen pro Durchlauf im Glas ziehen. Wenn das Glas zu voll ist, kann die Luft nicht mehr gut zirkulieren und das Wasser weniger gut abfließen. Wer viele Keimlinge benötigt, sollte sich besser mehrere Gläser anschaffen. Der Vorteil daran ist, dass man gleichzeitig verschiedene Sprossenarten ziehen kann.
  • Geruchsprobe durchführen: Wenn die Keimlinge muffig oder unangenehm süßlich riechen, ist das ein Hinweis, dass sie verdorben sind. Man kann sich hier gut auf sein Gefühl verlassen: Manche Keimsprossen, zum Beispiel von Rotkohl, riechen während der Keimung intensiv nach Kohl. Der Geruch von verdorbenen Keimlingen ist jedoch so unangenehm, dass man sie definitiv nicht essen will.
  • Freilich sollte man auch optisch prüfen, ob sich Schimmel auf dem Saatgut oder zwischen den Sprossen bildet. Dabei aber genau hinschauen: Manche Arten wie Radieschen bilden sehr feine weiße Faserwurzeln, die man leicht mit Schimmel verwechseln kann.
  • Empfehlenswert ist, nur Saatgut verwenden, das speziell für die Sprossenanzucht vorgesehen ist.

Vielfalt der Keimsprossen probieren

Die Sprossen und das Saatgut von Rotkohl. Die Sprossen haben schon eine leichte lila-blaue Farbe.

Für die Anzucht von Keimsprossen bietet der Handel spezielle Keimsaaten an. Diese haben ihren Preis, deshalb liegt der Gedanke nahe, bei manchen Pflanzenarten wie Getreide oder Hülsenfrüchte einfach günstigere Ware aus dem Supermarkt zu nutzen. Ob diese Körner besonders gut keimen, ist jedoch fragwürdig. Speziell für Keimlinge angebotenes Saatgut hat dagegen eine sehr hohe Keimrate.

Aus der Vielzahl von Keimsprossen haben wir eine kleine Auswahl getestet und geben einen Überblick über Einweichzeit, Keimdauer und beschreiben den Geschmack:

  • Bockshornklee: Einweichzeit 6 bis 8 Stunden, Keimdauer 3 Tage, Geschmack frisch, pikant, leicht nussig und säuerlich.
  • Fenchel: Einweichzeit 10 Stunden, Keimdauer 7 bis 10 Tage, Geschmack kräftig, süßlich, nach Anis.
  • Mungobohnen: Einweichzeit 12 Stunden, Keimdauer 4 Tage, Geschmack aromatisch nussig, leicht bitter, nach Bohnen, mehlig.
  • Radieschen: Einweichzeit 6 bis 8 Stunden, Keimdauer 3 bis 5 Tage, Geschmack leicht nussig, erdig, scharf im Abgang.
  • Roggen: Einweichzeit 12 Stunden, Keimdauer 3 Tage, Geschmack neutral bis leicht süßlich, getreidig.
  • Rosenklee: Einweichzeit 4 bis 6 Stunden, Keimdauer 3 Tage, Geschmack frisch, nussig, erbsig.
  • Rotkohl: Einweichzeit etwa 1 Stunde, Keimdauer 7 bis 9 Tage, Geschmack kohlig, nussig, leicht scharf.
  • Sonnenblume: Einweichzeit 2 bis 4 Stunden, Keimdauer 9 bis 10 Tage, Geschmack kernig, nussig, aromatisch, etwas scharf.
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