Gewässerschutz

Industriechemikalien in Gewässern

Fisch
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Freitag, 17.04.2020 - 15:37

Das niedersächsische Verbraucherschutzministerium rät von einem regelmäßigen Verzehr von Flussfischen ab.

Hannover - Zwischen Oktober 2018 bis Dezember 2019 hat das Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) 164 Flussfische im Auftrag des Niedersächsischen Verbraucherschutzministeriums untersucht. Sie stammen aus Elbe, Ems, Weser, Aller und Oste.

Aus den Ergebnissen zu den einzelnen PFAS-Substanzen können folgende Schlussfolgerungen abgeleitet werden: In allen untersuchten Fischproben wurde PFOS nachgewiesen. Der Median der PFOS Konzentrationen im Muskelgewebe der Fische beträgt 7,8 μg/kg.

Der im letzten Jahr von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aktualisierten Risikoeinschätzung zufolge würde die empfohlene wöchentliche Aufnahmemenge für PFOS durch den Verzehr der untersuchten Flussfische häufig überschritten. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes rät das Niedersächsische Verbraucherschutzministerium, von einem regelmäßigen Verzehr von Flussfischen Abstand zu nehmen.

Was untersucht wurde

Bei Brassen, Aale und Zander ging es um die Untersuchung auf perfluorierte Alkysubstanzen (PFAS), Dioxine und dioxinähnliche PCB, Pestizide und Industriechemikalien aus dem Spektrum der chlorierten Kohlenwasserstoffe und Schwermetalle. Darüber hinaus bildet die Untersuchung der Fische auf antibiotikaresistente Keime einen weiteren Schwerpunkt.

Die Untersuchung der Fische auf PFAS ist bereits vollständig abgeschlossen und ausgewertet. Die PFAS-Untersuchungen umfassten die Substanzen Perflouroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) als Leitsubstanzen der PFAS-Verbindungsklasse sowie neun weitere PFAS-Substanzen.

PFAS sind bundesweit häufig vorkommende Schadstoffen. Eine deutliche PFOS-Belastung gibt es beipielsweise in der Region nördlich von München.

Die Verzehrempfehlung wird hinsichtlich weiterer Parameter aktualisiert, sobald alle Untersuchungen vollständig ausgewertet sind. Der Abschlussbericht wird Ende April erwartet.

Hintergrund

Durch die EFSA erfolgte im Dezember 2018 die vorläufige Neubewertung der toxikologischen Referenzwerte für PFOS und PFOA durch die Festlegung eines sogenannten TWI-Wertes (Tolerable Weekly Intake). Der TWI-Wert gibt die maximal tolerierbare wöchentliche Menge einer Substanz pro kg Körpergewicht an, unterhalb der bei lebenslanger Aufnahme keine nachteiligen, gesundheitlichen Auswirkungen erwartet werden. Der für PFOS empfohlene tolerierbare Wert einer täglichen Aufnahmemenge liegt bei 1,8 ng/kg Körpergewicht, was einem TWI-Wert von 13 ng/kg Körpergewicht entspricht. Für PFOA wurden in der vorläufigen Neubewertung eine tägliche Aufnahmemenge von 0,8 ng/kg Körpergewicht und ein TWI-Wert von 6 ng/kg Körpergewicht abgeleitet.

Bei einem täglichen Verzehr von 300 g Fischfilet durch eine 60 kg wiegende Person (Worst-Case Szenario der EFSA) wären, basierend auf den aktuellen Werten nach vergleichbaren Modellrechnungen (und Vereinfachungen), PFOS-Gehalte im Muskelgewebe von Fischen ab 0,36 µg/kg und PFOA-Gehalte ab 0,16 μg/kg (Orientierungswerte) als problematisch anzusehen.

Unter dem folgenden Link finden Sie die aktuelle Verzehrempfehlung für Flische aus Niedersächsischen Flüssen zum Download: