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Gesundheit

Infektion: Nachgefragt in Sachen Corona

Immunabwehr
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Redaktion Wochenblatt
am Montag, 23.03.2020 - 10:02

Klare Informationen über Corona helfen, Verunsicherung, Angst und Panik einzudämmen. Wir haben beim Bayerischen Gesundheitsministerium zu Grundlegendem im Zusammenhang mit der Pandemie nachgefragt.

Unsere Fragen hat die Pressestelle des Bayerischen Gesundheitsministeriums beantwortet:

Zu den Risikogruppen gehören außer alten Menschen auch Menschen mit Vorerkrankungen, was ist damit konkret gemeint?

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zählen zu relevanten Vorerkrankungen beispielsweise Lungenerkrankungen wie COPD, Asthma oder Lungenfibrose. Des Weiteren zählen auch Menschen mit Krebserkrankungen, Diabetes oder Personen, die eine Organtransplantation hinter sich haben, zur Risikogruppe.

Gehört zu den Vorerkrankungen auch, wenn man in den letzten Wochen an einer Influenza (Grippe) gelitten hat?

Streng genommen gehört nach Angaben des LGL die Influenza nicht zu den Vorerkrankungen. Jedoch ist klar: Eine noch nicht auskurierte Influenzaerkrankung kann eine Covid-19-Infektion ungünstig beeinflussen.

Zu den Risikogruppen gehören auch Menschen, die immunschwächende Medikamente einnehmen müssen. Welche Wirkstoffe sind das? 

Die Patienten finden die Wirkstoffnamen auf der Verpackung und in der Gebrauchsinformation der Arzneimittel. Zu den Immunsuppressiva gehören Glucocorticoide, z. B. Hydrocortison, Methylprednisolon, Prednisolon und Prednison, Zytostatika, z. B. Azathioprin, Cyclophosphamid, Mehotrexat, Mitoxantron und Mycophenolatmofetil, mTOR-Inhibitoren, z.B. Sirolimus und Everolimus, Hemmstoffe der Calcineurin-Aktivierung, z.B. Ciclosporin A, Tacrolimnus und Pimecrolimus, Antikörper/Biologicals, z.B. Interleukin-Inhibitoren wie Basiliximab oder Ustekinumab), TNF-alpha-Inhibitoren wie z. B. Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Infliximab Antikörper, z. B. Belatacept.

Menschen ab 60 Jahren wird zu Pneumokokken-Impfung geraten. Ist der Impfstoff in genügender Menge vorhanden? 

Die Pneumokokken-Impfung wird für Personen empfohlen, die aufgrund einer Grundkrankheit ein erhöhtes Risiko für Pneumokokken-Erkrankungen oder im Falle einer Pneumokokken-Erkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Aufgrund der sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach Pneumokokkenimpfstoffen meldeten die Hersteller Ende der vergangenen Woche Lieferengpässe an das Paul-Ehrlich-Institut. Die in Deutschland zur Verfügung stehenden Pneumokokkenimpfstoffe Prevenar 13 und Pneumovax 23 sind bis auf weiteres nur eingeschränkt lieferbar. Um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen mit den noch verfügbaren Impfstoffdosen möglichst effektiv und entsprechend ihrem Risiko zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) folgende Priorisierung:

Pneumovax 23 soll in erster Linie für Patienten mit Immundefizienz, Senioren ab dem Alter von 70 Jahren und Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen verwendet werden.

Prevenar 13 soll ausschließlich für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von 2 Jahren verwendet werden.

Ist es sinnvoll, sich jetzt gegen Influenza impfen zu lassen?

Die Influenzaimpfung schützt nicht vor Covid-19. Allerdings können nach Angaben des LGL Influenzainfektionen schwer verlaufen und eine Versorgung der Patienten in einem Krankenhaus oder auf einer Intensivstation erforderlich machen. Im Hinblick auf die zu erwartende Zunahme der Covid-19-Patienten, gilt es, die zusätzliche Belastung des Gesundheitssystem durch weitere Erkrankungen zu reduzieren. Die Grippewelle hat in Deutschland dieses Jahr Mitte Januar 2020 begonnen und hält seitdem an. Laut Informationen des RKI ist die Influenza-Aktivität bundesweit im Vergleich zur Vorwoche wieder angestiegen. In Bayern sind zwar die gemeldeten Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche etwas zurückgegangen, das Ende der diesjährigen Grippewelle lässt sich aber nicht genau vorhersagen. Auch zu diesem späten Zeitpunkt kann nach Angaben des LGL deshalb eine Impfung gegen Influenza noch sinnvoll sein. Nach der Impfung dauert es rund 14 Tage, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat.