Garten

Hochbeet: Ganzjährige Gemüsefreuden

Frost-Abdeckung
Marianne Scheu-Helgert
am Freitag, 12.03.2021 - 09:59

Ein Hochbeet lässt sich das ganze Jahr über nutzen. Das klappt, wenn man die Kulturfolge geschickt plant, mit Augenmaß pflanzt und sät.

Hochbeete versprechen dem Gartler paradiesische Bedingungen: Sie ersparen lästiges Bücken, schaffen ein gutes Kleinklima für die Pflanzen und enthalten zumeist unkrautfreies Substrat. Wer ein solches „Wunderbeet“ hat, sollte es auch effizient über alle zwölf Monate im Jahr nutzen. Der Klimawandel und die dadurch milderen Winter kommen uns dabei sehr entgegen. Damit die Kapazitäten des Hochbeets voll ausgelastet sind, kann man sich einen genauen Plan machen.

 

Den Platz schon im Frühjahr genau verplanen

Fruehling-Radieschen-Erbsen

Bereits im Frühjahr, Anfang März, beginnt der Gemüsereigen mit Gartenkresse, Salaten, Radies und Palerbsen. Gegen Spätfröste schützt ein Vlies. Als zusätzliche Dämmung kann man Doppelstegplatten über das Hochbeet legen.

Wichtiger als die ersten Ansaaten werden für die meisten Gartler die fruchtigen Sommergemüse sein. Es ist daher empfehlenswert, schon im März die Stellen zu markieren, an denen ab April im Abstand von gut 50 cm Kartoffeln stehen sollen oder ab Mai Tomaten, Gurken und Paprika im gleichen Abstand. Diese Pflanzstellen beziehungsweise deren Reihen selbst kann man derweil für kurzlebige Gartenkresse, Radieschen, Schnittsalat oder Salatrauke nutzen.

In die Zwischenräume kommen länger stehende Kohlrabi, Salate oder Spinat. Die bereits im März ausgepflanzten oder ausgesäten Erbsen, Möhren und Zwiebel stehen bis Sommer und brauchen daher einen eigenen Platz zusätzlich zu den Fruchtgemüsen.

 

Auch eine Ecke für Kräuter frei halten

Sommer-Tomaten

Hervorragend wachsen im Hochbeet auch allerlei Kräuter. Kurzlebige Kräuter wie Basilikum oder Rauke setzt man entlang der Längsseiten an den Rand. Dort kann man sie gut ernten, sie können etwas überhängen und bekommen ausreichend Licht. Ein Tipp fürs Auspflanzen von Basilikum: Am einfachsten ist es, ein junges Kräutertöpfchen zu kaufen, es in sechs bis zehn Büschel zu teilen und auszupflanzen. Dann entwickeln sich die Pflanzen am besten.

An die Schmalseiten pflanzt man Dauerkräuter wie Schnittlauch, Thymian und Oregano, oder auch Erdbeeren – am liebsten remontierende Sorten von Monatserdbeeren wie ‘Rügen’.

 

Ein Platz an der Sonne an der Beet-Südseite

Zucchini, Kürbis und Melonen finden ihren Platz am besten am südseitigen Rand des Hochbeets, dort können sie überhängen. So lässt sich der „Platz an der Sonne“ für die Pflanzen noch besser ausnutzen.

 

Freiwerdende Stellen optimal nutzen

Sommer-Nachpflanzung-Zwiebeln-Salat

Bei Tomaten wählt man gegen Krautfäule robuste Sorten wie ‘Primabella’ oder ‘Philovita F1’, sie werden am Stab aufgeleitet. Zusammen mit Paprika stehen die Pflanzen meist bis zum Frost. Doch auch das kann man nutzen, denn nach dem Hochsommer gibt es oft wieder Licht unter den Tomatenpflanzen. Das sind ideale Bedingungen für etwas Kresse oder ein paar Radieschen, bei mehr Platz auch mal für einen Pflücksalat.

Wichtig: Reich bestückte Hochbeete brauchen auch entsprechende Mengen an Wasser! An heißen Tagen gießt man täglich 3 Liter Wasser pro m² oder besser alle zwei Tage 6 l oder alle drei Tage 9 l. Bei extrem heißen Temperaturen kann sich der Wasserbedarf auch verdoppeln.

Mark-Erbsen (Saat im April), Frühkartoffeln und -möhren ernte man im Juli, Zwiebeln im August. Gurken, die an einem Stab oder einer Stabpyramide aufgeleitet wurden oder seitlich über die „Bordwand“ hängen, sterben oft im September ab.

 

Salate für Herbst und Winter einplanen

Ab Ende Juni gilt es, entstehende Lücken schnell und planvoll zu ergänzen mit Gemüsen, die im Herbst oder gar erst im Laufe des Winters geerntet werden. Das kann ab Juli Chinakohl sein, ab August Zuckerhut, Radicchio und Senfkohl (Pak Choi) und gern auch nochmals Frühlingsgemüse wie Frührettich oder Salate. Feldsalat sät man mehrmals büschelweise in Multitopfplatten und pflanzt drei Wochen später ins Hochbeet aus. Er hält sich über den ganzen Winter auf dem Beet.

Damit diese Kulturen keinen Schaden nehmen, holt man kurz vor den ersten Frösten im Oktober das Verfrühungsvlies wieder aus dem Schuppen, es bleibt bis Februar griffbereit.

 

Vier Praxistipps fürs Gärtnern im Hochbeet

  1. Baumaterial: Ob man sein Hochbeet aus Holz, Beton, Natursteinen, Kunststoff oder ganz individuell fertigt, ist völlig dem eigenen Geschmack überlassen. Man sollte sich aber bewusst sein, dass Holz nach wenigen Jahren verrottet. Dieser Prozess lässt sich hinauszögern durch hochwertige Hölzer wie Lärche oder Kiefer. Außerdem kann man an den Innenseiten der Wände eine Drainmatte verlegen – ähnlich wie an den Außenwänden von Kellern – deren Noppen einen Luftraum zum Holz und somit Abstand zur Erde schaffen.
  2. Maße: Wichtig ist, sich vor dem Bau Gedanken über die Maße zu machen: Günstig ist für Erwachsene eine Beetbreite von 1,2 m, für Kinder eher 1 m. Die Länge sollte 4 m nicht weit überschreiten, sonst werden die Wege zu lang. Eine ideale Höhe sind 80 cm, für Kinder darf es auch etwas niedriger sein. Günstig ist, bei einer Seitenlänge von mehr als 2 m Spanndrähte im Inneren des Hochbeetes anzubringen, die die langen Seitenwände am Ausbeulen hindern.
  3. Wühlmäuse, Schnecken & Co: Nach unten hin verlangen sehr viele Beschreibungen immer eine Drahtmatte zum Schutz gegen Wühlmäuse. Das kann in Gärten mit Wühlmausbefall durchaus sinnvoll sein. Bei einem solchen Befall wäre es aber langfristig für den gesamten Garten besser, eine Falle aufzustellen. Dann kann man auch auf die Drahtmatte verzichten. Frisch gebaute Hochbeete bleiben zunächst oft von Schnecken verschont. In kühlen Nässeperioden finden die Schädlinge aber meistens trotzdem den Weg hoch zum Gemüse. Stehen die Hochbeete etwas isoliert, lassen sich die schleimigen Mitesser durch Absammeln leicht in Schach halten. Sollte beim Anbau von Kohlgewächsen oder Zwiebeln ein Befall der Kohl- oder Zwiebelfliege oder mit Erdflöhen auftreten, lassen sich Hochbeete auch gut mit feinmaschigen Netzen (Maschenweite 0,8 mm) gegen die Schädlinge schützen.
  4. Standort: Generell steht ein Hochbeet am besten in voller Sonne, auch wenn man dann mehr gießen muss. Schatten schränkt das Wachstum des Gemüses und vor allem der Kräuter ein. Gut ist, wenn die lange Seite südseitig ausgerichtet ist, bei völlig freistehenden Hochbeeten ist dies aber weniger relevant. „Gefährlicher“ als so manche Schädlinge sind Bäume, die in der Nähe des Hochbeets wachsen. Sie werden die Hochbeete bald von unten her durchwurzeln, wenn die Füllung direkten Bodenkontakt hat. Ein solcher ist zwar grundsätzlich besser, wegen der Regenwürmer und der Wasserversorgung, hier gilt es aber abzuwägen. Im Schaugarten der Bayerischen Gartenakademie wurde die gute Erde des Kistengartens nach unten hin mit einer Teichfolie gegen eine „einnehmende“ Erle in fünf Meter Entfernung gesichert. Als Ausgleich wurde der Kistengarten und das Hochbeet an eine Tropfbewässerung angeschlossen. Staunässe muss man nicht befürchten, so dicht sind die wenigsten Hochbeete.
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