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Exotische Pflanzen

Heimatgefühle durchs Garteln

Sophia Gottschaller
Sophia Gottschaller
am Mittwoch, 27.07.2022 - 15:10

Shirly Roppert baut in ihrem Garten in Niederbayern Exoten aus ihrer Heimat, den Philippinen, an. Ihre Erfahrungen zum Anbau von Süßkartoffeln, Bittermelonen, Zitronengras und Co. gibt sie gerne an unsere Leserinnen weiter.

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Zitronengras kennt man bei uns in Bayern nur aus dem Asia-Shop, und von einer Bittermelone oder von Jamaika-Thymian haben die meisten Leute hier noch nie etwas gehört. Trotzdem wachsen diese drei Exoten nicht nur in Asien, sondern auch bei uns. Das beweist die Philippinin Shirly Roppert in ihrem Garten im niederbayerischen Vilsheim (Lks. Landshut).

Vor 18 Jahren lernte sie ihren Mann Josef über eine Kontaktanzeige im Wochenblatt kennen. Nachdem die beiden geheiratet hatten und Shirly nach Deutschland kommen durfte, dauerte es eine Weile, bis sich die Philippinin auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Vilsheim richtig daheim fühlte. „Geholfen hat mir dabei der Garten“, erzählt sie. Nach und nach durfte sie ihn von Josefs Mutter übernehmen und heute ist er ihr ganzer Stolz. Sie bewirtschaftet ihn mit ihrer positiven Einstellung: „Egal, was man im Leben macht, ob garteln, kochen oder arbeiten – man muss es mit Liebe tun, dann funktioniert es gut!“

Shirly hat Zier- und Nutzgarten klar getrennt und in ihrem kleinen, feinen Nutzgarten baut sie alles an, was der Familie schmeckt und was sie an ihre Heimat erinnert. Ihre Cousine hat ihr letztes Jahr Bohnen-Saatgut von den Philippinen mitgebracht. Die Bohnen gedeihen prächtig und auf diese Ernte freut sich die Bäuerin schon besonders.

In ihren vier Hochbeeten und im Gewächshaus wachsen allerlei Exoten. Für den Anbau teilt Shirly gerne ihre Erfahrungen:

Süßkartoffeln pflanzen

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Die Philippinin baut auch Süßkartoffeln mit Vorliebe im Garten an. Dafür setzt sie ganze Knollen aus dem Supermarkt oder einzelne Stücke in mehrere Plastiktöpfe. Gut eignen sich die Töpfe, in denen man Champignons kaufen kann. Die Knollen werden im März fast vollständig mit Erde bedeckt und regelmäßig gegossen, dann treiben sie aus. Ende Mai werden sie ins Hochbeet ausgepflanzt und wachsen dort hervorragend. Shirly erntet ab Ende August, Anfang September nach und nach. Die Knollen haben dann, ähnlich wie Kartoffeln, prächtige Tochterknollen gebildet. Spätestens vor dem Frost müssen sie aus dem Boden. „Frisch schmecken sie besonders gut, man kann sie aber auch gut lagern“, erklärt die Bäuerin.

 

Bittermelone, Auberginen, Chilis und Paprika ziehen:

Bittermelone

Diese Gemüse zieht die Philippinin selbst aus Samen. Sie empfiehlt, damit schon im Februar zu starten. Am besten gedeihen die Pflanzen in einem warmen Zimmer auf einem sehr hellen Fensterbrett. Die Bittermelone wächst ab Ende Mai im Gewächshaus weiter. Die Kletterpflanze ist mit ihrer warzenartig gemusterten Schale und den eingekerbten Blättern ein Blickfang. Zum Kochen verwendet man das leicht bitter schmeckende Fruchtfleisch, die Kerne entfernt man. Die Bäuerin brät die Bittermelone zusammen mit Eiern und Kräutern an oder macht daraus Salat.

Auberginen, Paprika und Chilis dürfen nach den Eisheiligen ins Hochbeet. Sie freuen sich über Dünger und reichlich Wasser, ansonsten sind sie pflegeleicht. Aus den Paprika und Chilis macht Shirly unter anderem eine scharfe Paste, die Auberginen passen gut in Currys und schmecken mit Sojasoße.

Exotische Kräuter überwintern

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Zitronengras ist eines der klassischen Kräuter der asiatischen Küche und schmeckt – sein Name lässt es vermuten – zitronig. Es macht sich zum Beispiel hervorragend zusammen in fruchtig-frischen Currys mit Kokosmilch. Die hübsche, grasartige Pflanze ist bei uns zwar nicht winterhart, wächst aber gut im Kübel und wird zusammen mit den anderen Kübelpflanzen überwintert.

Jamaika-Thymian ist nicht mit Thymian verwandt, den Namen hat das Kraut durch seinen thymianartigen Geschmack bekommen. „Die fleischigen Blätter kann man wie Thymian verwenden und sie bei einer Erkältung zum Beispiel zu Tee aufbrühen“, empfiehlt die Bäuerin. Wenn man sie pur isst, haben sie eine interessante, salzige Note.

 

Rot, gelb, lila, weiß: Das Blumenbeet in Dauerblüte

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Der Blumenschmuck der Ropperts schmiegt sich an die Ost- und Südseite des Bauernhauses. Das Balkongeländer des Hauses mit den schmucken Verzierungen hat Josef in Handarbeit feinsäuberlich ausgesägt. Shirly bringt es jetzt jedes Jahr mit Petunien zum Blühen, genauso wie die Terrasse mit Sitzplatz direkt vor dem Haus.

Den zweiten Sitzplatz der Familie säumt Shirlys dauerblühendes Blumenbeet. Sie hat es so bepflanzt, dass sich die Familie dort vom Frühjahr bis in den späten Herbst über Blüten freuen darf: Im Frühjahr blühen erst rote und gelbe Tulpen, danach zeigt der Zierlauch seine opulenten, lila Blütenbälle. Direkt im Anschluss verwandeln unzählige, hohe Feinstrahlastern das Blumenbeet in ein weißes Blütenmeer. Ab Mitte Juli sorgen darin Gladiolen und Sonnenblumen für farbige Leuchtpunkte. Die Sonnenblumen werden gepflanzt, die Knollen der Gladiolen lässt die Bäuerin einfach über den Winter im Boden und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Für das herbstliche Finale sorgen selbst gezogene Herbstastern.

Und auch in diesem Teil des Gartens wird Shirlys Herkunft deutlich: An einem Fahnenmast weht die philippinische Flagge, selbstverständlich direkt neben der bayerischen.

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