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Gesundheit

Haut: Schützen und schonen ist die Devise

Ein wichtiger Tipp ist, die Hände auch vor der nächsten Arbeit einzucremen.
Petra Stemmler-Richter, SVLFG
am Montag, 08.08.2022 - 09:44

Die Landwirtschaftliche Krankenkasse rät, rechtzeitig mit Hautveränderungen zum Arzt zu gehen. Mit Hilfe des berufsgenossenschaft-lichen Hautarztverfahrens lässt sich so einer Berufsunfähigkeit vorbeugen.

Beim Melken helfen Gummihandschuhe - und wenn die Haut besonderns auch zwischen den Fingern schon geschädigt ist, ist es sinnvoll, darunter Baumwollhandschuhe anzuziehen.

Martin L. ging es wie vielen in der Landwirtschaft Beschäftigten. Über Jahre litt er an starken Hautbeschwerden. „Je nach Wetterlage hatte ich im Herbst und Winter monatelang Schmerzen. Es war kaum auszuhalten“, erinnert er sich. L. nahm die Beschwerden viel zu lange hin, weil er dachte, das sei in seinem Beruf nicht vermeidbar. „Bei meinem Vater war das ganz ähnlich gewesen. Meine Eltern sagten mir immer, das ist halt so. Das gehört zum Beruf“, erzählt der Landwirt. Heute weiß er: „Das ist Quatsch, das muss nicht so sein.“

Inzwischen ist L. sehr zufrieden mit dem Zustand seiner Hände. Seine Haut ist jetzt gesund und gepflegt. Die tiefen, blutenden Risse zwischen den Fingern, der Juckreiz und die rauen Stellen sind Geschichte. Die Wende brachte sein erster Besuch beim Hautarzt. Der Dermatologe hat die Haut sorgfältig untersucht und cortisonhaltige Medikamente verschrieben, die schnell Linderung brachten.

Beratung durch die SVLFG

Weil die Beschwerden mit der beruflichen Tätigkeit von Martin L. zusammenhingen, schaltete der Mediziner die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) ein.

Dieter Thölken ist Präventionsexperte der SVLFG und Spezialist für Beratungen im Rahmen des Hautarztverfahrens. Er besuchte den landwirt. Martin L. erinnert sich: „Herr Thölken erkundigte sich, welche Beschwerden ich habe und wie mein Arbeitstag aussieht. Dann stellte er mir einen Plan zusammen, wie ich meine Hände schonender reinigen und besser schützen und pflegen kann.“ Ein halbes Jahr versorgte die SVLFG den Landwirt mit hautschonenden Reinigungsmitteln, Schutz- und Pflegecremes sowie Arbeitshandschuhen für verschiedene Zwecke. Nach dem Erstgespräch besuchte Dieter Thölken den Landwirt noch zweimal, um zu besprechen, ob die Produkte passend waren und ob sich der Gesundheitszustand verbessert hat.

Wie man Hände schont

Bei Nassarbeiten sollten  grundsätzlich Handschuhe getragen werden.

Martin L. hat im Rahmen des Hautarztverfahrens gelernt, dass er aktiv werden muss, um seine Haut zu schützen. Denn Tierhaltung, Ackerbau und Werkstattarbeiten verlangen ihr viel ab. Vor allem der Wechsel zwischen Wärme und Kälte sowie Feuchtarbeiten führen bei L. schnell zu Hautirritationen. L. hält sich konsequent an die Empfehlungen von Dieter Thölken und nutzt die für ihn passenden Produkte regelmäßig. So erholte sich die kranke Haut nach und nach.

Heute braucht er die cortisonhaltige Creme vom Hautarzt kaum noch. Besonders hilfreich waren für L. zwei Tipps, aufgrund derer er sein Verhalten veränderte: „Ich trage jetzt immer Baumwollhandschuhe unter den Arbeitshandschuhen und achte sehr darauf, dass ich keine feuchten Hände bekomme. Lieber wechsle ich die Handschuhe einmal mehr. Im Winter verwende ich gefütterte Arbeitshandschuhe. Zur Reinigung nehme ich eine milde Seife ohne Duftstoffe. Abends creme ich meine Hände gut ein.“ Wenn Martin L. das Gefühl hat, seine Hände brauchen intensivere Pflege, nimmt er mehr Creme und trägt Baumwollhandschuhe darüber. So kann die Pflegecreme über Nacht gut einziehen.

Dranbleiben lohnt sich

L. ist hochzufrieden mit der Beratung der SVLFG, mit den Produkten und vor allem mit dem Ergebnis. Er ermuntert Berufskolleginnen und -kollegen mit Hautproblemen, nicht so lange zu warten wie er, sondern bei Juckreiz, Rissen und ähnlichen Beschwerden gleich einen Hautarzt aufzusuchen und das Angebot der SVLFG im Rahmen des Hautarztverfahrens anzunehmen. Auch wenn seine Hände jetzt schmerzfrei und gepflegt sind, ist L. sensibilisiert. Nach wie vor kontrolliert der Hautarzt deshalb den Zustand seiner Hände. Außerdem weiß Martin L., dass er bei Bedarf jederzeit Dieter Thölken um Rat fragen kann.

Zu den Tätigkeiten, bei denen die Haut sehr stark beansprucht oder gefährdet wird, wenn keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden, zählen zum Beispiel Arbeiten bei Feuchtarbeiten, der Umgang mit Chemikalien, mit Baustoffen oder mit Allergien auslösenden Pflanzen. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung wird festgelegt, welche Maßnahmen die Haut zu schützen. „Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, die notwendigen Schutz-, Reinigungs- und Pflegemittel kostenlos zur Verfügung zu stellen“, sagt Dieter Thölken.

Damit die Haut unversehrt bleibt, rät er: „Tragen Sie Hautschutzprodukte vor der Arbeit sowie in den Pausen und nach dem Händewaschen gleichmäßig auf. Vergessen Sie dabei Fingerzwischenräume und -nägel nicht. Schützen Sie Ihre Hände bei Bedarf zusätzlich mit den passenden Arbeitshandschuhen.“

Vorbeugen ist besser

Wichtig sei es laut Thölken auch, das Hautreinigungsmittel an den Verschmutzungsgrad anzupassen. „Wählen Sie eine möglichst milde Reinigung. Spezielle Reinigungsprodukte mit Reibemittelzusätzen kommen nur bei sehr starker Verschmutzung zum Einsatz“, so der Tipp des Präventionsexperten. Außerdem wichtig: Reinigen Sie Ihre Haut niemals mit Lösungsmitteln wie etwa Aceton oder Pinselreiniger. Nach der Arbeit und vor dem Schlafengehen kommen dann Hauptpflegecremes zum Einsatz.

Weitere Informationen finden Sie online unter www.svlfg.de/koerperschutz alles zum Hautschutz sowie die SVLFG-Broschüre B34 Hautschutz zum kostenlosen Download.