Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Gesundheit

Die häufigsten Schulterkrankheiten im Überblick

Schulter-Schmerzen-Mann: Ein älterer Mann mit grauen Haaren fasst sich mit einem schmerzverzerrtem Gesicht an die Schulter. An seiner Hand ist ein Ehering. Er trägt ein dunkelblaues Hemd.
Anja Kersten
am Mittwoch, 09.02.2022 - 15:35

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk unseres Körpers. Damit ist es besonders anfällig für Krankheiten und Verletzungen. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man vor allem lang anhaltende Schulterschmerzen nicht. Ein Überblick über die häufigsten Schulterkrankheiten

Die Schulter ist eines der am häufigsten von Verletzungen und Erkrankungen betroffenen Gelenke des menschlichen Körpers. In der Schulter treffen Knochen, verschiedene Muskeln, Bänder und Sehnen aufeinander. Wenn da Schmerzen auftreten, ist die Ursache nicht immer leicht zu erkennen. Denn viele Schulterschmerzen werden nicht durch ein bestimmtes Ereignis wie einen Unfall, einen Sturz oder extreme Überlastung ausgelöst, sondern entwickeln sich allmählich.

Von chronischen Schulterschmerzen spricht man dann, wenn die Schmerzen länger als drei Monate bestehen. Spätestens dann sollte man mit seinen Beschwerden zum Arzt gehen, um die Ursachen abzuklären. Denn nicht immer werden die Schmerzen besser, wenn man die Schulter schont. Bei manchen Erkrankungen der Schulter beschleunigt man dadurch sogar den Krankheitsverlauf. Deshalb ist eine Diagnose durch den Arzt wichtig.

Oft können Erkrankungen der Schulter mit konservativen Maßnahmen, das heißt ohne Operation behandelt werden, so Oberarzt Dr. Mark Schmolze. Er ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Klinke Hohe Warte in Bayreuth und gab in einer Online-Veranstaltung des BBV Bayreuth einen Überblick über die häufigsten Erkrankungen der Schulter wie Schulterarthrose, Schultereckgelenkarthrose, Engpass-Syndrom, Verschleiß der Rotatorenmanschette und Kalkschulter.

Anatomie-Schulter: Eine Grafik auf der man das Innere einer Schulter sieht, mit Knochen, Muskeln, Sehnen.

Arthrose in der Schulter: Vorsicht vor dem Teufelskreis

Schulterarthrose ist eine Verschleißerkrankung des Schultergelenkes und entsteht durch Abnutzung des Gelenkknorpels, der zu Entzündungen und Schmerzen führt. Es entsteht ein Teufelskreis: Weil die Schulter schmerzt, schont man sie und bewegt sie wenig, dadurch wird aber der Knorpel nur unzureichend ernährt, was es schlimmer macht. Betroffen von dieser Verschleißerkrankung sind häufig Schulterhaupt- und Schultereckgelenk, die bei allen Hebebewegungen, wie bei jahrelanger Schwerarbeit unter Einbeziehung der Schultern, belastet werden.

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen über 65 Jahre leidet an einer Schulterarthrose, bestätigt Dr. Schmolze. Zudem trifft es Frauen mehr als Männer. Charakteristisch für den Verschleiß an der Schulter sind Schmerzen, die allmählich beginnen, über dem Gelenk bis zum Hals ziehen, in den Oberarm ausstrahlen können und beim Abspreizen auftreten.

Bevor bei der Arthrose der Schulter und des Schultereckgelenks operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden, sollte immer erst ein konservativer Therapieversuch erfolgen, macht der Facharzt deutlich. Meist sind eine medikamentöse Therapie, Krankengymnastik und physikalische Therapie ausreichend. Ziel der Maßnahmen ist es, die Kontrolle des schmerzhaften Entzündungsgeschehens und eine Schultersteife zu verhindern.

Zauberformel: Viel bewegen, wenig belasten

In diesem Zusammenhang rät der Arzt, dass Salben im Vergleich zu Tabletten eine höhere Schmerzlinderung haben können. Krankengymnastik dient dazu, die Gelenke beweglich zu halten, die Muskeln zu kräftigen und ebenfalls den Schmerz zu lindern. „Viel bewegen, wenig belasten“ lautet die Zauberformel. Bei einer physikalischen Therapie wirkt Wärme schmerzlindernd und Kälte entzündungsreduzierend.

Auch vorhandenes Übergewicht sollte reduziert werden. Man weiß aus Studien, dass im Bauchfett entzündungsfördernde Hormone gebildet werden, die auch den Knorpelabbau im Schultergelenk beschleunigen können. „Nahrungsergänzungsmitteln mit Knorpelaufbaustoffen, sogenannte Knorpelkuren, sind dagegen unwirksam“, erklärt der Arzt. Werden die Schmerzen durch die Maßnahmen nicht verringert, können auch Injektionen mit Kortison oder Hyaluron helfen. Hierbei bestehe aber das Risiko einer Infektion oder die Schädigung der Sehne. Eine Injektion mit Hyaluron sollte daher vorwiegend nur bei geringer Arthrose und bei weitestgehend intakten Sehnen durchgeführt werden, erklärt Dr. Schmolze. Für eine Behandlung mit Eigenblut gäbe es Dr. Schmolze zufolge keine eindeutigen wissenschaftlichen Daten.

Schulter-OP: In einem OP-Saal wird gerade an einer Schulter operiert. Man sieht die freigelegte Schulter und eine Hand in Handschuhen, die ein medizinisches Gerät führt. Der Rest ist in grüne Tücher eingehüllt.

Engpasssyndrom – Schulter ruhig stellen

Beim Schulterengpass-Syndrom oder Impingement-Syndrom sind Sehnen und Muskeln innerhalb des Schultergelenks eingeklemmt. Die Schulterschmerzen sind deshalb nicht ständig zu spüren, sondern treten nur bei bestimmten Bewegungen auf, vor allem wenn man den betroffenen Arm seitlich abspreizt oder sich nachts auf die Schulter dreht. Die Schmerzen können auch in den Nacken und Oberarm strahlen.

Hat der Arzt ein Engpasssyndrom festgestellt, sollte die Schulter vorübergehend ruhiggestellt werden. Gegen die akuten Beschwerden helfen entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Auch eine Kortisoninjektion kann, immer unter Abschätzung des Risikos, in Betracht gezogen werden, so der Arzt.

Nach der Schonungsphase beginnt eine Physiotherapie mit gezielten krankengymnastischen Übungen. In jedem Fall ist Geduld angesagt, macht der Arzt klar: „Bis sich die Beschwerden und die verbundenen Einschränkungen verbessern, dauert es mindestens drei bis sechs Monate.“

Verschleiß der Sehnen in der Rotatorenmanschette

Für die Stabilität unseres Schultergelenks sind vier Muskeln, die vom Schulterblatt zum Oberarmkopf ziehen und dort mit ihren Sehnen ansetzen, von Bedeutung. Sie nennt man Rotatorenmanschette. Diese Sehnen werden im Laufe unseres Lebens stark beansprucht, verschleißen und reißen, besonders wenn man viel über Kopf arbeitet oder bei Sportarten, die über Kopf gespielt werden.

Je älter man wird, desto häufiger ist diese Art der Verletzung, so Dr. Schmolze. Betroffen ist meist die Arbeitshand, also beispielsweise bei Rechtshändern die rechte Hand. Die Patientinnen und Patienten sind in ihrem Bewegungsbereich anfangs weniger eingeschränkt als bei anderen Erkrankungen der Schulter, haben aber Schmerzen, erklärt der Arzt.

Die Sehne kann sich nicht selbst heilen, deswegen sind verschiedene medizinische Maßnahmen nötig: Durch Medikamente, Injektionen, Krankengymnastik und physikalische Therapie kann in vielen Fällen eine Operation verhindert werden. Ob und wann operiert werden muss, hängt von mehreren Faktoren ab. Mitentscheidend dafür sei, in welchem Maß die Schulter oder der Arm noch beansprucht werden soll und wie groß die Schmerzen und die Einschränkungen sind, erklärt der Arzt. Erst wenn die konservative Therapie nach sechs Monaten nicht anschlägt, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Schulterschmerzen-Mann: Ein Mann steht mit nacktem Oberkörper vor einer schwarzen Wand. Er hält sich sein Hand auf seine Schulter.

