Gartentipp

Hilfe bei Rost auf Liebstöckel

Liebstöckel-Rost-3-Phasen-Pilzbefall
Christoph Hoyer
am Donnerstag, 10.06.2021 - 06:15

Seit 2015 gibt es in Deutschland einen Rostpilz, der das Laub der Liebstöckel/Maggikraut befällt. Mit diesen Maßnahmen bekämpft man den Befall.

Eine Wochenblatt-Leserin fragte: 

1-Rost-Blattoberseite

"Mein Liebstöckel bekommt immer im Frühjahr auf der Blattoberseite gelbe und auf der Blattunterseite schwarze Flecken. Ich weiß mir nicht damit zu helfen und schneide die befallenen Blattteile einfach ab. Was befällt meine Pflanze da und kann ich langfristig etwas dagegen tun?"

Wir antworteten:

2-Rost-Blattunterseite

Liebstöckel oder Maggikraut (Levisticum officinale) ist eine beliebte Gewürzstaude. Allgemein gilt die Pflanze als robust. Doch genauer betrachtet wird sie durchaus von Krankheitserregern und Schädlingen befallen. Neben verschiedenen pilzlichen Blattfleckenerregern tritt seit einigen Jahren ein Rostpilz an der Pflanze auf, der neben den Blättern auch die Blattstängel befällt und bei heftigeren Infektionen zum vorzeitigen Absterben des Laubs führt.

Der Pilz kursiert seit 2015 in Deutschland

3-Rost-fortgeschritten

Der Pilz mit dem botanischen Namen Puccinia bornmuelleri wurde von dem Botaniker Josef Bornmüller auf einer Reise (1892 bis 1893) nach Südpersien entdeckt. In Europa ist der Rostpilz seit dem Jahr 2000 bekannt. Anfänglich wurde er in Osteuropa, später in Österreich beschrieben. In Deutschland ist er seit ungefähr 2015 bekannt.

Rostpilze haben oftmals eine komplizierte Biologie. Es werden in der Regel mehrere Sporenformen gebildet und einige Arten benötigen für ihren vollständigen Vermehrungszyklus auch einen Wechsel zwischen verschiedenen Wirtspflanzen, wie wir es auch vom Birnengitterrost kennen, der sowohl auf Birne als auch auf Wacholderarten vorkommt.

Beim Liebstöckelrost gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Wirtswechsel. Das heißt, alle drei bekannten Sporenformen entwickeln sich auf dem Liebstöckel. Die braunen Sporen werden in Sporenlagern auf Blättern und Stängeln gebildet.

Ab Ende Mai zeigen sich auf dem Blatt runde, gelbe Flecke. Auf der Blattunterseite findet man braune, stäubende Sporenlager. Im Laufe der Krankheitsentwicklung werden die Flecken größer und das infizierte Gewebe stirbt unter Braunfärbung ab. Auch Stängel sind betroffen. Zusätzlich können sich blasenartige Sporenlager entwickeln, in denen sich ebenfalls braune Sporen bilden. Befallene Blätter sind nicht mehr verwertbar.

Maßnahmen gegen Rost

Eine Bekämpfung mit Fungiziden ist im Haus- und Kleingarten schwierig, zur Zeit gibt es keine zugelassenen Präparate. Häufig wird daher der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln, wie Schachtelhalm- oder Minzebrühe und Knoblauchextrakt empfohlen. In der Praxis ist aber erfahrungsgemäß keine ausreichende Wirkung zu erwarten.

Die einzige Möglichkeit mit dem Rostbefall zu leben, ist ein regelmäßiger, kräftiger Rückschnitt, der den Neuaustrieb anregt. So kann man für eine gewisse Zeit junge, befallsfreie Blätter ernten.

Haben Sie auch eine Frage an uns?

Schicken Sie uns ihre Frage an:

  • Per Post: Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt, Lothstraße 29, 80797 München
  • Per E-Mail: karla.goerner@dlv.de
  • Per Fax: 089-12705-130

Unseren letzten Beitrag aus der Reihe "Schreiben Sie dem Wochenblatt" finden sie hier. Darin beantworten wir die Frage, wie man den Grauschleier auf Fliesen entfernen kann. 

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt