Gartenreportage Oberpfalz

Gartenglück im Klimawandel

Links ein Bild mit einem Bauernhaus, davor ein großer Garten. Rechts Bäuerin Renate Griesbauer, inmitten von grün, in einem Sommerkleid, blod, lockige, schulterlange Haare, Brille, hält einen Blumenstrauß mit Gartenblumen in der Hand.
Bärbel Steinberger
am Freitag, 23.07.2021 - 14:18

Für Renate Griesbauer ist ihr Bauerngarten Glück pur. Seit ihrer Ausbildung zur Gartenbäuerin feilt sie nicht nur an seiner Gestaltung, sondern macht ihn auch fit für den Klimawandel.

Mitten im fruchtbaren Gäuboden, direkt vor den Toren der alten Herzogsstadt Straubing, liegt der Hof der Familie Griesbauer. Im Vollerwerb werden dort Zuckerrüben, Getreide und Sonderkulturen angebaut. In den 1990er Jahren baute die Familie ein für die Gegend typisches Bauernhaus und der Garten dazu sollte ein typischer Bauerngarten sein. Die beauftragte Gartenplanerin entschied sich damals für den klassischen Grundriss mit Vierteilung durch ein Wegekreuz, Wasserbecken in der Mitte und Buchseinfassung.

Die Terrasse wurde in den Garten integriert

Rambler-Maschinenhalle

Das Besondere war, dass ein Viertel davon die Terrasse des Hauses einnimmt. „So kann man direkt mitten im Garten sitzen“, freut sich die Gartlerin Renate Griesbauer. Diese Einteilung besteht nach wie vor, doch am Pflanzenbestand und an der Bewirtschaftungsweise hat sich einiges geändert. Während früher der Garten eher nebenbei bewirtschaftet wurde, da der Betrieb und die Kinder natürlich Vorrang hatten, nimmt er mittlerweile eine große Stellung im Leben von Griesbauer ein.

Die Ausbildung zur Gartenbäuerin, die sie vor etwa zehn Jahren am Amt für Landwirtschaft in Straubing absolvierte, brachte den Wandel. Die Bäuerin vertiefte ihre gärtnerischen Kenntnisse, holte sich Mut und legte los. Sie blickt zurück: „Jahr um Jahr wurde es immer mehr und immer intensiver. Rückschläge inbegriffen.“ Doch mittlerweile zieren prächtige Petunien den Balkon, unzählige Kübelpflanzen schmücken den Eingang, dreierlei Ramblerrosen ranken am Giebel der Maschinenhalle empor und jede Menge Wildpflanzen bevölkern den unversiegelten Hofraum. Die vom Buchsbaumpilz geschädigte Einfassungshecke ersetzte sie kurzerhand durch die Japanische Zwerghülse (Ilex crenata). Die übrig gebliebenen Buchskugeln schützt sie mit einem Bacillus thuringiensis-Präparat gegen den Buchsbaumzünsler.

Kiesgarten voll mit prächtigen Blüten

Kiesgarten - Griesbauer-Garten

Um den Gießaufwand zu reduzieren und Wasser einzusparen, entschied sie sich für eine Tröpfchenbewässerung im Garten. Zusammen mit Ehemann Alfons verlegte sie Schlauch um Schlauch. „Balkonpflanzen, Tomaten und Staudenbeete werden so optimal versorgt, ohne viel Arbeit zu machen“, ist Griesbauer von der Technik überzeugt. Ihre Zeit investiert die Gartenbäuerin nämlich lieber darin, Neues zu schaffen. So ist ihr neuestes Projekt ein frisch angelegter Kiesgarten im hinteren Bereich des Hofes, der bisher Lagerfläche war.

Angeregt durch ähnliche Pflanzungen auf Gartenschauen hat sie trockenheitsverträgliche Stauden wie Königskerze, Muskatellersalbei, Thymian sowie verschiedene Gräser und Zierlauche direkt in ein Kies-Sand Gemisch gesetzt. Dazwischen hat sie noch etwas Samen von Natternkopf, Karthäusernelke und Färberwaid gestreut, alles Wildpflanzen, die am Betrieb zur Gewinnung von autochtonem Saatgut vermehrt werden. Diese Pflanzung soll in Zukunft ohne ständiges Wässern auskommen und zeigen, wie sie mit dem Klimawandel zurechtkommt.

Mohnpflanzen links, rechts Sporenblume

Genau das ist es, was die Gärtnerbäuerin so liebt: in der Natur zu werkeln – säen, pflanzen Unkraut jäten – und zu sehen, wie sich alles entwickelt, wie eine Idee Form annimmt und wie man lenkend eingreifen muss, um die Idee weiter zu verfolgen, denn nie ist eine Pflanzung statisch, sondern durch verschiedenste Einflüsse immer in Bewegung.

Das Gemüse reicht für den eigenen Bedarf

Gemuesegarten - Griesbauer-Garten

In Sachen Gemüse ist man am Griesbauerhof inzwischen sogar Selbstversorger. Vom ersten Salat, über Kohlrabi, Tomaten und Zucchini bis hin zum Weißkohl zum Einschneiden zieht die Gartenbäuerin alles selbst. Und in Sachen Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz macht ihr so schnell keiner etwas vor. Wichtig ist ihr bei alledem, dass der Garten naturnah und resourcenschonend bewirtschaftet wird. So düngt sie mit unkrautfreiem Kompost vom nahegelegenem Kompostwerk, mischt aber für Tomaten, Paprika und Zucchini auch gerne betriebseigenen Hühner- und Alpakamist unter.

Auch im Gemüsebeet sind ihre lenkenden Eingriffe gefragt, denn dort wächst nicht alles in Reih und Glied, sondern der Salat teilt sich das Beet mit Zuckermais und Brokkoli, dazwischen blühen Kalifornischer Mohn, Borretsch und Mutterkraut. „Alles darf ruhig eng stehen, die Bedeckung des Bodens ist wichtig“, erklärt Griesbauer. „Sie schützt vor Verdunstung und Erosion.“ Nur ein Zuviel an wandernden Gesellen wird entfernt.

 

Aus einem Mitbringsel wurde die eigene Hofsorte

Rankgitter-Gemuese-Griesbauer-Garten

Besonders stolz ist die Gartenbäuerin auf eine ihrer Tomatensorten: „Die hab’ ich einfach Floridatomate getauft, weil ich die Samen vor dreißig Jahren von unserer Hochzeitsreise nach Florida mitgebracht habe. Da war eine gelbe Fleischtomate noch ganz was Besonderes.“ Seitdem vermehrt sie diese Sorte jedes Jahr aufs Neue und hat im Laufe der Zeit durch gezielte Auslese eine Art Hofsorte daraus entwickelt, die angepasst ist an die örtlichen Bedingungen.

Zusammen mit etwa zwanzig weiteren Tomatensorten, Kletterzucchini, Stangenbohnen, Himbeeren und Brombeeren wachsen sie an der Mauer der Maschinenhalle an einem selbstkonstruierten Gerüst aus Zaungeflecht empor, wo sie prächtig gedeihen. „Manchmal brauche ich zum Ernten eine Leiter“, meint Griesbauer da sichtlich stolz und nascht nebenbei ein paar Himbeeren, die jetzt schon reif sind.

Die Gartenarbeit voller Freude erledigen

Auf die viele Arbeit angesprochen, die so ein Garten mit sich bringt, meint die Gartenbäuerin nur: „Meistens macht es Spaß und ist Gardening, wie der Engländer so schön sagt – nur der Giersch an einigen Stellen ist manchmal lästig.“ Auch für die Zukunft hat die Gartenbäuerin noch einige Ideen auf Lager. Da der Platz im Bauerngarten begrenzt ist, liebäugelt sie mit einem Feldgarten – mal sehen, ob ihr Mann da etwas abzweigen kann.

Tipps der Gartenbäuerin

Buchsbaum ist mit netzartigem Vlies abgedeckt.

Renate Griesbauer gibt ihre Erfahrungen, die sie in den vielen Gartenjahren gemacht hat, gerne an Leserinnen weiter. 

Formschnitt von Buchs u. Co.: Frisch geschnittener Buchs leidet oft, weil die Pflanze durch die Schnittflächen viel Wasser verdunstet. „Um die Pflanzen vor zu viel Verdunstung zu schützen, schneide ich Buchs nur bei bedecktem Himmel oder ich schattiere ihn anschließend mit Vlies oder Netzen“, erklärt Renate Griesbauer.

Inmitten von Pflanzen steht ein ringförmiges Eisengestell.

Pflanzenstützen integrieren: Selbstgefertigte Eisenstützen geben Strauchrosen und Pfingstrosen Halt. Dadurch muss man die Pflanzen nie wieder aufbinden, weil sie selbst in ihre Stütze hineinwachsen – zudem sind sie ganzjährig dekorativ.

Profisorgen im Gemüseanbau: Gutes Saatgut ist die Basis für einen erfolgreichen Gemüseanbau. Griesbauer betont: „Gerade bei Salat habe ich mit Profisorten, die Resistenzen gegen Mehltau und Läuse haben, gute Erfahrungen gemacht.“ Empfehlenswert sind zum Beispiel Lollo Rosso ‘Solsun’ und sein grünes Pendant Lollo Bionda ‘Onyx’, da sind keine weiteren Pflanzenschutzmaßnahmen nötig.

In einem Beet liegt ein schwarzer, dicker Schlauch. Er ist eher unauffällig und dient zur Tröpfchenbewässerung.

Schluss mit Gießkannen schleppen: „Mit der Tröpfchenbewässerung spare ich unglaublich viel Zeit und Wasser. Das ist eine Investition, die sich in jedem Fall lohnt und die ich nicht mehr missen möchte“, schwärmt die Gartenbäuerin. „Bei der Balkonbepflanzung habe ich mich für das Blumat-System entschieden. Ein Tonkegel misst in jedem Kasten die Feuchtigkeit und regelt so die Wasserabgabe ganz individuell und bedarfsgerecht. Bei den Tomaten drehe ich einfach bei Bedarf den Wasserhahn auf, bis ich denke, dass es genug ist.“

Wiese statt Rasen: Da der Rasen stark vermooste, haben sich die Griesbauers für eine Blumenwiese entschieden und nach und nach umgesetzt. Jetzt wachsen dort Margeriten, Brunelle, Schafgarbe und Ehrenpreis, dienen den Insekten und es wird nur einmal im Jahr gemäht.

Wandernde Pflanzen, Scabiose, Kiesgarten, Griesbauer-Garten

Wandernde Pflanzen: Da sich Ein- und Zweijährige durch Selbstaussaat erhalten, ist es wichtig, im Garten nicht zu viel zu hacken. Die Gartlerin lässt die Pflänzchen lieber erstmal wachsen und entfernt dann Unerwünschtes nach einem Regenguss durch Herausziehen. Beste Bedingungen bietet dafür die aufgekieste Hoffläche, wo auch das Wasser gut versickern kann.

Blick über den Gartenzaun: „Die besten Ideen für den eigenen Garten bekomme ich, wenn ich andere Gärten besuche. Egal ob Privatgärten, öffentliche Gärten oder Gartenschauen, immer komme ich absolut inspiriert nach Hause“, schwärmt Griesbauer. „Das ersetzt viele, viele Gartenbücher und macht auch mehr Spaß.“

 

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