Lebensmittel

Imkern auf Chinesisch

Walter Haefeker, Europäischer Berufsimkerverband
am Dienstag, 18.02.2020 - 16:06

China ist für Europa und Deutschland eines der Hauptimportländer für Honig. Was spielt sich dort ab?

Honig

Wenn man versucht, die Zahl der Bienenvölker in China in Relation zum Honigkonsum im Land und den Honigexporten zu setzen, ergeben sich astronomische Erträge pro Volk. Da liegt der Verdacht nahe, dass mit Reissirup kräftig nachgeholfen wird. Dies ist aber nur ein Teil der Antwort. Die andere liegt in der Betriebsweise.

Wenn die Bienen Nektar eintragen und diesem dann das Wasser entziehen müssen, dann kostet beides viel Zeit und Arbeitsleistung des Bienenvolkes. In China hat man dieses Problem nahezu flächendeckend dadurch gelöst, dass man den Bienen die zweite Aufgabe abnimmt und statt dessen maschinell in der Honigfabrik trocknet. Während der Tracht wird schon nach wenigen Tagen geerntet; dann sind die Bienen wieder frei, um weiter Nektar einzutragen. Ein sehr hoher Prozentsatz des Honigs wird unreif bei fast 30 % Wassergehalt geerntet und bedarf erheblicher Nachbearbeitung. Die Betriebsweise lässt den Bienen viel zu wenig Zeit, um ausreichend Enzyme einzubringen. Dafür gibt es synthetische Abhilfe aus der Retorte.

Wettlauf zwischen den Panschern und Ermittlern

Die unreife „Suppe“ mit zu hohem Wassergehalt und wenig Enzymen ist häufig schon in Richtung Met unterwegs, wenn sie in der Honigfabrik ankommt. Entsprechend müssen erst mal die Gärung gestoppt und die Hefen herausgefiltert werden. Bei so einem Ausgangsprodukt spielt es dann auch keine allzu große Rolle mehr, wenn zusätzlich noch mit Sirup gearbeitet wird.

Spuren dieses Herstellungsprozesses sind an vielen Parametern erkennbar, Honiglabore können sie entdecken. Jedoch werden immer trickreichere Verfahren eingesetzt, um diese zu verwischen. Das Wettrennen zwischen den Honigproduzenten in China und den Laboren vor allem in Deutschland geht weiter, und erwischt werden eher die kleinen Fische, die noch nicht alle Tricks beherrschen. Große Hoffnungen setzt man inzwischen auf die NMR-Methode (Kernspinresonanzspektroskopie).

China kauft hochwertigen Honig jetzt bei uns

Es gibt schon Klagen über zu strenge Kontrollen der chinesischen Produkte, vor allem in Deutschland. Andererseits gibt es zunehmend chinesische Einkäufer, die in Europa nach hochwertigem Honig suchen, weil mit höherem Lebensstandard ein Teil der chinesischen Kunden die gleichen Ansprüche an Qualität und Lebensmittelsicherheit stellt wie die Verbraucher in Deutschland.

2018 habe ich in China die Fakten weiter erhärten können. Durch meine Veröffentlichungen, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, ist die Industrie unter Druck geraten und versucht nicht etwa, die Produktionsmethoden zu verbessern, sondern es läuft auf verschiedenen Kanälen Lobby­arbeit, um die Praktiken zu legalisieren.

Die Schuld an der Situation ist keinesfalls allein bei den Chinesen zu suchen. Der internationale Honighandel verlangt billige Ware und möchte eine Garantie vom Hersteller, dass die Panscherei von so hoher Qualität ist, dass die Labore erfolgreich ausgetrickst werden.