Gesundheitstipp

Jod tut Not

Anna Knon
Anna Knon
am Dienstag, 13.04.2021 - 14:20

Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat Jodmangel. Schilddrüsenexperten schlagen Alarm, denn eine Unterversorgung kanndie geistige Entwicklung beeinträchtigen.

Eine schwangere Frau im weißen T-Shirt und mit blonden Haaren steht vor einer gelben Wand und trinkt ein Glas Milch.

Die Zeiten, in denen schwere Jod-Mangelerscheinungen wie der Kropf bei Erwachsenen und der mit geistiger Behinderung einhergehende Kretinismus bei Kindern in Deutschland weit verbreitet waren, sind lange vorüber. Seit den 1980er Jahren, als das jodierte Speisesalz eingeführt wurde, gilt Deutschland nicht mehr als Jodmangelgebiet. Diesen Status sieht der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) jedoch gefährdet: Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist nicht mehr ausreichend mit Jod versorgt.

Vor allem während der Schwangerschaft, Stillzeit und der frühen Kindheit hat Jod einen wesentlichen Einfluss auf die kindliche Gehirnentwicklung. „Deutschland ist wieder ein mildes Jodmangelgebiet geworden“, sagt BDN-Experte Prof. Dr. med. Matthias Schmidt, Nuklearmediziner an der Uniklinik Köln. „Auch andere Studien zeigen, dass gerade junge Frauen im gebärfähigen Alter nicht die empfohlene Jodaufnahme erreichen.“ Diese liege für Jugendliche und Erwachsene bei 200 µg/Tag, während der Schwangerschaft bei 230 und für Stillende sogar bei 260 µg/Tag.

Jodmangel führt auch zu Intelligenzminderung

Werden diese Werte deutlich unterschritten, kann es bei Erwachsenen zu Jodmangelstörungen wie einer Größenzunahme der Schilddrüse (Kropf) oder der Bildung von Schilddrüsenknoten kommen. Außerdem trägt Jod zu einer Vielzahl anderer Körperfunktionen bei – etwa zur Knochenbildung, der Regulation von Blutdruck und Stoffwechsel sowie zur Immunabwehr. „Besonders gefährlich ist ein Jodmangel jedoch für Ungeborene und Kleinkinder“, betont Schmidt. Die Schilddrüsenhormone seien essenziell für das kindliche Wachstum und die Gehirnentwicklung.

Ernährungstrends fördern Defizite bei Jodversorgung

Die Ursachen für die abnehmende Jodversorgung sind vielfältig: Zum einen besteht ein – im Hinblick auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit an sich positiver – Trend zu geringerem Kochsalzkonsum. Zum anderen setzt sich zunehmend vegetarische oder vegane Ernährung durch, bei der auch auf Milchprodukte als wichtige Jodlieferanten verzichtet wird. In Mode ist es auch, mit als besonders naturrein geltenden, nicht-jodierten Speisesalzen zu würzen.

Der Hauptgrund für die unzureichende Jodversorgung dürfte aber in der zunehmenden Verwendung verarbeiteter Lebensmittel liegen. Diese liefern heute den Hauptanteil des Salzes, das wir aufnehmen – werden aber meist mit unjodiertem Salz hergestellt. Ein Weg, um dem Jodmangel zu begegnen, könnte daher in der Verpflichtung von Lebensmittelherstellern liegen, in ihren Produkten ausschließlich jodiertes Speisesalz zu verwenden. Auch die Anhebung des Jodgehalts in jodiertem Speisesalz von derzeit 20 µg auf 25 µg pro Gramm Salz könnte zur ausreichenden Versorgung mit Jod beitragen.

Mit Material von Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner
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