Kalkschulter heilt meist von alleine aus

Ein plötzlich stechender Schmerz in der Schulter, oft ohne vorangegangene Belastung, Schmerzen beim Arbeiten über dem Kopf, beim Abspreizen des Arms sowie beim Liegen auf der betroffenen Stelle, können Anzeichen einer Kalkschulter sein. Die Kalkschulter tritt besonders häufig im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, weiß Dr. Schmolze.

Auch hier sind die Sehnen der Rotatorenmanschette betroffen, in denen sich Kalziumsalze ablagern. Der Prozess der Kalkeinlagerung läuft in verschiedenen Stadien ab. Er kann Jahre dauern und auch wieder ruhen, ohne dass die Betroffenen etwas davon merken. Irgendwann lösen sich die Kalkkristalle und werden abgebaut.

Bei diesem Umbauprozess kommt es oft zu einer schmerzhaften Entzündungsreaktion. Gegen diese akuten Schmerzen verordnet der Arzt Medikamente und stellt während der akuten Phase die Schulter ruhig. Dann folgt begleitend eine Bewegungstherapie.

Meist heilt die Kalkschulter nach einigen Wochen oder Monaten von allein aus. Wenn nicht, gibt es die Möglichkeit des Needlings oder der Stoßwellentherapie. Beim Needling wird das Kalkdepot über Nadeln „abgesaugt“. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Kleinere Kalkdepots können mit der Stoßwellentherapie aufgelöst werden. Die Erfolgsquote bei der Stoßwellentherapie liegt nach Aussage von Dr. Schmolze bei bis zu 50 %. Helfen auch diese Maßnahmen nicht weiter, dann kann der Kalk operativ entfernt werden. Anja Kersten

Vorgehen bei Schulterschmerzen

Wann zum Arzt?

  • Sehr starke, stechende Schulterschmerzen
  • Immer wiederkehrende Schulterschmerzen
  • Sturz auf die Schulter mit starken Schmerzen
  • Steifheit und Unbeweglichkeit von Arm und Schulter
  • Gefühlsstörungen (Taubheit, Kribbeln, Ameisenlaufen)
  • Ausstrahlen der Schulterschmerzen (Nacken und Arm)
  • Plötzliche linksseitige Schulterschmerzen (Verdacht auf Herzinfarkt oder Angina pectoris)

Fragen bei Diagnose

  • Wie lange bestehen die Schulterschmerzen schon?
  • Wann sind sie aufgetreten: Plötzlich oder wurde der Schmerz allmählich schlimmer?
  • Wann schmerzt es: nur tagsüber oder auch nachts?
  • Wo schmerzt die Schulter: seitlicher, vorderer, oberer, äußerer oder hinterer Schulterschmerz?
  • Bei welchen Bewegungen treten die Schmerzen auf?

Abklärung erfolgt durch folgende Untersuchungen:

  • Ultraschall,
  • Röntgen,
  • MRT,
  • CT.

Nach einem Sturz auf die Schulter

Nach Stürzen auf die Schulter treten häufig folgende Verletzungen auf:

  • Schulterprellung/-zerrung: Hier sind die sogenannten Weichteile, also Muskeln und Sehnen, gequetscht worden (Prellung) oder gedehnt (Zerrung). Typisch sind deutliche Schmerzen in der betroffenen Schulter, die den Betroffenen häufig dazu veranlassen, die Schulter ruhig zu halten. Oft kommt ein Bluterguss zum Vorschein. Die Prellung/Zerrung heilt üblicherweise gut aus.
  • Schulterluxation (Auskugeln der Schulter): Wenn nach einem Unfall der Oberarmkopf aus der Schulterpfanne ausgerenkt ist, ist das sehr schmerzhaft, der Arm ist gebrauchsunfähig. Die Schulter wird dann meist unter örtlicher Betäubung wieder eingerenkt. Das sollte schnell geschehen.
  • Schultereckgelenksprengung: Mehrere Bänder verbinden das Schlüsselbein mit dem Schulterdach am sogenannten Schultereckgelenk. Wenn sie ganz oder teilweise reißen (etwa nach einem Sturz vom Rad oder vom Pferd), tritt meist das äußere Ende des Schlüsselbeins hervor. Es gibt unterschiedliche Grade dieser Verletzung, je nachdem wie stark sie ist, wird eine Operation nötig.
Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt